PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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  • Das Archiv enthält alle Jahrgänge seit 1971 und die Sonderhefte im Volltext. Die Volltexte der je aktuellen drei Jahrgänge sind nicht online, können aber beim Verlag oder im (linken) Buchhandel bestellt werden.

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Kritische Sozialwissenschaft nicht dem Markt überlassen

admin am 5. Dezember 2016

Ein weiteres Jahr führt vor Augen, wie wichtig für kritische Gesellschaftstheorie, Kritik der politischen Ökonomie und fundierte politische Diskussionen eine Zeitschrift wie die PROKLA ist. Das zeigt ein Blick auf die letzten Ausgabenschwerpunkte: Ausnahmezustand (Heft 185), Energiekämpfe (Heft 184), Ökonomie der Flucht und Migration (Heft 183), Religion und Politik (Heft 182), geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“ (Heft 181). Die PROKLA hat in den letzten Ausgaben die Entwicklungen in Frankreich und Venezuela begleitet und kritisch kommentiert. Debattiert wurde über die Rolle Deutschlands in der EU, und was von den Bewegungen in Spanien und Griechenland übrig bleibt. In mehreren Städten wurden auf Veranstaltungen die Heftthemen vorgestellt und diskutiert. Die kommenden Ausgaben beschäftigen sich mit den Themen politische Ökonomie des Internets, Gesellschaftskritik, Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus.

Kritische Sozialwissenschaft kann jedoch nicht dem Markt überlassen werden. Ohne solidarische Strukturen und finanzielle Unterstützung sind Zeitschriften wie die PROKLA kaum möglich. Seit 1971 erscheint die PROKLA und bietet politisch engagierte, kritisch-materialistische Analysen, die gegenwärtig wichtiger sind denn je. Das zeigt ein Blick auf die letzten Ausgabenschwerpunkte.

Der wissenschaftliche Zeitschriftenmarkt hat sich inzwischen weitgehend selbst der Logik der neoliberalen Hochschule unterworfen. Für viele kritische Autoren und Autorinnen sind deshalb Zeitschriften wie die PROKLA wichtiger denn je, wenn sie Analysen jenseits des Mainstreams veröffentlichen und zur Diskussion stellen wollen. Texte online zu publizieren, hat sich bisher nicht als adäquate Alternative erwiesen, auch wenn das Internet sicher an Bedeutung gewonnen hat und zukünftig wichtiger werden wird. Auch die PROKLA stellt frühere Ausgaben in einem Archiv als Volltext zur Verfügung.

Allein von den Verkaufserlösen kann sich die PROKLA jedoch nicht finanzieren, und in die Abhängigkeit von Parteien oder großen Verlagen wollte sie sich nie begeben. Deshalb wird die PROKLA von einem Förderverein herausgegeben, der „Vereinigung zur Kritik der politischen Ökonomie e.V.“. Wir würden uns deshalb über Unterstützung und Spenden freuen. Vor allem regelmäßige finanzielle Beiträge – und seien sie noch so klein – schaffen die Voraussetzungen für Kontinuität und Planbarkeit, wie sie für die Redaktionsarbeit unabdingbar sind. Für Mitgliedsbeiträge und Spenden stellen wir steuerabzugsfähige Spendenbescheinigungen aus, die „Vereinigung“ ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Weitere Informationen teilen wir gerne per E-Mail mit.

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Call for Papers PROKLA 1917:

admin am 4. November 2016

Call for Papers PROKLA
100 Jahre russische Revolution“ (2017)

Wie auch immer die russische Revolution, ihre Ursachen und Folgen beurteilt werden – Einigkeit besteht darin, dass es sich um ein weltgeschichtlich herausragendes, epochales Ereignis handelt. Auch 100 Jahre danach und mehr als 25 Jahre nach dem Untergang der So­wjetunion und des „real existierenden Sozialismus“ in Osteuropa ist die Auseinander-setzung mit der russischen Revolution nicht nur in geschichtspolitischer Hinsicht wichtig. Das Thema „100 Jahre russische Revolution“ umfasst nicht nur das historische Ereignis, sondern die ge­samte Geschichte des „kurzen“ 20. Jahrhunderts und das Verständnis von grund-legenden politischen Kategorien in diesem Kontext: Sozialismus, Kommunismus, Reform, Revolution, Transformation, Geschichte, Staat, Partei oder Demokratie. Die Redaktion der PROKLA plant über das Jahr 2017 verteilt die Veröffentlichung von Beiträgen zum Thema „100 Jahre russische Revolution“, das aus Sicht der Redaktion unter anderem folgende Gesichtspunkte umfasst:

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Editorial PROKLA 184

admin am 16. September 2016

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Titel 2016-03Editorial: Energiekämpfe: Interessen, Kräfteverhältnisse und Perspektiven (September 2016)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Energiekämpfe: Interessen, Kräfteverhältnisse und Perspektiven (September 2016)
Markus Wissen: Zwischen Neo-Fossilismus und „grüner Ökonomie“. Entwicklungstendenzen des globalen Energieregimes
Tobias Haas: Die Energiewende unter dem Druck (skalarer). Kräfteverschiebungen. Eine Analyse des EEG 2.0
Achim Brunnengräber und Felix Syrovatka: Konfrontation, Kooperation oder Kooptation? Staat und Anti-Atom-Bewegung im Endlagersuchprozess
Hendrik Sander: Die Bewegung für Klimagerechtigkeit und Energiedemokratie in Deutschland. Eine historisch-materialistische Bewegungsanalyse
Kristina Dietz, Oliver Pye und Bettina Engels: Sozial-räumliche Dynamiken der Agrartreibstoffe. Transnationale Netzwerke, skalare Rekonfigurationen, umkämpfte Orte und Territorien
Einsprüche
Ulrich Schachtschneider: Jenseits des Bürgerinvestors: Energiewende needs Degrowth
David Döll: Die Strategie der convergence des luttes in Frankreich. Zur Bewegungsdynamik zwischen Demokratie- und Klassenfrage
Außerhalb des Schwerpunkts
Alex Demirović: Die Selbstreflexion des Marxismus. Fünfzig Jahre Negative Dialektik
Ulf Kadritzke: Zur Mitte drängt sich alles (Teil 1). Historische Klassenstudien im Lichte der Gegenwart

Das auf der Verbrennung der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas beruhende Energiesystem befindet sich in einer Krise. Zwar dürften die fossilen Vorkommen noch eine Weile reichen – das gilt umso mehr, als sowohl beim Öl als auch beim Gas zunehmend auf unkonventionelle Ressourcen (Teersand, Schieferöl- und -gas) zurückgegriffen wird. Allerdings wird die Verbrennung von Öl und Kohle aus klima-, in Ländern wie China auch aus gesundheitspolitischen Gründen zunehmend kritisiert. Am Abbau und an der energetischen Nutzung der besonders klimaschädlichen Braunkohle entzündet sich derzeit in einigen Ländern eine Protestbewegung, die sich auf lokale Anti-Kohle-Initiativen ebenso wie auf zentrale Veranstaltungen in Gestalt von Protest-Camps oder direkte Interventionen an Tagebauen stützt. Erdgas ist zwar im Vergleich zu Öl und Kohle weniger umweltschädlich, jedoch wird die Gasversorgung in Europa von den jüngsten geopolitischen Spannungen zwischen Russland und der EU bzw. der NATO überlagert. Außer durch Ressourcenkonflikte und die Überlastung der Senken – also jener Ökosysteme, die die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger absorbieren und damit eine wichtige klimatische Regulierungsfunktion ausüben – ist das fossilistische Energiesystem auch vonseiten der erneuerbaren Energien unter Druck geraten. Deren Nutzung befindet sich weltweit im Aufschwung. Weiterlesen im Editorial.

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Call for Papers PROKLA 187: Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus

admin am 2. August 2016

Call for Papers PROKLA 187
Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus
(Heft 2, Juni 2017)

Schlagwörter wie „Industrie 4.0“ oder „Digitalisierung“ sind derzeit in aller Munde. Doch die Verkündigung einer vierten industriellen Revolution wirkt angesichts der wirtschaftlichen Stagnation in Europa wie ein zweckoptimistisches Heilsversprechen. Vielmehr ist dieser Begriff ein rhetorischer Coup von Unternehmensverbänden und Bundesregierung: Der Standort Deutschland soll, so die Protagonisten, neu erfunden werden. Das Ziel ist eine produktivere, ökologisch nachhaltigere und sozial gerechtere Zukunft. Gleichzeitig ist „Industrie 4.0“ ein geopolitisches Standortprojekt: Es geht darum, im Digitalisierungswettlauf die Nase vorn zu haben, die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie zu steigern und Produktionskapazitäten in die „Hochlohnländer“ zurückzuholen.

Der aufgeladene Kunstbegriff „Industrie 4.0“ ist deshalb ungeeignet, einen realistischen Blick auf die aktuellen Veränderungen zu gewinnen. Es ist eher von einer schrittweisen Durchsetzung digitaler Technologien auszugehen als von einer Revolution – schließlich sind einige der propagierten „Innovationen“ schon seit Jahren im Einsatz. Der Begriff „Industrie 4.0“ lässt zudem die Umbrüche im Dienstleistungssektor, etwa die Entstehung neuer transnationaler E-Commerce-Unternehmen, außen vor und verengt den Blick auf einzelbetriebliche Veränderungen. Doch sind gerade von der gesamtgesellschaftlichen Technologienutzung Veränderungen zu erwarten, etwa bei der Restrukturierung von Unternehmensorganisation und -netzwerken oder der Neuzusammensetzung von Arbeitsprozessen. Solche Umbrüche sind nur mit einem umfassenden Blick auf Wertschöpfungsnetzwerke und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu erfassen. Dazu bedarf es einer Klärung, ob der digitale Wandel geo- und klassenpolitisch relevante Prozesse anstößt und welche Erscheinungsformen diese annehmen.

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Call for Papers PROKLA 186: Die Materialität und politische Ökonomie des Internets

admin am 13. Juli 2016

Call for Papers PROKLA 186
Die Materialität und politische Ökonomie des Internets
(Heft 1, März 2017)

Das Internet hatte lange Zeit den Ruf, ein dezentraler, hierarchiefreier und demokratischer Raum zu sein. Spätestens mit den Enthüllungen durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden wurde jedoch deutlich, dass die materielle und technologische Infrastruktur des Internets alles andere als das ist. Es gibt riesige und nur wenige Internet-Knotenpunkte, die die gesamten transatlantischen Datenströme konzentrieren. Zudem ist die Ökonomie des Internets sehr stark von Oligopolen geprägt, ein neues – und das leistungsstärkste – Transatlantikkabel werden in naher Zukunft Facebook und Microsoft realisieren.

Während in letzter Zeit viel über Datensicherheit und -schutz sowie über Kontrolle von geheimdienstlichen Aktivitäten diskutiert wurde, bleibt die „politische Ökonomie“ und die „Materialität“ des Internets meist außerhalb kritischer Analyse. Es wird zwar viel darüber geredet, wie das Internet die Arbeitswelt verändern könnte („Industrie 4.0“), aber weniger darüber, wie das, was das Internet materiell und „immateriell“ ausmacht, selbst eine Anlagesphäre von Kapital (von Google und Facebook über Technologieanbieter von Cisco bis Intel) sowie ein politisch und ökonomisch umkämpftes Terrain ist. Das Internet hat seinen historischen Ursprung im Militärischen und in der Hochschule. Es kann also bezweifelt werden, dass allein eine „gute Idee“ pervertiert wurde, vielmehr waren Machtverhältnisse und strategische Interessen seit Beginn in die „neue“ Technik eingeschrieben. Das Internet ist zudem hoch politisch: Die Vergabe von IP-Adressen und die Koordination des Domain Name Systems (DNS) und der dafür nötigen Root-Nameserver-Infrastruktur ist abhängig vom US-Wirtschaftsministerium. Hinter den www-Adress-Zeilen, die tagtäglich in Browserfenster eingegeben werden, verbirgt sich also ein kaum bekanntes, aber hart umkämpftes politisch-ökonomisches Feld.

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Editorial PROKLA 183

admin am 26. Mai 2016

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Titel 2016-02Editorial: Ökonomie der Flucht und der Migration (Juni 2016)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Ökonomie der Flucht und der Migration (Juni 2016)
Fabian Georgi: Widersprüche im langen Sommer der Migration. Ansätze einer materialistischen Grenzregimeanalyse
Silke van Dyk und Elène Misbach: Zur politischen Ökonomie des Helfens. Flüchtlingspolitik und Engagement im flexiblen Kapitalismus
Sebastian Muy: Hilfe zwischen Abschreckung und Profit Interessenkonflikte Sozialer Arbeit in Flüchtlingssammelunterkünften gewerblicher Träger in Berlin
Karin Scherschel: Citizenship by work? Arbeitsmarkpolitik im Flüchtlingsschutz zwischen Öffnung und Selektion
Dorothea Schmidt: Die deutsche Rüstungsexportpolitik. Wer Waffen liefert, heizt Kriege an und treibt Menschen in die Flucht
Angela Schweizer: Die Ökonomie des Zwischenlandes. Informelle Beschäftigungsfelder undokumentierter Subsahara-Migrant_innen im Norden Marokkos
Einsprüche
Alex Demirović: Der Tigersprung. Überlegungen zur Verteidigung der „Gegenwart“
Felix Syrovatka: Nuit Debout: Frankreich gerät in Bewegung!
Aaron Tauss: Venezuela: Die „bolivarianische Revolution“ in der Krise

Bis zum Frühsommer 2015 kamen die meisten Menschen, die Krieg, Verfolgung, Staatszerfall und wirtschaftlicher Not in ihren Heimatländern entfliehen und Europa erreichen wollten, aus Somalia und dem Sudan sowie aus Syrien und Afghanistan. In der Regel versuchten sie über das Mittelmeer nach Italien oder Malta zu gelangen, viele davon bezahlten dies mit ihrem Leben. So standen im Jahr 2014 den mehr als 200.000 Flüchtlingen, die die europäische Küste erreichten, mehr als 3.000 gegenüber, die im Meer ertrunken waren. Während Papst Franziskus Lampedusa besuchte, um dort die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden der Flüchtlinge anzuprangern, und während die italienische Marine mit der Operation Mare Nostrum insgesamt mehr als 100.000 Flüchtende in Seenot rettete, fiel führenden PolitikerInnen der EU nicht mehr dazu ein, als diese Maßnahmen der italienischen Regierung als Einladung zur Flucht zu kritisieren. An Hilfen dachten andere Länder als Italien nicht und eine finanzielle Beteiligung der EU daran wurde abgelehnt. Eine Änderung der Modalitäten für die Einwanderung und die Beantragung von Asyl wurde nicht einmal erwogen. Stattdessen wurde im Herbst 2014 für die EU-Grenzagentur Frontex die Operation Triton beschlossen, bei der Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber die EU-Außengrenzen sichern sollten. Diese Linie setzte sich im Mai 2015 mit dem Beschluss zur Bekämpfung des „Schlepperunwesens“ im Mittelmeer konsequent fort und offiziell wurde verkündet: „Nach dem Vorbild des Anti-Piraterie-Einsatzes vor der somalischen Küste sollen EU-Kriegsschiffe Schlepperboote zerstören, die zur Überfahrt von Flüchtlingen über das Mittelmeer genutzt werden.“ (Demling/Wittrock 2015) In Somalia war Anfang der 1990er Jahre jegliche funktionierende Staatlichkeit zusammengebrochen, was europäische (ebenso wie außer-europäische) Fischfangflotten zu massiver illegaler Fischerei nutzten, womit wiederum den Einheimischen weitgehend die Lebensgrundlage entzogen wurde, weshalb sich in der Folge viele von ihnen als Ausweg der Piraterie zuwandten. Dies bewog die EU 2008, wie Heide Gerstenberger in PROKLA 163 analysiert (Gerstenberger 2011), zur Militärmission Atalanta. Wie sein Vorgänger ist der neue Plan rechtlich höchst umstritten, auch lag die Vermutung nahe, man wolle dabei nicht Flüchtlinge vor kriminellen Schleppern, sondern die europäischen Länder vor den Flüchtlingen schützen. Es ist bisher unklar, ob und wieweit dieses Vorhaben umgesetzt wurde und was es bewirkte, dennoch folgte ihm im Februar 2016 der Beschluss der NATO, einen Marineverband in die Ägäis zu schicken, um abermals „Schleuserbanden“ zu bekämpfen. Inzwischen hat sich die Situation allerdings grundlegend gewandelt. Weiterlesen im Editorial.

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Call for Papers 185: Ausnahmezustand – Barbarei oder Sozialismus?

admin am 18. Mai 2016

Call for Papers PROKLA 185
Ausnahmezustand – Barbarei oder Sozialismus?
(Heft 4, Dezember 2016)

Die gegenwärtige Situation ist schwer zu fassen. Betrachtet man die Entwicklungen seit dem Ausbruch der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007, so erinnert vieles an die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre: Auf die ökonomische Krise folgte eine politische Krise in vielen Ländern. Dabei verläuft die Entwicklung der politischen Krise im Vergleich zu den 1930er Jahren jedoch einerseits viel langsamer, was darauf verweist, dass auch die Herrschenden aus früheren Krisen gelernt haben und dass der globale Kapitalismus heute in viel stärkerem Maße als vor dem Zweiten Weltkrieg über ökonomische, politische und ideologische Stabilisatoren verfügt. Andererseits sind viele politische Entwicklungen weniger eindeutig und die Ereignisse und Probleme, die die öffentliche Diskussion beherrschen, lösen sich in immer schnellerem Rhythmus ab. Die kritische Analyse kommt ins Hintertreffen, sie hinkt der Verschiebung der Herausforderungen und Prioritäten hinterher: Weltwirtschafts- und Finanzkrise, wachsende (globale) Ungleichheit, der sogenannte Arabische Frühling und die Occupy-Bewegung (und deren Niedergang), Staatenzerfall, geopolitische Konflikte und Kriege in Libyen, der Ukraine, Syrien, zwischen den Großmächten und Regionalmächten (und Verbündeten), Fluchtbewegungen in historischem Ausmaß, Entdemokratisierung, rechte und faschistische Mobilisierungen in allen westlichen Industriestaaten, Backlash und Anti-Genderismus, religiöser Fundamentalismus, nahezu unumkehrbarer Klimawandel und nachhaltige Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen etc. pp.

Wir befinden uns an einem Punkt, an dem die Bemühung, den Entwicklungen und ihren Ursachen nachzuspüren und Zusammenhänge zu erschließen, atemlos macht – und irgendwie vergeblich wirkt. Dieser „Ausnahmezustand“ bedarf selbst einer kritischen Analyse. Dabei ist mit „Ausnahmezustand“ nicht einfach eine Herrschaftspraxis jenseits rechtsstaatlicher Prinzipien gemeint, die es zunehmend auch gibt, sondern die zeitdiagnostische Feststellung: die Welt scheint aus den Fugen.

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Editorial PROKLA 182

admin am 14. März 2016

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Titel 2016-01Editorial: Religion, Politik und Ökonomie (März 2016)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Religion, Politik und Ökonomie (März 2016)
Stephan Lanz: Religiöser metropolitaner Mainstream. Zum gegenwärtigen Verhältnis zwischen Stadt, Religion und Neoliberalismus
Ingar Solty: Markt-Religion. Die Genealogie neoliberaler Religiosität in den USA.
Sascha Radl: Der Aufstieg von Ansar Allah im Jemen. Zwischen Kapitalismus, Patronage und Marginalisierung
Andreas Wiebel: Ein Elefant auf Abwegen. Indiens fundamentaler Politikwechsel unter Narendra Modi
Katharina Götsch: Irans Außenpolitik zwischen Religion und Macht
Andreas Arndt: Kapitalismus als Religion?
Außerhalb des Schwerpunkts
Sarah Bormann: Hardware – Hard Work. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von NGOs am Beispiel von unternehmenszentrierten Kampagnen in der ITK-Industrie
Einsprüche
Peter Wahl: Was ist wirklich dran an der deutschen Führungsrolle in der EU?
Mario Candeias: Die verbindende Partei im Praxis-Test. Eine Diskussion mit Dario Azzelini (PROKLA 181/2015)

Huntington is back again! Vor mehr als zwei Jahrzehnten prägte Samuel Huntington – zunächst als Frage, dann als Behauptung – die Formel vom Clash of Civilizations, der dem Westen, nachdem ihm der Kommunismus der realsozialistischen Länder abhanden gekommen war, neue Feindbilder benannte. 1993 veröffentlichte er in der Zeitschrift Foreign Affairs den Aufsatz „The Clash of Civilizations?“ und 1996 folgte die Monographie Clash of Civilizations and the Remaking of World Order, die zu einem internationalen Bestseller wurde. In einer deutschen Kurzfassung des Aufsatzes führte Huntington seine zentralen Gedanken aus: „Meine These ist, daß die grundlegende Ursache von Konflikten in dieser neuen Welt nicht ideologischer oder wirtschaftlicher Natur sein wird. Der wichtigste Grund für die Konflikte wird kulturell bestimmt sein. Nationalstaaten werden zwar die mächtigsten Akteure auf dem Globus bleiben, die grundsätzlichen Auseinandersetzungen der Weltpolitik aber werden zwischen Nationen und Gruppierungen aus unterschiedlichen Kulturen auftreten. Der Zusammenprall der Zivilisationen (civilizations) wird die Weltpolitik beherrschen …“ Diese Kulturen definierten sich „sowohl durch gemeinsame objektive Elemente – wie Sprache, Geschichte, Religion, Gebräuche, Institutionen – wie durch das subjektive Selbstverständnis der Menschen, die in ihr leben.“ Die Anzahl der „großen“ Kulturen, die weitgehend mit geografischen Räumen gleichgesetzt wurden, bezifferte Huntington mit „sieben oder acht … die westliche, die konfuzianische, die japanische, die islamische, die hinduistische, die slawisch-orthodoxe, die lateinamerikanische und möglicherweise die afrikanische Kultur.“ Zum Zusammenprall dieser unterschiedlichen Kulturen müsse es „nach dem Ende der ideologischen Spaltung Europas“ kommen, denn nun tauche „die kulturelle Teilung Europas zwischen westlichem Christentum einerseits und orthodoxem Christentum und Islam andererseits wieder auf.“ Die „zentrale Achse der zukünftigen Weltpolitik“ würde Huntington zufolge „aller Wahrscheinlichkeit nach, um den Ausdruck eines Politikers aus Singapur, Kishore Mahbubani, aufzugreifen, der Konflikt zwischen den ‘Westen und dem Rest’, also die Antwort nichtwestlicher Kulturen auf Macht und Werte des Westens sein.“ (Alle Zitate aus Huntington 1993)

Diese Anrufung gemeinsamer westlicher Werte passte gut in eine Zeit, in der in vielen Ländern ein mehr oder weniger starker Abbau sozialstaatlicher Einrichtungen und wirtschaftspolitischer Regulierungen auf der Tagesordnung stand. Statt drastisch zunehmende wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zu benennen, griffen maßgebliche PolitikerInnen und PublizistInnen zu dem rhetorischen Rettungsanker des ethnischen und religiösen „Wir“. Demnach ging es nicht um explodierende Manager-Boni oder die wachsende Konzentration von Vermögen bei den obersten fünf Prozent der Bevölkerung, denen immer mehr working poor und sonstige Arme gegenüberstanden, sondern um ganz andere Trennungslinien: um die „Fremden“ im eigenen Land, die sich angeblich allesamt in „Parallelgesellschaften“ abschotteten. Gern wurde, insbesondere in Deutschland, die Rede von einer traditionellen „christlich-jüdischen Wertegemeinschaft“ im Munde geführt und dabei ein bemerkenswert lückenhaftes Geschichtsverständnis offenbar, bei dem Jahrhunderte der antisemitischen Verfolgungen bis hin zum Holocaust einfach ausgeblendet wurden. So brachte etwa der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) 2010 die „christlich-jüdische Leitkultur“ gegen angebliche Islamisierung und kulturelle Überfremdung in Anschlag und goss damit Öl ins Feuer der seinerzeit anhaltenden Sarrazin-Debatte (siehe auch den Beitrag von Daniel Keil zu Pegida und zur Aktualisierung des Völkischen in PROKLA 180/2015). Weiterlesen im Editorial.

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PROKLA-Jahresanfangsgeschenk

Die Redaktion am 29. Januar 2016

Jetzt ist auch der Jahrgang 2013 als PDF und im vollen Umfang im Archiv online. Besonders schön: Mit einem Link nach dem Muster http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2011/Prokla162.pdf#page=37 lässt sich direkt auf eine bestimmte Seite verweisen. Sehr schön für akkurate Verweise.

Für die neueren Ausgaben gibt es Inhaltsverzeichnisse, Editorials und jeweils einen ausgewählten Artikel im Volltext (z.B. 2014). Die Gesamthefte können beim (Dampfboot-Verlag oder im (linken) Buchhandel bestellt werden.

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Editorial PROKLA 181

Die Redaktion am 11. Dezember 2015

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Titel 2015-04Editorial: Geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“ (Dezember 2015)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“ (Dezember 2015)
David Salomon: Ultraimperialismus oder interimperialistische Konkurrenz? Fragen an eine aus den Fugen geratene Zeit
Felix Jaitner: Ressourcen-Extraktivismus oder Re-Industrialisierung? Das russische Entwicklungsmodell im Kontext der „neuen Weltordnung“
Malte Daniljuk: America’s T-Strategy. Die US-Hegemonie und die Korrektur der US-Außen- und Energiepolitik
Stefan Schmalz: An den Grenzen des American Empire. Geopolitische Folgen des chinesischen Aufstiegs
Frederic Heine und Thomas Sablowski: Zerfällt die Europäische Währungsunion? Handels- und Kapitalverflechtungen, Krisenursachen und Entwicklungsperspektiven der Eurozone
Christina Plank: Kapitalistische und territorial-geopolitische Logiken der Macht. Die Rolle der EU im Ukraine-Konflikt
Wolfram Schaffar: Die Eiserne Seidenstraße. Chinas Politik der Hochgeschwindigkeitsbahnen und ihre Auswirkungen auf seine Nachbarländer
Einsprüche
Sybille Bauriedl: Klimapolitik verstärkt globale und soziale Ungleichheiten
Dario Azzellini: Keine Verdichtung unter dieser Nummer. Das Fenster zu gesellschaftlicher Veränderung hat sich in Griechenland und Spanien wieder geschlossen

Nur ein knappes Vierteljahrhundert nach ihrer Ausrufung durch den damaligen US-Präsidenten George H.W. Bush befindet sich die „neue Weltordnung“ in Auflösung. Der Konflikt in der Ukraine, die (Bürger-) Kriege im Nahen Osten und der Aufstieg des IS, die jüngsten Fluchtbewegungen, die Weltwirtschaftskrise und die durch sie beschleunigten Verschiebungen zugunsten der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), die Krise in der EU, die Konflikte um natürliche Ressourcen und nicht zuletzt ökologische Krisenphänomene wie der Klimawandel haben die Vorstellung einer friedlichen globalen Entwicklung unter kapitalistischen Vorzeichen und unter US-amerikanischer Führung gründlich desavouiert.

Was an ihre Stelle treten könnte, ist noch unklar, die Konturen des Neuen zeichnen sich erst verschwommen ab. Zu bestätigen scheint sich allerdings, dass das Neue von jener „Vereinheitlichung und Fraktionierung“ geprägt sein wird, die Michael Bonder, Bernd Röttger und Gilbert Ziebura schon 1993 in der PROKLA 91 diagnostiziert haben. Einerseits verschärfen sich im Zuge der jüngsten Weltwirtschaftskrise die Klassenkämpfe und überlagern sich mit Territorialkonflikten (Ostasien, die Ukraine oder der arabische Raum). Andererseits werden Projekte wie das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) und das internationale Dienstleistungsabkommen TISA vorangetrieben, die als Versuche einer institutionellen Vereinheitlichung aber ihrerseits die soziale und regionale Fragmentierung in den beteiligten Ländern vertiefen dürften. Weiterlesen im Editorial.

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