PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers 159

Die Redaktion am 20. Oktober 2009

PROKLA 159
Marx!

(Heft 2, Juni 2010)

Die Marxsche Theorie erfreut sich in der Krise erneut einer gewissen Aufmerksamkeit. Erstaunlich genug für eine Theorie, die so oft totgesagt wurde. Marx selbst kommentierte es schon ironisch: … ein Gespenst geht um. Vielleicht ist aber gerade eine solche der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise geschuldete Aktualisierung das Gefährlichste, was der Theorie von Marx geschehen kann und was schon seit längerem im Zusammenhang mit der Kritik an der Globalisierung zu beobachten ist: die Reduktion seiner Bemühungen auf eine Wirtschaftstheorie, der einige Zitate wohlfeil zu entnehmen sind. Damit einher geht die Gefahr, die Marxsche Theorie ökonomistisch zu verkürzen, und ihr dann bei anderer Gelegenheit alle ihre vermeintlichen Defizite entgegenzuhalten. Demgegenüber möchte das geplante Heft der PROKLA Marx als kritischen Theoretiker der bürgerlichen Gesellschafsformation, in der die kapitalistische Produktionsweise herrscht, ins Zentrum stellen. 

Es soll darum gehen, die Bedeutung von Marx für das Projekt der kritischen Gesellschaftstheorie zu aktualisieren. Marx ohne Gesellschaftstheorie geht nicht, das gleiche gilt erst recht umgekehrt, denn er war derjenige, der dieses Projekt angestoßen hat. Doch wie ist der Zusammenhang zwischen der kritischen Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft und dieser selbst heute zu bestimmen? Wie läßt sich die Marxsche Theorie als Gesellschaftstheorie, als Theorie des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs begreifen? Was ist kritische Gesellschaftstheorie? Was hat die Theorie von Marx ihr heute noch zu sagen? Marx hat selbst begriffliche Vorschläge unterbreitet, die allerdings vielfältige Kritik hervorgerufen haben: Basis und Überbau, Ideologie, die naturgesetzlich beobachtbare Ökonomie als Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft. Ist der Begriff der Reproduktion für ein Verständnis des Gesamtprozesses ausreichend? Welche gesellschaftlichen Bereiche gibt es, wie ist ihre Autonomie zu verstehen, wie die kausalen Beziehungen zwischen ihnen? Haben Begriffe wie Dialektik, Widerspruch, Antagonismus für die materialistische Theorie heute noch eine Bedeutung? In welcher Weise ist die Marxsche Wert-, Geld-, Akkumulationstheorie für das Verständnis der kapitalistischen Wirklichkeit dienlich? Das Marxsche Gesamtprojekt der Kritik soll nicht auf Kritik der politischen Ökonomie reduziert werden. Doch wie ist der Anspruch von Marx heute zu bewerten, dass er zu einer Theorie des Klassenkampfs und des historischen Prozesses beitragen wollte? Wie ist das Verhältnis zu Parlament, zu Demokratie, zu Gewerkschaften oder sozialen Bewegungen zu bestimmen?

Obwohl Marx‘ Werk wie kaum ein anderes für das Ziel einer solidarischen Gesellschaft und eine geeinte und freie Menschheit steht, lässt es sich nach weit über hundert Jahren und unzähligen Auseinandersetzungen um sein Werk ebenso wie nach den Verbrechen, die in seinem Namen stattfanden, nicht unschuldig lesen. Es bedarf der Reflexion auch darauf, dass sein wissenschaftliches Werk zur Weltanschauung wurde, dass sich in seinem Namen immer wieder Sekten bilden, dass es staatlicher Repression, der Einrichtung von Lagern und der Verfolgung von Andersdenkenden eine Rechtfertigungsgrundlage gab. Gegenstand der Analyse muss auch sein, dass sich seit dem 19. Jahrhundert immer wieder verschiedene marxistische Strömungen und Schulen bildeten, durch die gerade das in Frage gestellt wird, was als ein besonderer Erfolg der Theorie von Marx gelten konnte: eine gemeinsame begrifflich ausgearbeitete Sprache der Emanzipationsbewegung. Wie ist das Verhältnis von wissenschaftlichem Anspruch und Weltanschauung; wie das Verhältnis von Theorie und Pluralität der Linken? Auch sollte die Marx-Diskussion im historischen Kontext betrachtet werden. In unterschiedlichen Zeiten werden unterschiedliche Fragen als drängend empfunden, wie stellt sich dieser Zusammenhang für die heutigen Debatten dar? Wie ändern die historischen Kämpfe den Charakter und die Bedeutung der Marxschen Theorie – in welchem Verhältnis steht sie selbst zur Geschichte?

Bei der Diskussion der aufgeworfenen Fragen, sollte aber nicht vergessen werden, dass die Auseinandersetzung mit Marx auf die Gegenwartsanalyse zielt: Die einzelnen Beiträge sollten daher deutlich machen, welche Bedeutung die jeweiligen Überlegungen für eine Analyse der Gegenwart haben. Wo gibt es produktive Anschlüsse an andere Theorieprojekte, wo ist eine kritische Auseinandersetzung mit vermeintlich emanzipatorischen Ansätzen notwendig?

Wir bitten um Einsendung von Exposes im Umfang von ein bis zwei Seiten bis zum 15. November 2009. Die fertigen Artikel, die einen Umfang von 50.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Fußnoten und Literaturliste) nicht überschreiten sollten, müssen bis zum 25. Februar 2010 vorliegen.
Einsendungen bitte als .doc oder .rtf Datei an redaktion@prokla.de

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Manuskript-Einsendung allgemein:

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Manuskripten ein. Auch außerhalb der jeweiligen Schwerpunktthemen sind Beiträge willkommen. Die Texte sollten sich in einem Umfang von 15-25 Seiten (ca. 50.000 Zeichen) halten. Bitte die amerikanische Zitierweise benutzen (Kurzangabe im Text und Bibliographie am Ende des Textes, bitte keine Quellennachweise in den Fußnoten).

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