PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers 161

Die Redaktion am 19. Mai 2010

PROKLA 161
Machtverschiebungen im Weltsystem

(Heft 4, Dezember 2010)

Die frühere Vorstellung, dass Westeuropa, Nordamerika und Japan das Zentrum des kapitalistischen Weltsystems bilden, Lateinamerika, Asien und Afrika lediglich die Peripherie, stimmt schon lange nicht mehr. Gerade in der Weltwirtschaftskrise zeigte sich die gewachsene Bedeutung Ostasiens, aber auch Lateinamerikas: Länder wie China und Brasilien haben diese bislang am besten überstanden. Auch sind spektakuläre Übernahmen von Traditionsunternehmen im Norden durch kapitalstarke transnationale Konzerne aus dem Süden mittlerweile zur Regel geworden: So kaufte der chinesische Computerhersteller Lenovo die PC-Sparte von IBM, der indische Stahlgigant Mittal Steel zwang gar Arcelor zur Fusion und der Shanghaier Autohersteller Geeley erwarb schließlich Volvo. Selbst im Finanzsektor, lange Zeit die unbestrittene Domäne US-amerikanischer, europäischer und japanischer Finanzinstitute, kam es zum Umbruch: Die Top Ten der weltweit größten Banken werden heute gleich von drei chinesischen Instituten angeführt. Große Staatsfonds aus Ostasien und dem Nahen Osten etablieren sich gleichzeitig im Investmentgeschäft als Marktführer.

Der Grund für diesen Wandel ist nicht zuletzt im raschen Einzug kapitalistischer Produktionsverhältnisse in den asiatischen Raum zu suchen. Indien und China, zwei Länder mit Sozialismuserfahrungen, haben sich schrittweise dem Weltmarkt geöffnet und erproben eigenständige Modelle zur Regulation der Kapitalakkumulation. Das Nebeneinander zwischen vormodernen Strukturen, Überresten aus dem Staatssozialismus und dem Import japanischer oder westlicher Produktions- und Unternehmensorganisation haben dabei ein bizarres Mit- und Nebeneinander hervorgerufen, dessen Weiterentwicklung bisher noch unklar ist. Zudem ist gerade China tief in die regionale (ostasiatische) Arbeitsteilung integriert, sodass der Aufstieg des Reichs der Mitte auch zu einer Restrukturierung der Produktion im gesamten Raum beiträgt.

Das gewachsene ökonomische Gewicht des globalen Südens drückt sich inzwischen auch politisch aus. An die Stelle der G8 ist die G20 getreten. Die Welthandelsorganisation WTO, in der früher einmal die USA, Japan und die EU den Ton angeben konnten, ist durch die gewachsene Macht Brasilien, Indiens und Chinas weitgehend gelähmt. Und der Internationale Währungsfonds bekommt nun durch regionale Fonds in Ostasien und Lateinamerika sowie durch neue Geberländer, etwa China oder Venezuela, ernsthafte Konkurrenz. Auch sind neuartige politische Kooperationsmuster zwischen Ländern im Süden entstanden. Die asiatische Shanghai-Cooperation Organization könnte langfristig die NATO herausfordern. Im IBSA-Dialogue Forum verhandeln Brasilien, Indien und Südafrika über ihre Zusammenarbeit in Handel, Wissenschaft und Politik. Und in Brasília haben sich vor kurzem die Staatschefs von Brasilien, Russland, Indien und China unter dem Begriff „BRIC“ versammelt – ursprünglich der Titel einer Goldman Sachs-Anlagestrategie – um über ein alternatives Weltwährungssystem zu diskutieren, das mittelfristig den US-Dollar als Leitwährung herausfordern soll. Dennoch existieren auch Blockaden, die eine Machtverschiebung im Weltsystem verlangsamen, ja sogar ausbremsen könnten. Die aufstrebenden Länder in Ostasien sind weiterhin politisch uneins, die hochgerüsteten USA verfügen über eine Art globales militärisches Gewaltmonopol und auch auf technologischer Ebene müssen Länder wie China und Indien einen gewaltigen Rückstand aufholen.

In der Prokla-Ausgabe Nr. 161 soll daher folgenden Fragen nachgegangen werden: Was bedeutet der Aufstieg von Teilen der früheren Peripherie für die Dynamik des kapitalistischen Weltsystems? Handelt es sich um einen dauerhaften Umbruch? Gibt es tatsächlich einen schleichenden Niedergang der bisherigen Hegemonialmacht USA? Wird Europa vielleicht nur eine randständige Rolle in einem pazifischen Jahrhundert spielen? Findet abermals ein (kriegerischer) Wettlauf um die Aneignung der Rohstoffe Afrikas statt, diesmal jedoch mit China und Indien als den wichtigsten Akteuren? Entsteht durch die wachsende Konkurrenz in der Weltwirtschaft eine neue sowohl ökonomische als auch ökologische Krisendynamik? Bilden sich neue Regulierungsmuster für die Weltwirtschaft heraus, durch die die alten Institutionen in Frage gestellt werden könnten, oder werden diese grundlegend reformiert? Wie und mit welchen Auswirkungen auf den Rest der Welt entwickeln sich die Klassenkämpfe in China und Indien – inzwischen die beiden bevölkerungsreichsten kapitalistischen Länder der Erde? Entstehen in diesen Staaten sogar neue Modelle der Kapitalakkumulation, die den Lauf der Geschichte verändern könnten? Und nicht zuletzt ist die Frage zu stellen, wie dieser Wandel überhaupt erfasst werden kann: welche theoretischen Konzepte sind dazu notwendig?

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Exposés von 1-2 Seiten bis zum 20. Juni 2010 ein. Die fertigen Aufsätze müssen bis zum 20. September 2010 vorliegen und sollten einen Umfang von maximal 50.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Fußnoten, Literaturverzeichnis) haben. Zusendungen bitte per E-Mail an redaktion@prokla.de und/oder s.schmalz@uni-jena.de

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Manuskript-Einsendung allgemein:

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Manuskripten ein. Auch außerhalb der jeweiligen Schwerpunktthemen sind Beiträge willkommen. Die Texte sollten sich in einem Umfang von 15-25 Seiten (ca. 50.000 Zeichen) halten. Bitte die amerikanische Zitierweise benutzen (Kurzangabe im Text und Bibliographie am Ende des Textes, bitte keine Quellennachweise in den Fußnoten).

Wir bitten, die Manuskripte per e-mail als attachment einzusenden. Die Dateien sollten in Word oder im Rich Text Format (rtf) abgespeichert sein und keine eigenen Formatierungsmerkmale (Kopfzeilen, Einrückungen, besondere Absatzformate etc.) beinhalten.