PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers 165/167

Die Redaktion am 9. Juni 2011

PROKLA 165 und 167
Kritische Gesellschaftstheorie
(Heft 4, Dezember 2011 und Heft 2, Juni 2012)

Die PROKLA plant Ende 2011 und Anfang 2012 zwei Hefte zu kritischer Gesellschaftstheorie herauszubringen, für die wir geeignete Beiträge suchen.

Gesellschaftstheorie im Anschluss an Marx (Heft 4/2011)

Marx’ Kritik der politischen Ökonomie zielt auf eine Aufhebung aller Verhältnisse, unter denen der Mensch ein verächtliches, ein geknechtetes, ein ausgebeutetes und beherrschtes Wesen ist. Herrschaft über Menschen und Natur soll durch die Verwaltung von Sachen ersetzt werden. Die Anknüpfung an Marx’ Kritik der politischen Ökonomie führte häufig zu einer Kluft zwischen der Analyse ökonomisch vermittelter Herrschaftsverhältnisse und anderer Formen von Herrschaft. Der Zusammenhang zwischen der allgemeinen Struktur der Produktionsverhältnisse und den Ungleichzeitigkeiten der Entwicklung konkreter Gesellschaften, den Klassenstrukturen, Geschlechterverhältnissen, den verschiedenen Formen sozialer Macht, den Körpern und der psychischen Verfassung der Individuen, ihren Kommunikationen und Selbstverhältnissen blieben oftmals außer Betracht. Zwei oder drei Generationen von an Marx orientierten Intellektuellen haben während der vergangenen Jahrzehnte versucht, Gesellschaftsanalyse mit der Kritik der politischen Ökonomie zu verbinden. Doch die Diskrepanz scheint auch heute noch immer schwer überwindbar zu sein. Während sich die Kritik der politischen Ökonomie in der Analyse der jüngsten Finanzmarkt  und Wirtschaftskrisen auf der Höhe der Zeit befindet, bleibt die Analyse der gegenwärtigen sozialen Verhältnisse und Konflikte in den hoch entwickelten kapitalistischen Gesellschaften weit zurück. Die Debatten über die Kritik der politischen Ökonomie, über Formen der Ungleichheit, über Geschlechterverhältnisse, Rassismus, über sexuelle Orientierungen über kulturelle Praktiken und Alltagswelten verlaufen in der Regel parallel und getrennt voneinander. Materialistische Gesellschaftstheorie und –kritik muss versuchen, den Zusammenhang der verschiedenen Formen von Herrschaft ebenso zu denken wie Möglichkeiten des Gemeinsamen als Grundlage von Emanzipation.

Wie sind die Subjekte von praktischer Gesellschaftskritik, wie die gesellschaftlichen Verhältnisse und deren Dynamik, wie die Möglichkeiten emanzipatorischen Handelns und wie die Gefahren der Repression und Regression heute beschaffen und zu begreifen? Sind die Begriffe der Klasse und des Klassenkampfs heute noch sinnvoll? Welche Bedeutung haben ambivalente Identitäten? Auf welche „Subjekte“ und „Akteure“ bezieht sich die Theorie?

Wie ist das Verhältnis von theoretischer Analyse, Gesellschaftskritik und eingreifender Praxis? Wie sind verschiedene Herrschaftsformen und Widerstandspraktiken miteinander verbunden? Was ist das Kritische an der Kritik der politischen Ökonomie? Welche Bedeutung haben Normen?

Ist die Kritik der politischen Ökonomie überhaupt schon Analyse der kapitalistischen Gesellschaftsformation, stellt sie schon alle wesentlichen Begriffe der Analyse und Kritik zur Verfügung? Wie brauchbar sind solche klassischen Konzepte wie „Totalität“ oder „strukturiertes Ganzes“, „Dialektik“ oder „Überdeterminierung“?

Ist die Kritik der politischen Ökonomie eine Bereichstheorie, die sich mit kritischen Theorien anderer Bereiche ergänzen kann? Was sind die Möglichkeitsbedingungen solcher Anschlüsse, was sind ihre systematischen Grenzen? Ist die Marxsche Theorie der Beginn eines integralen Projekts der kritischen Gesellschaftstheorie, die sich in den Jahrzehnten seit Marx immer weiter entwickeln und erweitern konnte?

Welche Herausforderung stellt der sog. Postmarxismus für die Kritik der politischen Ökonomie dar? Was bedeuten die immer von neuem wiederholten Einwände des Ökonomismus, Funktionalismus, des Autoritarismus für die Theorie?

Materialistische Gesellschaftstheorie wurde durch die Dominanz neoliberaler Heilslehren geschwächt, an den Hochschulen und in der etablierten wissenschaftlichen Debatte wurde sie weitgehend marginalisiert. Inzwischen sind aber an vielen Orten jenseits der klassischen Institutionen anregende Impulse, fruchtbare Potentiale und weiter führende Entwicklungen entstanden. Das geplante Heft will ein Forum bieten, sich über den aktuellen Stand materialistischer Gesellschaftstheorie zu verständigen.

 

Perspektiven der Gesellschaftskritik heute (Heft 2/2012)

An das Heft „Gesellschaftstheorie im Anschluss an Marx“ anknüpfend wollen wir uns  in diesem Heft mit dem gesellschaftskritischen Potenzial von sozialwissenschaftlichen Zeitdiagnosen und postmarxistischen Theorien der Gegenwart auseinander setzen. Ausgehend von aktuellen Diskussionen um das Verhältnis von Gesellschaftswissenschaft und Kritik interessieren wir uns dabei sowohl für Theorien und wissenschaftliche Praktiken der Gesellschaftskritik als auch für Gesellschaftskritik als Gegenstand konkreter Analysen und Zeitdiagnosen. Wo finden aktuelle gesellschaftskritische Ansätze ihre theoretischen wie praktischen Ansatz- und Ankerpunkte? Wie verhalten sich dabei Theorie, Kritik und Praxis zueinander?

Das geplante Schwerpunktheft folgt zwei  – sich überlagernden – Linien: Zum einen sollen ausgewählte gesellschaftswissenschaftliche Zeitdiagnosen im Hinblick auf ihr kritisches Potenzial diskutiert und reflektiert werden: Zu denken wäre hier zum Beispiel an Diagnosen, die mit Begriffen wie der Neue Geist des Kapitalismus, Aktivgesellschaft, Postdemokratie, neoliberale Gouvernementalität, Beschleunigung oder soziale Entsicherung arbeiten. Die ausgewählten Diagnosen können von Interesse sein, weil sie bereits Kritiken formulieren, die aufgenommen und weitergeführt werden können, aber auch, weil sie im Gegenteil Erkenntnis ideologisch blockieren, dabei aber – wie sich in der Kritik zeigt – gesellschaftliche Kräfteverhältnisse und Interessenlagen zum Ausdruck bringen.

Zum anderen gilt das theoretische Interesse des Heftes den Konsequenzen der umfassenden theoretischen Verschiebungen im Zuge des interpretative/discursive/cultural turn für das (sozial-)wissenschaftliche Projekt der Gesellschaftskritik. Wie können im Lichte der seit drei Jahrzehnten aus unterschiedlichen Perspektiven entwickelten Wahrheits-, Subjekt- und Universalitätskritik(en) kritische Standpunkte eingenommen und ausgewiesen werden? Insbesondere poststrukturalistische und gouvernementalitätstheoretische Analysen, aber auch Arbeiten aus dem Kontext der Cultural Studies halten bei aller Kritik an normativen Kritikmodellen und strukturalistischen Begründungen (auch marxistischer Spielart) an einem kritischen Anspruch fest. Wo liegen Stärken und Schwächen dieses heterogenen Theorieprogramms für eine linke Gesellschaftskritik? Welche Rolle spielt dieses theoretische Feld für aktuelle Zeitdiagnosen? Welche Anschlüsse an materialistische Kritiken bieten sich an? Und wie sind die aktuellen Entwicklungen in den Bewegungszonen zwischen Akademie und Politik zu bewerten, die – in der gegenwärtigen „Krise des Kapitalismus“ sicher nicht zufällig – auf eine Suche nach Denkangeboten hinauslaufen, die (wie z.B. bei Žižek oder Badiou) über Wahrheits-, Universalismus- und Subjektkritik hinausweisen? Mögliche Themengebiete des Heftes können sein:

Die Diskussion und gegebenenfalls der Vergleich aktueller Zeitdiagnosen im Hinblick auf ihr gesellschaftskritisches und politisches Potenzial.

Kritische Bestandsaufnahmen des akademischen Poststrukturalismus, der Gouvernemen-talitätsforschung und des Feldes der Cultural Studies im Hinblick auf den Beitrag zur Gesellschaftskritik.

Analyse der Ein-, Um- und Ausarbeitung von poststrukturalistischen und gouvernementali-tätstheoretischen Ansätzen durch soziale Bewegungen wie der Frauenbewegung, der Queer-, oder auch der globalisierungskritischen Bewegung.

Eine Reflexion über die (Popularität der) Debatte um das Verhältnis von „Soziologie der Kritik“ und „Kritischer Soziologie“ und ihre Konsequenzen für eine linke Praxis der Kritik.

Die Diskussion neuerer wie auch älterer, gegenüber den herkömmlichen Theorieschubladen grenzgängerischer Autor/innen im Hinblick auf ihr Potenzial für die Gesellschaftskritik der Gegenwart (zum Beispiel Castoriadis, Žižek, Rancière u.a.).


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Die Redaktion lädt zur Einsendung von Exposés von 1-2 Seiten für beide Hefte bis zum 27. Juni 2011 ein. Die fertigen Beiträge für das erste Heft (Gesellschaftstheorie im Anschluss an Marx) müssen bis zum 25. September 2011, Beiträge für das zweite Heft (Perspektiven der Gesellschaftskritik heute) bis zum 30. Januar 2012 vorliegen. Die fertigen Beiträge sollten einen Umfang von 50.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Fußnoten, Literaturverzeichnis) nicht überschreiten. Zusendungen bitte per e-Mail,

für das erste Heft an:
redaktion@prokla.de und demirovic@em.uni-frankfurt.de

für das zweite Heft an:
redaktion@prokla.de, silke.vandyk@uni-jena.de und kronauer@hwr-berlin.de

 

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Manuskript-Einsendung allgemein:

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Manuskripten ein. Auch außerhalb der jeweiligen Schwerpunktthemen sind Beiträge willkommen. Die Texte sollten sich in einem Umfang von 15-25 Seiten (ca. 50.000 Zeichen) halten. Bitte die amerikanische Zitierweise benutzen (Kurzangabe im Text und Bibliographie am Ende des Textes, bitte keine Quellennachweise in den Fußnoten).

Wir bitten, die Manuskripte per e-mail als attachment einzusenden. Die Dateien sollten in Word oder im Rich Text Format (rtf) abgespeichert sein und keine eigenen Formatierungsmerkmale (Kopfzeilen, Einrückungen, besondere Absatzformate etc.) beinhalten.

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One Response to “Call for Papers 165/167”

  1. Mehring1 » Blog Archive » Prokla-CfP: Gesellschaftstheorie Says:

    […] Gesellschaftstheorie herauszubringen, für die die Redaktion geeignete Beiträge sucht. Der Call for Papers verrät […]