PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers 166

Die Redaktion am 14. Juli 2011

PROKLA 166
Deutschland – Krisengewinner?
(Heft 1, März 2012)

Die deutsche Wirtschaft hat sich von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008-2009 erstaunlich rasch erholt. Vor allem der Export boomt. Das deutsche Kapital erzielt wieder stattliche Renditen. In der Automobilindustrie ist Deutschland das einzige der entwickelten Industrieländer, in dem die Produktion über dem Niveau liegt, das vor der jüngsten Krise erreicht wurde. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2010, das nach Angaben des Internationalen Währungsfonds mit 3,5% höher lag als im Durchschnitt der entwickelten Industrieländer, reflektiert freilich die Tiefe der vorangegangenen Krise – der Einbruch des Bruttoinlandsprodukts war 2009 in dem exportabhängigen Deutschland mit -4,7% auch stärker als im Durchschnitt der Industrieländer.

Die direkten Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise wurden durch Kurzarbeitergeld und Maßnahmen wie die Abwrackprämie abgefedert. Trotz der jüngsten Sparmaßnahmen hat sich die ökonomische Krise zu keiner politischen Krise weiterentwickelt. Die Proteste der Subalternen gegen die Regierungspolitik blieben bisher relativ schwach. Die deutsche Entwicklung weicht hierbei von den Erfahrungen anderer europäischer Länder ab: Vor allem in Südeuropa, aber auch in Großbritannien oder Irland sind die Folgen der Krise weiterhin deutlich spürbar, in einigen Ländern hat ein neuer Zyklus sozialer Kämpfe begonnen.

Im Zentrum des PROKLA-Hefts 166 soll die Analyse der aktuellen Situation in Deutschland stehen. Es geht darum, die Entwicklung des Kapitalismus in Deutschland in ihren ökonomischen, politischen und ideologischen Dimensionen zu erörtern, das Nebeneinander von Wirtschaftsboom, wachsender sozialer Spaltung und partieller politischer Befriedung besser zu verstehen. Woran liegt es, dass die Krise in Deutschland nicht zu größeren Verwerfungen geführt hat? Wie wurde die Verwandlung der ökonomischen Krise in eine politische Krise verhindert? Worauf beruhen die rasche Erholung nach der Krise und die Stärke des deutschen Kapitals? Ist es die vergleichsweise starke Senkung der Lohnstückkosten, die Schwäche der Gewerkschaften und die Stärke der deutschen „Betriebsgemeinschaft“, die Flexibilität der Unternehmen oder die spezifische Stellung Deutschlands in der internationalen Arbeitsteilung?

Ähnliche Diskussionen wurden in der PROKLA bereits früher geführt. Zu erinnern sind etwa die kritischen Analysen zum „Modell Deutschland“ 1980 in PROKLA 40. In der heutigen sozialwissenschaftlichen Diskussion ist umstritten, inwieweit der „rheinische Kapitalismus“ seit den 90er Jahren transformiert wurde und ob es unter den Bedingungen der jüngsten Krise zu einer Wiederbelebung des Korporatismus gekommen ist. Die Diskussion wird zumeist auf institutionalistischer Grundlage geführt, die Veränderungen der Klassenverhältnisse und die daraus resultierenden Widersprüche des deutschen Exportmodells werden nicht adäquat thematisiert.

Wie sind die ökonomischen, politischen und sozialen Umstrukturierungsprozesse der letzten Jahrzehnte zu begreifen und wie wirken sie sich heute aus? Welche Rolle spielen Veränderungen der Klassenzusammensetzung, die Umstrukturierung der Arbeitsbeziehungen, die enorme Zunahme „atypischer“ Arbeitsverhältnisse und des Niedriglohnsektors? Welche Bedeutung haben Veränderungen der Geschlechterverhältnisse, die Migration und die Internationalisierung des deutschen Kapitals in diesem Zusammenhang? Wie ist die Haltung der deutschen Regierung zu der Krise in Griechenland und zur Euro-  Krise zu erklären, die auf den ersten Blick schwankend, teils abwartend und teils krisenverschärfend erscheint? Welche Bedeutung hat hier die außereuropäische Expansion des deutschen Kapitals und die Stagnation auf europäischer Ebene? Wie ist es zu erklären, dass Themen wie Stuttgart 21 oder die Atomkraft zu relativ starken Mobilisierungen führen, aber nicht die Krise oder die „soziale Frage“? Welche ideologischen Prozesse spielen hier eine Rolle? Warum ist der von den Gewerkschaften im Jahr 2010 ausgerufene „heiße Herbst“ ziemlich lau geblieben? War die Mobilisierung von vornherein organisatorisch falsch angelegt oder ließen sich die Lohnabhängigen nicht mobilisieren, weil die Themen nicht als so drängend empfunden wurden? Welche Arbeitskämpfe gibt es im Alltag, von denen wenig Notiz genommen wird und an die die Linke und die Gewerkschaften bisher nicht adäquat anknüpfen konnten?

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Exposés von 1-2 Seiten bis zum 25. August 2011 ein. Die fertigen Beiträge für das Heft müssen bis zum 15. Dezember 2011 vorliegen. Die Artikel sollten einen Umfang von 50.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Fußnoten, Literaturverzeichnis) nicht überschreiten.

Zusendungen bitte per E-Mail an: redaktion@prokla.de, sablowski@soz.uni-frankfurt.de und s.schmalz@uni-jena.de

 

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Manuskript-Einsendung allgemein:

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Manuskripten ein. Auch außerhalb der jeweiligen Schwerpunktthemen sind Beiträge willkommen. Die Texte sollten sich in einem Umfang von 15-25 Seiten (ca. 50.000 Zeichen) halten. Bitte die amerikanische Zitierweise benutzen (Kurzangabe im Text und Bibliographie am Ende des Textes, bitte keine Quellennachweise in den Fußnoten).

Wir bitten, die Manuskripte per e-mail als attachment einzusenden. Die Dateien sollten in Word oder im Rich Text Format (rtf) abgespeichert sein und keine eigenen Formatierungsmerkmale (Kopfzeilen, Einrückungen, besondere Absatzformate etc.) beinhalten.

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