PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers 180: Die politische Krise in Europa und die Reorganisation der bürgerlichen Kräfte

Die Redaktion am 22. Dezember 2014

Call for Papers PROKLA 180
Die politische Krise in Europa und die Reorganisation der bürgerlichen Kräfte
(Heft 3, September 2015)

Die ökonomische Krise ab 2008 hatte nicht nur ökonomische, sondern auch politische und ideologische Folgen. Die Krise zerrüttete die Profitaussichten und veränderte die Reproduktionsbedingungen des Kapitals insgesamt. Diese Veränderungen trafen nicht alle Kapitale gleichermaßen. Entsprechend vielfältig sind die Reaktionen – etwa der Unternehmensverbände. Während Finanzvermögen gerettet wurden und die Troika-Politik in der Eurozone auf eine Tragfähigkeit der Staatsschulden und eine Schwächung der ArbeiterInnenklasse abzielt, unterminiert dieser Austeritätskurs die Binnenwirtschaft der betroffenen Länder und stellt auch für das auf den Binnenmarkt ausgerichtete Kapital ein Problem dar.

Daneben stellt die Krise auch das wirtschaftspolitische Selbstverständnis infrage, mit dem etwa WissenschaftlerInnen und BeraterInnen argumentierten, bürgerliche Parteien Wirtschaft »gestalten« wollen oder Unternehmen sich arrangiert hatten, weil sie hofften, damit eine langfristige und profitable Perspektive zu haben.

Aber auch wirtschaftswissenschaftliche Aussagen geben keine Antwort auf die Frage, welche wirtschaftspolitische Perspektive tatsächliche eine langfristige Wachstumsphase ermöglicht und auf welches Pferd etwa Unternehmensverbände mehrheitlich setzen. Zwar sind die neoliberalen Stimmen im Chor der bürgerlichen Selbstverständigung ungebrochen dominant, aber in den letzten Jahren wird verstärkt eingeworfen, dass die Einkommens- und Vermögensungleichheit schlecht für das Wirtschaftswachstum ist. Das ist auch der Resonanzboden für Bücher wie die von Thomas Piketty. Auch wird zunehmend kritisch diskutiert, dass die Austeritätspolitik die Funktion des Staates einschränkt, langfristige Investitionsprojekte anzustoßen und damit verbundene Risiken zu übernehmen. Die herrschende Krisen- und Wirtschaftspolitik steht also nicht unwidersprochen im politischen Raum, auch wenn es etwas übertrieben scheint, ein sozialdemokratisches Gegenprojekt auszumachen.

Diese Entwicklungen werfen Fragen auf. In einigen der letzten PROKLA-Ausgaben sind wir vor allem auf die ökonomische Dimension der Krise, die EU und den »Krisengewinner Deutschland« eingegangen. In der geplanten Ausgabe soll es vor allem darum gehen, wie sich die Krise politisch in der Reorganisation der bürgerlichen Kräfte fortschreibt. Wir begrüßen Artikel, die sich mit den Aspekten dieser komplexen Thematik befassen:

  • Durch massiven staatlichen Einsatz wurde eine Entwertung des Kapitals verhindert. Was bedeuten die letzten Jahre Krisenpolitik für die aktuellen Entwicklungstendenzen des Kapitalismus?
  • Wie setzt sich die ökonomische Krise bis dato fort und liefert derart einen Resonanzboden für die unterschiedlichsten Phänomene wie rechten Populismus, bürgerliche Moralkampagnen, Antifeminismus, sozialer Populismus, verschärfte Repression etc.? Wie setzt sich die Linke damit auseinander?
  • Durch welche alten und neuen Konfliktlinien ist das bürgerliche Lager gekennzeichnet? Warum?
  • Welche Auseinandersetzungen hat die Krise auf dem Feld der Wirtschaftswissenschaft mit sich gebracht, einem zentralen wissenschaftlichen Feld der bürgerlichen Selbstverständigung?
  • Welche politisch-ideologischen Verschiebungen sind bei den verschiedenen Teilen des Bürgertums in Europa zu verzeichnen? Welche Verunsicherungen sind vorhanden? In welcher Weise werden sie bearbeitet und welchen politischen Niederschlag finden diese in den europäischen Parteiensystemen?
  • Sind eine die Vertiefung der europäischen Integration auf der einen Seite und Rechtspopulismus und Separatismus auf der anderen Seite zwei Seiten einer Medaille, zwei politische Antworten auf die Folgen der Austeritätspolitik? Wie sieht die soziale Basis dieser Strömungen und ihrer Parteien (in Europa) aus?
  • Wie verhalten sich verschiedene Kapitalfraktionen zur AfD und zu anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa? Kommt im Erfolg der AfD auch ein Richtungskonflikt darüber zum Ausdruck, ob die Eurozone und ihre Stabilisierung langfristig den Akkumulationsstrategien des deutschen Kapitals eher nützen oder schaden? Wie findet sich der Richtungskonflikt in den anderen bürgerlichen Parteien wieder?
  • Inwieweit sind die rechtspopulistischen Parteien nicht-neoliberale Kräfte? Wie transformieren sie die mit der Krise verbundenen sozialen Konflikte in besondere Formen der Diskriminierung? Welchen Effekt hat diese Politik auf das bürgerliche Lager insgesamt? Lässt sich z.B. eine Retraditionalisierung von Geschlechterverhältnissen und Wertvorstellungen beobachten?
  • Bedeuten die institutionellen Veränderungen in der EU, dass neben der Austerität auch die Möglichkeiten makroökonomischer Steuerung an Bedeutung gewonnen haben? Inwiefern hat sich mit der Krise ein neuer europäischer Integrationsschub durchgesetzt? Welche qualitativen Veränderungen von Staatlichkeit hat die Krise mit sich gebracht?

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Exposés von 1-2 Seiten bis zum 15. Februar 2015 ein, die fertigen Artikel sollen bis zum 10. Juni 2015 vorliegen. Sie sollten einen Umfang von 45.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Fußnoten, Literaturverzeichnis) nicht überschreiten. Zusendung bitte als Word-, RTF- oder ODT-Datei mit Angabe des AutorInnennamens an:

PROKLA-Redaktion: redaktion@prokla.de
Ingo Stützle: stuetzle@prokla.de
Thomas Sablowski: sablowski@soz.uni-frankfurt.de
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