PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Editorial PROKLA 181

Die Redaktion am 11. Dezember 2015

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Titel 2015-04Editorial: Geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“ (Dezember 2015)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“ (Dezember 2015)
David Salomon: Ultraimperialismus oder interimperialistische Konkurrenz? Fragen an eine aus den Fugen geratene Zeit
Felix Jaitner: Ressourcen-Extraktivismus oder Re-Industrialisierung? Das russische Entwicklungsmodell im Kontext der „neuen Weltordnung“
Malte Daniljuk: America’s T-Strategy. Die US-Hegemonie und die Korrektur der US-Außen- und Energiepolitik
Stefan Schmalz: An den Grenzen des American Empire. Geopolitische Folgen des chinesischen Aufstiegs
Frederic Heine und Thomas Sablowski: Zerfällt die Europäische Währungsunion? Handels- und Kapitalverflechtungen, Krisenursachen und Entwicklungsperspektiven der Eurozone
Christina Plank: Kapitalistische und territorial-geopolitische Logiken der Macht. Die Rolle der EU im Ukraine-Konflikt
Wolfram Schaffar: Die Eiserne Seidenstraße. Chinas Politik der Hochgeschwindigkeitsbahnen und ihre Auswirkungen auf seine Nachbarländer
Einsprüche
Sybille Bauriedl: Klimapolitik verstärkt globale und soziale Ungleichheiten
Dario Azzellini: Keine Verdichtung unter dieser Nummer. Das Fenster zu gesellschaftlicher Veränderung hat sich in Griechenland und Spanien wieder geschlossen

Nur ein knappes Vierteljahrhundert nach ihrer Ausrufung durch den damaligen US-Präsidenten George H.W. Bush befindet sich die „neue Weltordnung“ in Auflösung. Der Konflikt in der Ukraine, die (Bürger-) Kriege im Nahen Osten und der Aufstieg des IS, die jüngsten Fluchtbewegungen, die Weltwirtschaftskrise und die durch sie beschleunigten Verschiebungen zugunsten der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), die Krise in der EU, die Konflikte um natürliche Ressourcen und nicht zuletzt ökologische Krisenphänomene wie der Klimawandel haben die Vorstellung einer friedlichen globalen Entwicklung unter kapitalistischen Vorzeichen und unter US-amerikanischer Führung gründlich desavouiert.

Was an ihre Stelle treten könnte, ist noch unklar, die Konturen des Neuen zeichnen sich erst verschwommen ab. Zu bestätigen scheint sich allerdings, dass das Neue von jener „Vereinheitlichung und Fraktionierung“ geprägt sein wird, die Michael Bonder, Bernd Röttger und Gilbert Ziebura schon 1993 in der PROKLA 91 diagnostiziert haben. Einerseits verschärfen sich im Zuge der jüngsten Weltwirtschaftskrise die Klassenkämpfe und überlagern sich mit Territorialkonflikten (Ostasien, die Ukraine oder der arabische Raum). Andererseits werden Projekte wie das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) und das internationale Dienstleistungsabkommen TISA vorangetrieben, die als Versuche einer institutionellen Vereinheitlichung aber ihrerseits die soziale und regionale Fragmentierung in den beteiligten Ländern vertiefen dürften. Weiterlesen im Editorial.