PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Call for Papers PROKLA 187: Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus

admin am 2. August 2016

Call for Papers PROKLA 187
Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus
(Heft 2, Juni 2017)

Schlagwörter wie „Industrie 4.0“ oder „Digitalisierung“ sind derzeit in aller Munde. Doch die Verkündigung einer vierten industriellen Revolution wirkt angesichts der wirtschaftlichen Stagnation in Europa wie ein zweckoptimistisches Heilsversprechen. Vielmehr ist dieser Begriff ein rhetorischer Coup von Unternehmensverbänden und Bundesregierung: Der Standort Deutschland soll, so die Protagonisten, neu erfunden werden. Das Ziel ist eine produktivere, ökologisch nachhaltigere und sozial gerechtere Zukunft. Gleichzeitig ist „Industrie 4.0“ ein geopolitisches Standortprojekt: Es geht darum, im Digitalisierungswettlauf die Nase vorn zu haben, die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie zu steigern und Produktionskapazitäten in die „Hochlohnländer“ zurückzuholen.

Der aufgeladene Kunstbegriff „Industrie 4.0“ ist deshalb ungeeignet, einen realistischen Blick auf die aktuellen Veränderungen zu gewinnen. Es ist eher von einer schrittweisen Durchsetzung digitaler Technologien auszugehen als von einer Revolution – schließlich sind einige der propagierten „Innovationen“ schon seit Jahren im Einsatz. Der Begriff „Industrie 4.0“ lässt zudem die Umbrüche im Dienstleistungssektor, etwa die Entstehung neuer transnationaler E-Commerce-Unternehmen, außen vor und verengt den Blick auf einzelbetriebliche Veränderungen. Doch sind gerade von der gesamtgesellschaftlichen Technologienutzung Veränderungen zu erwarten, etwa bei der Restrukturierung von Unternehmensorganisation und -netzwerken oder der Neuzusammensetzung von Arbeitsprozessen. Solche Umbrüche sind nur mit einem umfassenden Blick auf Wertschöpfungsnetzwerke und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu erfassen. Dazu bedarf es einer Klärung, ob der digitale Wandel geo- und klassenpolitisch relevante Prozesse anstößt und welche Erscheinungsformen diese annehmen.

Die geplante PROKLA-Ausgabe soll einen Beitrag zu einer kritischen Bestandsaufnahme der Umstrukturierungen im digitalen Kapitalismus leisten. Wir legen den Schwerpunkt auf neue Organisations- und Steuerungsformen von Wertschöpfung, die Ansätze für eine Transformation des Kapitalismus enthalten und nachhaltige Veränderungen in der Nutzung von Arbeitskraft mit sich bringen. Jenseits der technologiezentrierten Engführungen, die den Diskurs um „Industrie 4.0“ prägen, wollen wir eine herrschaftskritische Perspektive auf die gegenwärtige Rationalisierungsdynamik entwickeln, die den konkurrenzgetriebenen Charakter der aktuellen Umstrukturierungen in den Blick nimmt. Betriebliche und überbetriebliche Veränderungen sollen dabei auf ihre Ursachen hin befragt und bezüglich ihrer Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit, die gesellschaftliche Arbeitsteilung, das Verhältnis zwischen Erwerbs- und Sorgearbeit und die ökologischen Kosten einer neuen Wachstumsagenda analysiert werden.

Außerdem soll die futuristisch anmutende Diskussion um die „vierte industrielle Revolution“ in Bezug zu den realen Krisenerscheinungen des Gegenwartskapitalismus gesetzt werden, d.h. zu Problemen wie wachsender sozialer Ungleichheit, anhaltender Wachstumsschwäche und Finanz- und Wirtschaftskrisen. Eine wichtige Rolle hierbei spielen gesellschaftliche Kräfteverhältnisse und die Strategien, Interessen und Handlungsspielräume von Unternehmen und Gewerkschaften.

Mögliche Themenfelder für Beiträge:

  • Substanz und Reichweite der Digitalisierung: Bildet sich ein neuer Kondratjew-Zyklus, eine neue Kapitalismusformation, ein neues Produktionsregime oder eine neue Blase des Finanzmarktkapitalismus heraus?
  • Die Geografie der digitalisierten Ökonomie und Arbeit in globalen Produktionsnetzwerken: Kapitalbewegungen, Veränderungen der internationalen Arbeitsteilung und ihre Implikationen für Arbeitsbedingungen in verschiedenen Regionen
  • Restrukturierung des Dienstleistungssektors: Rationalisierungsschübe und Vermarktlichung einzelner Sektoren, E-Commerce und Flexibilisierung von Arbeit
  • Der/die „kombinierte GesamtarbeiterIn“ in der digitalen Ökonomie: Digitale Kontrollformen und Autonomie im Arbeitsprozess, Qualifikation und Beschäftigungsverhältnisse in der digitalen Fabrik, prekäre Arbeitsformen wie Crowdworking, Entgrenzung, Flexibilisierung und Subjektivierung in der digitalisierten Arbeitswelt
  • Potenziale und Grenzen der menschengerechten Arbeitsgestaltung: Arbeitspolitik in Industrie und Dienstleistung 4.0, Handlungsmöglichkeiten von Gewerkschaften und betrieblichen Interessenvertretungen
  • Digitale Transformation und Sorgearbeit: Der Zusammenhang zwischen industriellem Exportmodell und Wettbewerb im Bereich sozialer Dienstleistungen, Radikalisierung einer gesellschaftlichen Schieflage oder neue Ansätze eines neuen Reproduktionsregimes?
  • Ökologische Krise und Standortprogramm Industrie 4.0: Digitale Antworten auf die Ökologiekritik. Grenzenloses Wachstum im grünen, digitalen Kapitalismus?

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Exposés von 1-2 Seiten bis zum 31. Oktober 2016 ein. Die fertigen Artikel sollen bis zum 25. Februar 2017 vorliegen und einen Umfang von 45.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Fußnoten und Literaturverzeichnis) nicht überschreiten. Zusendung bitte als word-, RTF- oder ODT-Datei mit Angabe des Autor_innennamens an:

PROKLA-Redaktion: redaktion@prokla.de
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