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Call for Papers PROKLA 188: 150 Jahre Das Kapital von Karl Marx – Kritik der politischen Ökonomie heute

admin am 21. Februar 2017

Call for Papers PROKLA 188
150 Jahre Das Kapital von Karl Marx – Kritik der politischen Ökonomie heute
(Heft 3, September 2017)

Vor bald 150 Jahren, im September 1867, erschien erstmals Das Kapital von Karl Marx. Auch wenn die Resonanz zunächst verhalten war und sein Freund Friedrich Engels mit ein paar Rezensionen unter falschem Namen nachhelfen musste, so wurde es doch zu einer der einflussreichsten ökonomiekritischen Schriften – nicht nur der unmittelbaren Rezeption, sondern auch der Ausstrahlung in nahezu alle gesellschaftswissenschaftliche Disziplinen.

Nach 150 Jahren ist Das Kapital noch immer eine Herausforderung. Erst seit wenigen Jahren sind alle Manuskripte, die dem Kapital zugrunde liegen, in der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2) zugänglich. Die Manuskripte zum dritten Band des Kapital erschienen erstmals 1992. Die Bedingungen für eine textkritische Lektüre sind heute besser als je zuvor. Gleichzeitig ist man mit einer Vielzahl an Interpretationen konfrontiert, die eine „unschuldige Lektüre“ (Althusser) des Kapital gar nicht möglich machen. Jede Lektüre ist durch Traditionen vorgeprägt, deren Linien kaum mehr sichtbar oder gar bekannt sind.

Für gesellschaftskritische Sozialwissenschaften ist Marx‘ Kritik zentraler Bezugspunkt. Es jährt sich nicht nur Das Kapital, sondern 2018 ist zudem der 200. Geburtstag des Autors, Karl Marx. Die Jubiläen werden in der bürgerlichen Öffentlichkeit begangen werden. Bereits jetzt kündigt sich eine unübersehbare Anzahl an Beiträgen unterschiedlichster Couleur an. Es ist deshalb für eine radikale Gesellschaftskritik um so wichtiger, sich das kritische Potenzial der marxschen Theorie zu vergegenwärtigen und sie zu aktualisieren, selbstkritisch Gewissheiten und zweifelhafte Traditionslinien zu überprüfen und zu hinterfragen.

Im kleinen PROKLA-Schwerpunkt „150 Jahre Kritik der politischen Ökonomie“ wünschen wir uns Beiträge, die unter anderem folgende Themen und Fragen verhandeln:

  • Welche Lesarten und Interpretationen des Kapital sind bis heute prägend für die aktuelle Debatte? Was zeichnet sie aus und worin bestehen ihre Unterschiede? Dabei ist das Raster „alte“ und „neue“ Marx- bzw- Kapital-Lektüre für die Beantwortung der Frage zu grob und vereinfachend; es reproduziert eher Missverständnisse, als dass es zur Verständigung beiträgt.
  • Die Spezifik radikaler Gesellschaftskritik liegt darin, wie die Aktualität, die Reichweite und Bedeutung des marxschen Kritikbegriffs beurteilt wird. Was meint Marx mit seinem emphatischen Kritikbegriff und was zeichnet diesen in Abgrenzung zu den herrschenden Sozialwissenschaften aus?
  • Das Kapital erschien vor 150 Jahren – und gilt dennoch als hochaktuell. Nicht nur aufgrund der jüngsten Krise seit 2007. Was an der marxschen Ökonomiekritik ist in welchem Sinne aktuell und in welchem Sinne bedarf es warum einer „Revision“?
  • Marx’ Gegenstand der Kritik war die sogenannte klassische politische Ökonomie. Während er Vorläufer der neoklassischen Theorie noch abschätzig als Vulgärökonomie abtat, ist eine derartige „Nicht-Auseinandersetzung“ mit der neoklassischen Theorie heute unmöglich. Es stellt sich die Frage, ob und wie mit Marx’ Kritik der gegenwärtig herrschenden Neoklassik sowie der keynesschen und postkeynesianischen Theorie, die unter völlig unterschiedlichen theoretischen Prämissen argumentieren, auf den Zahn gefühlt werden kann.
  • Marx‘ Theorie wurde von vielen Seiten kritisiert. Während viele dieser Kritiken an der Sache vorbei gehen und Marx gar nicht ernsthaft zur Kenntnis nehmen, legen andere Kritiken durchaus den Finger in die Wunde. Welche? Warum? Was bedeutet das für die Kritik der politischen Ökonomie?
  • „It’s the economy, stupid“ ist zu einem geflügelten Wort geworden. Während also auf der einen Seite dem Volksmund durchaus bewusst ist, dass die kapitalistisch organisierte Ökonomie eine gesamtgesellschaftliche Prägekraft auszeichnet und sie dominant ist, wird auf der anderen Seite vielen Lesarten des Kapital oder marxistischen Strömungen „Ökonomismus“ vorgeworfen. Wie lässt sich die Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise demnach verstehen?
  • Der Kritikbegriff, die methodischen Überlegungen sowie die materiale Durchführung der kritischen Analyse des inneren Zusammenhangs des Kapitalverhältnisses legen nahe, daß Marx weit mehr als nur einen Beitrag zur Kritik der politischen Ökonomie, nämlich eine umfassende Kritik aller Formen der kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr beherrschten Gesellschaftsformation. Wie ist dieser Anspruch auf eine kritische Gesellschaftstheorie heute einzuschätzen?
  • Marx hat nur spärlich methodische Anmerkungen hinterlassen. Die marxsche Ökonomiekritik zeichnet sich aber durch eine spezifische Methode bzw. Methoden aus, die auch erkenntnistheoretische Debatten zur Folge hatten. Was ist daran aktuell und warum?
  • Das Kapital ist in erster Linie eine Analyse kapitalistischer Verhältnisse. Marx bezeichnete Das Kapital als das „furchtbarste Missile, das den Bürgern … an den Kopf geschleudert worden ist“. In welchem Sinne ist die Kritik der politischen Ökonomie parteilich gegen die bürgerlichen Verhältnisse gerichtet und furchtbar?
  • Zu Marx‘ Lebzeiten erschien nur der erste Band des Kapital. Friedrich Engels editierte den zweiten und dritten Band, Karl Kautsky die sogenannten Theorien über den Mehrwert, die lange (fälschlicherweise) als vierter Band des Kapital bezeichnet wurden. Marx hatte aber weitaus mehr vor und dennoch einen recht fokussierten Gegenstand. Im Anschluss an das Kapital verfolgten andere nicht nur Marx‘ Bücherplan weiter, etwa in Form von Staatskritik, sondern es wurden auch diverse Theorien „mittlerer Reichweite“ entwickelt, wie etwa die Regulationstheorie, die den Anspruch erheben, auf der Grundlage der Kritik der politischen Ökonomie ein begrifflich-methodisches Instrumentarium für die Analyse historisch-konkreter Gesellschaftsformationen und Situationen entwickelt zu haben. Manche Interpretationen behaupten auch, man könne mit Keynes’ Theorie methodisch unmittelbar da anschließen, wo Marx aufgehört habe, beim Gesamtprozess des gesellschaftlichen Kapitals. Wie sind diese verschiedenen Stränge der Interpretation und Weiterentwicklung der marxschen Theorie zu beurteilen?
  • Marx‘ Kritik hat in zahlreiche Forschungsbereiche ausgestrahlt. Wo und warum war dies besonders wichtig und erfolgreich?
  • Marx ist recht sparsam mit Aussagen zu dem, was seiner Meinung nach eine nach-kapitalistische Gesellschaft auszeichnet. Warum? Was meint er mit dem „Verein freier Menschen“?

Die Redaktion der PROKLA lädt zur Einsendung von Exposés zum Thema „Kritik der politischen Ökonomie heute“ im Umfang von ein bis zwei Seiten bis zum 21.3.2017 ein. Die fertige Aufsätze müssen Mitte Juni 2017 vorliegen und sollen den Umfang von ca. 45.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Fußnoten und Literaturverzeichnis) nicht überschreiten. Zusendung bitte als word- oder ODT-Datei mit Angabe des Autor_innennamens an: Thomas Sablowski (sablowski@soz.uni-frankfurt.de) und Ingo Stützle (stuetzle@prokla.de).