PROKLA 111
Globalisierung und Gender
Juni 1998
Brigitte Young: Genderregime und Staat in der globalen Netzwerkökonomie
Saskia Sassen: Überlegungen zu einer feministischen Analyse der globalen
Wirtschaft
Bang-Soon Yoon: Koreanische Frauen in der globalen Ökonomie
Ingeborg Wick: Frauenarbeit in Freien Exportzonen
Frauke Helwes: Migration, Prostitution, Frauenhandel
Seiko Hanochi: Japan und die globale Sexindustrie
Chalmers Johnson: Der Kalte Krieg und die Asienkrise
Robert Guttmann: Virtuelles Interview
Klaus Schabacker: Die moderne ökonomische Theorie und die Kapitaltheorie
von Marx
Brigitte
Young. Editorial: Globalisierung und Gender
Über Globalisierung wird intensiv und viel diskutiert. Über »Globalisierung
und Gender« wird weit weniger debattiert. Dieses Thema ist noch immer das Stiefkind
der Wissenschaft und der Medien. Wenn Geschlecht in dieser meist männlichen
Literatur überhaupt erwähnt wird, dann nur im Hinblick auf Frauen. »Geschlecht«
als soziale Organisation der Geschlechterverhältnisse - wird reduziert auf die
Rolle der Frau. Die wird wiederum nur als eine »Verlängerung« des in der Öffentlichkeit
agierenden Mannes und gleichzeitig als das ewige Opfer des handelnden Mannes
konstruiert. Dieser vereinfachte, aber erkenntnisleitende Dualismus zwischen
Frau und Mann hat seine Geburtsstunde in dem männlichen Gesellschaftsvertrag,
der Frauen aus der öffentlichen Sphäre ausschließt und sie gleichzeitig »nur«
in ihrer Funktion des Gebärens und Erziehens loyaler Staatsbürger einschließt.
Durch die Trennung der bürgerlichen Gesellschaft in private und öffentliche
Sphären wurde Frau auf ihr »natürliches« Wesen der Reproduktion reduziert (vgl.
Carol Pateman, The Sexual Contract, Cambridge 1988). Die Konzeption von Frau
als der mit der Natur verbundene Teil eines patriarchalen Systems und der ewig
Leidenden paßt auch zu dem gesellschaftlich konstruierten Bild vom Mann als
agierendem Subjekt und der Frau als »seinem« Familienzubehör. Ob es sich um
die Transformation vom Feudalismus zum Kapitalismus, vom Agrar- zum Industriekapitalismus
oder um die »dritte Welle der Demokratisierung« (Huntington) handelt, Frauen
erscheinen in ihrer Gesamtheit als die »Betroffenen«, als passive Opfer. Diese
Interpretation hat auch etwas Beruhigendes: trotz gravierender gesellschaftlicher
und ökonomischer Veränderungen durch die Millennien findet man Frauen immer
wieder dort wo Mann sie gerade zurückgelassen hat: auf der unteren Stufe der
Geschichte. Dieses Bild ist ja auch nicht gänzlich falsch, aber auch nicht ganz
richtig. Es ist eben nur die bequeme Vereinfachung einer Seite eines komplizierten
Herrschaftsverhältnisses. Bereits in PROKLA 93 »Frauen in der Ökonomie« (Dezember
1993) wurde die grobschlächtige Vereinfachung eines erkenntnisleitenden Dualismus
zwischen Mann und Frau thematisiert. Trotz der vielen Einsichten der feministischen
Forschung bildet die Konzeption der Trennung zwischen Öffentlichkeit (sprich
Mann) und Privatheit (sprich Frau) das Fundament sowohl der bürgerlichen wie
der marxistischen Theoriebildung. Versuche einer theoretischen Vermittlung zwischen
Marxismus und Feminismus (Klasse und Geschlecht) wurden zwar unternommen, aber
es blieb eben nur bei einer »unglücklichen Ehe« (Hartman) zwischen den beiden
Kontrahenten. Während die einen nur die geschlechtsneutrale Armut sahen, wollten
die anderen nur arme Frauen sehen. Seit der neoliberalen Wende hat sich das
Bild der Frau kaum verändert. Während sie zuvor als Opfer des patriarchalen
Sozialstaats konstruiert wurde, ist sie nun das Opfer des eingeleiteten Abbaus
sozialer Sicherung. Daß die Globalisierung gewaltige Umbrüche und radikale Veränderungen
ganzer Sozialsysteme, Ökonomien und Kulturen in den Ländern des Südens und Ostens
sowie auch zunehmend im Norden ausgelöst hat, wird spätestens seit der Diskussion
über das »multilatere Investitionsabkommen« (MAI) auch von Skeptikern nicht
mehr bestritten. Es ist auch nicht zu leugnen, daß Frauen - zunehmend auch Männer
- die Auswirkungen des Neoliberalismus an der eigenen Haut erfahren. Globalisierung
ist, wie die Autorinnen dieses Heftes auf unterschiedliche Weise deutlich machen,
ein durch und durch geschlechtsspezifischer Prozeß. Die neoliberale Politik,
die die ökonomische Logik der Globalisierung absichert - Wettbewerb, Konkurrenz,
Privatisierung, Deregulierung, Flexibilität, Rückzug des Staates, Vorrang der
Finanzmärkte, Senkung von Staatsausgaben und Steuern, Abbau der Sozialsysteme
- hat weltweit durchaus verschiedene, oft gegenläufige Auswirkungen auf Frauen
und Männer. Frauen im Norden und Süden werden zunehmend Zeitzeugen ihres eigenen
Dramas: die Auswirkungen der »Strukturanpassungsprogramme« werden auf ihren
Rücken mit voller Wucht ausgetragen. Während der Reichtum ständig wächst, nimmt
gleichzeitig die Arbeitslosigkeit mitsamt der entsprechenden Armut zu. Betrachtet
man die seit Margaret Thatcher und Ronald Reagan eingeleitete neoliberale Freisetzung
der Marktkräfte, so scheint es nur die Wahl zwischen einem Elend mit einer etwas
geringeren Arbeitslosigkeit (das US-amerikanische Modell) und einem Elend mit
einer weitaus höheren Arbeitslosigkeit (das kontinentaleuropäische Modell) zu
geben (J.-P. Maréchal, Solidarwirtschaft und Arbeit in: Le Monde Diplomatique,
taz, 15.4.98). In beiden Modellen sind es aber weit mehr Frauen, die die ökonomische
Ausgrenzung hautnah erfahren. Die in Nairobi unterzeichneten »Forward Looking
Strategies« unterstrichen, was viele feministische Entwicklungsforscherinnen
schon seit geraumer Zeit wissen, daß ökonomisches Wachstum nicht unbedingt eine
Verbesserung für Frauen bringt. »Während am Anfang der Dekade der Glaube auf
einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum und der Besserstellung
der Frau noch bestand, ist diese naive Prämisse nach den Erfahrung der letzten
zehn Jahre zu bezweifeln« (M. O'Neil, Preface, in: Bakker, I., (ed.), The Strategic
Silence. Gender and Economic Policy, London 1994). Somit liegt das Resumée nahe,
daß Frauen vor allem zu den Verliererinnen der globalen »Strukturanpassungsen«
gehören. Diese Feststellung mag auf den ersten Blick - und durchaus auch auf
den zweiten Blick - stimmig sein, sie geht aber nicht über einen rudimentären
Vergleich der ökonomischen Lage zwischen Männern und Frauen in unterschiedlichen
Ländern hinaus. Es fehlt aber die zentrale Frage danach, warum die gegenwärtige
strukturelle und institutionelle Transformation vom Süden und Osten bis zum
Norden geschlechtsspezifisch abläuft. Was sind die Mechanismen in den mikro-,
meso- und makroökonomischen Strukturen, in den politischen Institutionen und
kulturellen Praktiken, die immer wieder - wenn auch in unterschiedlicher Gestalt
und Form - die Reproduktion hierarchischer Geschlechterverhältnisse hervorbringen?
Bereits in den 80er Jahren wurde in der PROKLA 50 »Marx und der Marxismus« (März
1983) auch über »Hausarbeit« diskutiert, ein Konzept, das die Verengung des
männlichen Arbeitsbegriffs auf lohnabhängige Erwerbsarbeit und seine Erweiterung
auf die reproduktive Arbeit der Frauen in der Haushalt- und Subsistenzenzproduktion
thematisierte. Diese durchaus fruchtbare Diskussion, die heute als »Hausarbeitsdebatte«
in die Literatur eingegangen ist, wurde bald zum vergessenen Stiefkind beiderlei
Geschlechts. Die männlichen Genossen waren keineswegs geneigt in der Reproduktionsarbeit
einen Gegenbegriff zur männlichen Lohnarbeit zu akzeptieren. Die neue feministische
Generation wiederum hat sich dem Poststrukturalimus zugewandt und den Materialismus
auf dem Altar der symbolischen und diskursiven Ordnung geopfert. Nicht mehr
das Sein bestimmte das Bewußtsein, sondern der Schein der Benneton-Konsumwelt
prägte die neue feministische Generation. Der Körper der Frau fungiert in diesen
Identitäts-Schlachten der Geschlechter als der entscheidende Ort der politischen
Kämpfe. Es sollte daher nicht verwundern, daß die poststrukturalistische Negation
der »realen« materiellen Welt ökonomische Themen zum »Aschenputtel« der feministischen
Forschung machte. Die Fokussierung auf das Leben als eine immer neu zu inszenierende
Bühnendarstellung rächte sich in dem Moment, in dem der »Turbo-Kapitalismus«
alle Fesseln der Finanzmärkte sprengte und mit »realer« Härte den endgültigen
Sieg des Kapitalismus feierte. Es ist Isabella Bakker durchaus zuzustimmen,
daß es in den meisten Studien über die strukturellen Veränderungen eine »conceptual
silence« in bezug auf das geschlechtsspezifische Terrain, auf dem die Restrukturierung
stattfindet, gibt. Dies bezieht sich aber nicht nur auf die männliche Forschung.
Es sind vor allem feministische Entwicklungsforscherinnen und Frauen aus der
sogenannten Dritten Welt, die nicht erst von den Zeitungsberichten über die
Wucht der Globalisierung und ihre Auswirkungen auf Frauen in den Entwicklungs-
und Transformationsländern überzeugt werden mußten, die in den 80er Jahren bereits
die radikalen Veränderungen in den neugegründeten Freien Produktionszonen Mittelamerikas,
den maquiladora businesses, dokumentierten. Oder Forscherinnen wie Saskia Sassen,
die sich mit Migrationsprozessen beschäftigten und nicht als »pure« Feministinnen
gelten, die den Weg zu einem Verständnis der globalen Umstrukturierung in ihrer
geschlechtsspezifischen Gestaltung vorbereitet haben. Es herrscht vor allem
unter den europäischen und den anglo-amerikanischen feministischen Wissenschaftlerinnen
eine »conceptual silence« über den Zusammenhang zwischen von Globalisierung,
Staat und Gender. Entweder wird Globalisierung als eine Ideologie oder als ein
Mythos einfach wegrationalisiert: als eine Männerverschwörung in neuen Festkleidern.
Oder Globalisierung wird reduziert auf den Ab- und Umbau des Sozialstaates,
der mit einem theoretischen Instrumentarium untersucht wird, welches sich bestenfalls
auf den klassischen National- und Wohlfahrtsstaat des Keynesianismus anwenden
läßt. Heute steht die feministische Forschung in Europa und größtenteils auch
in den USA vor der merkwürdigen Situation, daß Globalisierungsstudien aus Indien,
den honduranischen Freihandelszonen, aus Thailand, Süd-Korea bis zu Südafrika
mehr Aufschluß über die Transformation der Geschlechterverhältnisse in diesen
Regionen und Ländern geben als Studien über einzelne europäische Länder oder
über die Europäische Union. Mit diesem PROKLA-Heft soll anhand unterschiedlicher
Themen die Verzahnung von Globalisierungsprozessen und Geschlechterverhältnissen
in ersten Schritten untersucht werden. Die Globalisierung spielt sich auf einem
geschlechtsspezifischen Terrain ab; dies bedeutet aber nicht, daß alle Frauen
zu den Verliererinnen und Männer zu den Gewinnern der Globalisierung gehören.
Die Verhältnisse sind weit komplizierter. GewinnerInnen und VerliererInnen gibt
es auf beiden Geschlechterseiten. Die zunehmende Überlagerung von Klassen- und
Geschlechterverhältnissen, von Migration und rassistischer Diskriminierung bringt
unter dem Druck der Globalisierung ganz neue Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse
hervor. Die globale Umstrukturierung beschränkt sich somit keineswegs nur auf
eine eine quantitative Verschiebung von »good jobs« zu »bad jobs«. Es ist läßt
sich empirisch festzustellen, daß die Transformation des fordistischen Akkumulationsregimes
mit einer grundsätzlichen Veränderung von Genderregimen einhergeht, die im Fordismus
entstanden sind. Besonders die Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit, die
eines der zentralen Elemente des fordistischen System bildete, wird durch die
zunehmende Informalisierung der Beschäftigungsformen ausgehöhlt (vgl. dazu den
Beitrag von Brigitte Young). Die Dehnung zum globalen Raum und die netzwerkartigen
Verflechtungen zwischen den Akteuren haben den Globus zu einem großen Marktplatz
werden lassen, auf dem die Produktionsfaktoren dort gekauft werden, wo sie am
billigsten sind. Dadurch entstehen neue strategische Orte, unter anderem die
»Globalen Cities«, an denen sich die abstrakten Globalisierungsprozesse lokalisieren.
Globalisierung ist somit auch immer ein Prozeß der mit einer Lokalisierung in
nationalstaatlichen Räumen verbunden ist. Die strikte Gegenüberstellung von
globalen und nationalen Räumen ist zwar eine weitverbreitete Auffassung in der
Globalisierungsliteratur, sie läßt sich bei genauerer Betrachtung aber nicht
aufrechterhalten. Aktivitäten, die sich im nationalen Raum abspielen sind durchaus
verflochten mit globalen Aktivitäten und umgekehrt, Globalisierung kann ohne
Lokalisierung nicht stattfinden. Die Ausblendung der Stätten materiellen Produktion,
an denen diese Lokalisierung stattfindet, bedeutet, daß die zunehmende Integration
von Frauen in die globale Ökonomie und ihr Widerstand gegen die Globalisierungsprozesse
kaum gesehen werden (vgl. den Artikel von Saskia Sassen). Diese »narrative of
eviction« findet ihre Erklärung in einem durch die männliche Optik wahrgenommenen
Prozeß der Globalisierung und seine Reduktion auf Mikropraktiken und kulturelle
Aspekte, die von Männern oder durch maskuline Strukturen konstituiert, ausgeführt
und legitimiert werden. Der dominante Diskurs erweckt somit den Eindruck eines
geschlechtsneutralen Ablaufs, während in den verschiedenen »Strukturanpassungen«
die asymmetrischen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern zur Geltung
kommen. Auch die zunehmende Anzahl der weiblichen Mitglieder, die auf der globalen
Bühne durchaus mit den männlichen »Machern« konkurrieren, ändert nichts an dem
geschlechtsspezifischen Ablauf der Globalisierungsprozesse. Die geschlechtlichen
Hierarchien, Marginalisierungen und Segmentierungen finden sich zwar in allen
Ländern, sie unterscheiden sich aber in der Form und den Mechanismen ihrer Reproduktion.
Das südkoreanische Beispiel zeigt in eindrucksvoller Weise, wie die unterschiedlichen
Stufen der Industrialisierung in den 60er und 70er Jahren und die Globalisierung
in den 90er Jahren neue geschlechtsspezifische Formen der Hierarchisierung und
Marginalisierung hervorgebracht haben. Es ist zwar unklar, welche neue Formen
der Hierarchisierung sich als Resultat der neoliberalen IWF-Politik, mit der
auch in Südkorea auf die gegenwärtige Krise geantwortet wird, ergeben werden;
daß sie aber wieder entlang geschlechtlicher Trennungslinien ablaufen werden,
scheint recht wahrscheinlich zu sein (vgl. den Beitrag von Bang-Soon Yoon).
Mit »Freien Exportzonen« (FEZ), die sowohl von Steuern als auch von arbeitsrechtlichen
Regelungen weitehend befreit sind, versuchen viele Länder der »Dritten Welt«
ausländisches Kapital anzuziehen. Die überwiegende Zahl der Beschäftigten in
diesen Weltmarktfabriken sind weiblich. Einen Überblick über die Situation gibt
der Beitrag von Ingeborg Wick. Einzelne Staaten stärken ihre wirtschaftliche
Position auch durch den Frauenhandel für die inzwischen ebenfalls globalisierte
Sexindustrie (siehe zum Fall Japan den Beitrag von Seiko Hanochi). Entsprechend
einer inzwischen existierenden internationalen Hierarchie kommen verschiedene
Länder dabei sogar gleichzeitig als Sende-, Transit- und Zielorte des Frauenhandels
in Frage. Gerade am Frauenhandel, sowohl in Ostasien wie in Osteuropa wirken
Migrationsbewegungen, rechtliche Regelungen, staatliche Politik und internationale
Zuhältergruppen in vielfältiger Weise zusammen, was im herrschenden Diskurs
meistens ausgeblendet wird. Frauenhandel und Prostitution läßt sich aber nicht
auf ein rein ökonomisches Phänomen reduzieren. Bereits bei der »Wahl« welche
Frauen in welchen Ländern zur Prostitution verschickt werden, spielen Rassismus
und unterschiedlich ausgeprägte Formen des Sexismus eine entscheidende Rolle.
Darüberhinaus geht es aber auch immer wieder um die Erzeugung einer »symbolischen
Ordnung« als Stützpfeiler geschlechtsspezifischer Herrschaft. Ob man die Herrschaft
der Samurai, der traditionellen japanischen Eliten, der neuen japanischen oder
osteuropäischen Managerklasse vergleicht, Frauenhandel ist immer auch Bestätigung
einer »Männlichkeit«, die zum Fortbestand und zur Mehrung des männlichen symbolischen
Kapitals beiträgt (vgl. dazu den Aufsatz von Frauke Helwes). * * * In Ergänzung
zum Heftschwerpunkt »Globalisierung und Gender« gibt es auch zwei Beiträge,
die sich mit der aktuellen Entwicklung in Asien angesichts der jüngsten Krise
auseinandersetzen. Entgegen der vorherrschenden Betrachtung dieser »Asienkrise«
machen Chalmers Johnson und Robert Guttmann deutlich, daß es nicht ausreicht,
den Finanzsektor in den Blick zu nehmen. Hinter den finanziellen Instabilitäten
stehen eine ganze Reihe »realökonomischer« Probleme, die ihre Ursachen nicht
zuletzt in Wirtschaftsstrukturen haben, die während des Kalten Krieges aus politischen
Gründen aufgebaut wurden. Daher wird sich, so die übereinstimmende Folgerung
von Chalmers und Guttmann, die Krise auch nicht durch rein finanzielle Maßnahmen
oder die üblicherweise vom IWF geforderte Deregulierungspolitik bewältigen lassen.
Außerhalb des Schwerpunkts erscheint der bereits im Editorial von PROKLA 110
angekündigte Beitrag von Klaus Schabacker, mit dem die im letzten Heft begonnene
Diskussion über das Verhältnis von Marx zur modernen ökonomischen Theorie fortgesetzt
wird.