PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Archive for the 'Call for Paper' Category

Call for Papers PROKLA 189/2: Autoritärer Populismus

Posted by admin on 1st März 2017

Call for Papers PROKLA 189
Autoritärer Populismus
Heft 4, Dezember 2017

Die politischen Entwicklungen in den vergangenen zwei Jahren haben sich überschlagen, die große und multiple Krise der finanzmarktdominierten Gesellschaftsformationen reproduziert sich auf höherer Stufenleiter. Zu den vielen Krisen kamen neue hinzu: die Krise des Kontrollregimes der europäischen Grenzen und der fortgesetzten staatlichen Maßnahmen, die Kontrolle über Flucht und Migration zurückzugewinnen, die Krise der EU durch den Brexit im Sommer 2016 und die darauf folgenden Spannungen in Großbritannien sowie zwischen diesem Land und der EU. In den USA hat Donald Trump das Amt des Präsidenten angetreten, verfolgt eine protektionistische Politik, will illegalisierte MigrantInnen in großem Maßstab abschieben und intensiviert die Förderung fossiler Energie. Eine neue Aufrüstungswelle auch mit Nuklearwaffen wird in Aussicht gestellt, die Gefahr eines Krieges zwischen den Großmächten einschließlich China wächst. Innenpolitisch sind wir in einer Reihe von Ländern mit einer Fortschreibung von Notstandspolitiken, dem weiteren Ausbau der Sicherheitsapparate und ihre Vernetzung sowie dem Abbau von bürgerschaftlichen und demokratischen Rechten konfrontiert. Neue Formen der Ausnahmestaatlichkeit zeichnen sich ab.

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Call for Papers PROKLA 189/1: Natur, Ressourcen, Konflikte: Kämpfe um die globale Inwertsetzung von Land und Rohstoffen

Posted by admin on 1st März 2017

Call for Papers PROKLA 189
Natur, Ressourcen, Konflikte: Kämpfe um die globale Inwertsetzung von Land und Rohstoffen
Heft 4, Dezember 2017

Seit Anfang der 2000er Jahre kommt es zu einer neuen Welle von Einhegungen von Land und Natur Ursachen hierfür sind die Vielfachkrise des Kapitalismus, die Ausweitung imperialer Lebensweisen im Globalen Norden und Süden und die hiermit verbundene stark gestiegene Nachfrage nach Agrarprodukten, bergbaulichen Rohstoffen (Mineralien, Metalle, seltene Erden, Erze) und fossilen und erneuerbaren Energieträgern (Öl, Gas, Kohle, Biomasse, pflanzliche Rohstoffe). Darüber hinaus sorgen Hedgefonds und andere Finanzmarktinstrumente für eine Erschließung von Natur als neue und sichere Anlagefelder für überakkumuliertes Kapital. Dies geht mit zunehmend negativen ökologischen und sozialen Folgen, wie Wasserverschmutzung, Bodenerosion oder Vertreibung, einher. Weltweit verlieren Menschen ihr Land zu Gunsten kommerzieller großflächiger Agrarproduktion sowie von Bergbau-, Klimaschutz- und Infrastrukturprojekten.

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Call for Papers PROKLA 188: 150 Jahre Das Kapital von Karl Marx – Kritik der politischen Ökonomie heute

Posted by admin on 21st Februar 2017

Call for Papers PROKLA 188
150 Jahre Das Kapital von Karl Marx – Kritik der politischen Ökonomie heute
(Heft 3, September 2017)

Vor bald 150 Jahren, im September 1867, erschien erstmals Das Kapital von Karl Marx. Auch wenn die Resonanz zunächst verhalten war und sein Freund Friedrich Engels mit ein paar Rezensionen unter falschem Namen nachhelfen musste, so wurde es doch zu einer der einflussreichsten ökonomiekritischen Schriften – nicht nur der unmittelbaren Rezeption, sondern auch der Ausstrahlung in nahezu alle gesellschaftswissenschaftliche Disziplinen.

Nach 150 Jahren ist Das Kapital noch immer eine Herausforderung. Erst seit wenigen Jahren sind alle Manuskripte, die dem Kapital zugrunde liegen, in der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2) zugänglich. Die Manuskripte zum dritten Band des Kapital erschienen erstmals 1992. Die Bedingungen für eine textkritische Lektüre sind heute besser als je zuvor. Gleichzeitig ist man mit einer Vielzahl an Interpretationen konfrontiert, die eine „unschuldige Lektüre“ (Althusser) des Kapital gar nicht möglich machen. Jede Lektüre ist durch Traditionen vorgeprägt, deren Linien kaum mehr sichtbar oder gar bekannt sind.

Für gesellschaftskritische Sozialwissenschaften ist Marx‘ Kritik zentraler Bezugspunkt. Es jährt sich nicht nur Das Kapital, sondern 2018 ist zudem der 200. Geburtstag des Autors, Karl Marx. Die Jubiläen werden in der bürgerlichen Öffentlichkeit begangen werden. Bereits jetzt kündigt sich eine unübersehbare Anzahl an Beiträgen unterschiedlichster Couleur an. Es ist deshalb für eine radikale Gesellschaftskritik um so wichtiger, sich das kritische Potenzial der marxschen Theorie zu vergegenwärtigen und sie zu aktualisieren, selbstkritisch Gewissheiten und zweifelhafte Traditionslinien zu überprüfen und zu hinterfragen.

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Call for Papers PROKLA 1917:

Posted by admin on 4th November 2016

Call for Papers PROKLA
100 Jahre russische Revolution“ (2017)

Wie auch immer die russische Revolution, ihre Ursachen und Folgen beurteilt werden – Einigkeit besteht darin, dass es sich um ein weltgeschichtlich herausragendes, epochales Ereignis handelt. Auch 100 Jahre danach und mehr als 25 Jahre nach dem Untergang der So­wjetunion und des „real existierenden Sozialismus“ in Osteuropa ist die Auseinander-setzung mit der russischen Revolution nicht nur in geschichtspolitischer Hinsicht wichtig. Das Thema „100 Jahre russische Revolution“ umfasst nicht nur das historische Ereignis, sondern die ge­samte Geschichte des „kurzen“ 20. Jahrhunderts und das Verständnis von grund-legenden politischen Kategorien in diesem Kontext: Sozialismus, Kommunismus, Reform, Revolution, Transformation, Geschichte, Staat, Partei oder Demokratie. Die Redaktion der PROKLA plant über das Jahr 2017 verteilt die Veröffentlichung von Beiträgen zum Thema „100 Jahre russische Revolution“, das aus Sicht der Redaktion unter anderem folgende Gesichtspunkte umfasst:

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Call for Papers PROKLA 187: Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus

Posted by admin on 2nd August 2016

Call for Papers PROKLA 187
Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus
(Heft 2, Juni 2017)

Schlagwörter wie „Industrie 4.0“ oder „Digitalisierung“ sind derzeit in aller Munde. Doch die Verkündigung einer vierten industriellen Revolution wirkt angesichts der wirtschaftlichen Stagnation in Europa wie ein zweckoptimistisches Heilsversprechen. Vielmehr ist dieser Begriff ein rhetorischer Coup von Unternehmensverbänden und Bundesregierung: Der Standort Deutschland soll, so die Protagonisten, neu erfunden werden. Das Ziel ist eine produktivere, ökologisch nachhaltigere und sozial gerechtere Zukunft. Gleichzeitig ist „Industrie 4.0“ ein geopolitisches Standortprojekt: Es geht darum, im Digitalisierungswettlauf die Nase vorn zu haben, die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie zu steigern und Produktionskapazitäten in die „Hochlohnländer“ zurückzuholen.

Der aufgeladene Kunstbegriff „Industrie 4.0“ ist deshalb ungeeignet, einen realistischen Blick auf die aktuellen Veränderungen zu gewinnen. Es ist eher von einer schrittweisen Durchsetzung digitaler Technologien auszugehen als von einer Revolution – schließlich sind einige der propagierten „Innovationen“ schon seit Jahren im Einsatz. Der Begriff „Industrie 4.0“ lässt zudem die Umbrüche im Dienstleistungssektor, etwa die Entstehung neuer transnationaler E-Commerce-Unternehmen, außen vor und verengt den Blick auf einzelbetriebliche Veränderungen. Doch sind gerade von der gesamtgesellschaftlichen Technologienutzung Veränderungen zu erwarten, etwa bei der Restrukturierung von Unternehmensorganisation und -netzwerken oder der Neuzusammensetzung von Arbeitsprozessen. Solche Umbrüche sind nur mit einem umfassenden Blick auf Wertschöpfungsnetzwerke und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu erfassen. Dazu bedarf es einer Klärung, ob der digitale Wandel geo- und klassenpolitisch relevante Prozesse anstößt und welche Erscheinungsformen diese annehmen.

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Call for Papers PROKLA 186: Die Materialität und politische Ökonomie des Internets

Posted by admin on 13th Juli 2016

Call for Papers PROKLA 186
Die Materialität und politische Ökonomie des Internets
(Heft 1, März 2017)

Das Internet hatte lange Zeit den Ruf, ein dezentraler, hierarchiefreier und demokratischer Raum zu sein. Spätestens mit den Enthüllungen durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden wurde jedoch deutlich, dass die materielle und technologische Infrastruktur des Internets alles andere als das ist. Es gibt riesige und nur wenige Internet-Knotenpunkte, die die gesamten transatlantischen Datenströme konzentrieren. Zudem ist die Ökonomie des Internets sehr stark von Oligopolen geprägt, ein neues – und das leistungsstärkste – Transatlantikkabel werden in naher Zukunft Facebook und Microsoft realisieren.

Während in letzter Zeit viel über Datensicherheit und -schutz sowie über Kontrolle von geheimdienstlichen Aktivitäten diskutiert wurde, bleibt die „politische Ökonomie“ und die „Materialität“ des Internets meist außerhalb kritischer Analyse. Es wird zwar viel darüber geredet, wie das Internet die Arbeitswelt verändern könnte („Industrie 4.0“), aber weniger darüber, wie das, was das Internet materiell und „immateriell“ ausmacht, selbst eine Anlagesphäre von Kapital (von Google und Facebook über Technologieanbieter von Cisco bis Intel) sowie ein politisch und ökonomisch umkämpftes Terrain ist. Das Internet hat seinen historischen Ursprung im Militärischen und in der Hochschule. Es kann also bezweifelt werden, dass allein eine „gute Idee“ pervertiert wurde, vielmehr waren Machtverhältnisse und strategische Interessen seit Beginn in die „neue“ Technik eingeschrieben. Das Internet ist zudem hoch politisch: Die Vergabe von IP-Adressen und die Koordination des Domain Name Systems (DNS) und der dafür nötigen Root-Nameserver-Infrastruktur ist abhängig vom US-Wirtschaftsministerium. Hinter den www-Adress-Zeilen, die tagtäglich in Browserfenster eingegeben werden, verbirgt sich also ein kaum bekanntes, aber hart umkämpftes politisch-ökonomisches Feld.

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Call for Papers 185: Ausnahmezustand – Barbarei oder Sozialismus?

Posted by admin on 18th Mai 2016

Call for Papers PROKLA 185
Ausnahmezustand – Barbarei oder Sozialismus?
(Heft 4, Dezember 2016)

Die gegenwärtige Situation ist schwer zu fassen. Betrachtet man die Entwicklungen seit dem Ausbruch der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007, so erinnert vieles an die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre: Auf die ökonomische Krise folgte eine politische Krise in vielen Ländern. Dabei verläuft die Entwicklung der politischen Krise im Vergleich zu den 1930er Jahren jedoch einerseits viel langsamer, was darauf verweist, dass auch die Herrschenden aus früheren Krisen gelernt haben und dass der globale Kapitalismus heute in viel stärkerem Maße als vor dem Zweiten Weltkrieg über ökonomische, politische und ideologische Stabilisatoren verfügt. Andererseits sind viele politische Entwicklungen weniger eindeutig und die Ereignisse und Probleme, die die öffentliche Diskussion beherrschen, lösen sich in immer schnellerem Rhythmus ab. Die kritische Analyse kommt ins Hintertreffen, sie hinkt der Verschiebung der Herausforderungen und Prioritäten hinterher: Weltwirtschafts- und Finanzkrise, wachsende (globale) Ungleichheit, der sogenannte Arabische Frühling und die Occupy-Bewegung (und deren Niedergang), Staatenzerfall, geopolitische Konflikte und Kriege in Libyen, der Ukraine, Syrien, zwischen den Großmächten und Regionalmächten (und Verbündeten), Fluchtbewegungen in historischem Ausmaß, Entdemokratisierung, rechte und faschistische Mobilisierungen in allen westlichen Industriestaaten, Backlash und Anti-Genderismus, religiöser Fundamentalismus, nahezu unumkehrbarer Klimawandel und nachhaltige Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen etc. pp.

Wir befinden uns an einem Punkt, an dem die Bemühung, den Entwicklungen und ihren Ursachen nachzuspüren und Zusammenhänge zu erschließen, atemlos macht – und irgendwie vergeblich wirkt. Dieser „Ausnahmezustand“ bedarf selbst einer kritischen Analyse. Dabei ist mit „Ausnahmezustand“ nicht einfach eine Herrschaftspraxis jenseits rechtsstaatlicher Prinzipien gemeint, die es zunehmend auch gibt, sondern die zeitdiagnostische Feststellung: die Welt scheint aus den Fugen.

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Call for Papers 184: Die Neuordnung der Energieversorgung: Kräfteverhältnisse, Konflikte und Perspektiven

Posted by Die Redaktion on 30th September 2015

Call for Papers PROKLA 184
Die Neuordnung der Energieversorgung: Kräfteverhältnisse, Konflikte und Perspektiven
(Heft 3, September 2016)

Das auf der Verbrennung der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas beruhende Energiesystem befindet sich in einer Krise. Die Förderung konventionellen Öls hat ihren Peak entweder bereits überschritten oder wird dies in nächster Zeit tun. Nicht-konventionelle Ölvorkommen werden selbst von den Befürwortern ihrer Ausbeutung allenfalls als Zwischenlösung auf dem Weg zu einem anderen Energiesystem angesehen. Von den Kohle-Vorräten wird angenommen, dass sie noch für längere Zeit reichen. Mehr noch als die Verbrennung von Öl wird die der Kohle aber aus klima-, in Ländern wie China auch aus gesundheitspolitischen Gründen zunehmend kritisiert. Am Abbau und an der energetischen Nutzung der besonders klimaschädlichen Braunkohle entzündet sich derzeit in einigen Ländern eine Protestbewegung, die sich auf lokale Anti-Kohle-Initiativen ebenso wie auf zentrale Veranstaltungen in Gestalt von Protest-Camps stützt. Erdgas ist zwar im Vergleich zu Öl und Kohle weniger umweltschädlich, aber auch seine Förderung hat in den meisten Ländern bereits ihren Höhepunkt überschritten. Dazu kommt, dass die Gasversorgung von den jüngsten geopolitischen Spannungen zwischen Russland – dem Land mit den weltweit größten Erdgasreserven und -ressourcen – und der EU bzw. der NATO überlagert wird.

Außer der (absehbaren) Erschöpfung der Ressourcen und der Überlastung der Senken – also jener Ökosysteme, die die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger absorbieren und damit eine wichtige klimatische Regulierungsfunktion ausüben – ist das fossilistische Energiesystem auch von Seiten der erneuerbaren Energien unter Druck geraten. Deren Nutzung befindet sich weltweit im Aufschwung. In Deutschland hat sich ihr Anteil am gesamten Endenergieverbrauch zwischen 2000 und 2013 auf 12,4 Prozent verdreifacht; was den Strom angeht, so wird mittlerweile mehr als ein Viertel des Bedarfs von erneuerbaren Energien gedeckt. Großkonzerne wie RWE oder Eon, die über Jahrzehnte hinweg mit der Energieversorgung aus fossilen und atomaren Quellen viel Geld verdient haben, befinden sich in einer Existenzkrise, der sie mit einem grundlegenden Umbau ihrer Unternehmensstrukturen zu begegnen versuchen.

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Call for Papers 183: Ökonomie der Flucht und der Migration

Posted by Die Redaktion on 27th August 2015

Call for Papers PROKLA 183
Ökonomie der Flucht und der Migration
(Heft 2, Juni 2016)

Die EU reagiert auf die zunehmende Zahl von Flüchtlingen aus Somalia, Sudan, Syrien und Afghanistan sowie aus anderen Ländern immer mehr mit militärischen Mitteln, so auch mit dem Beschluss vom Mai 2015 zur Bekämpfung des „Schlepperunwesens“ im Mittelmeer. Von verschiedenen Seiten werden die zunehmende Abschottungspolitik der EU und der stetige Ausbau sowie die Militarisierung von Frontex seit Langem und zu Recht kritisiert. Gleichzeitig nehmen rassistische Übergriffe auf Flüchtlinge, insbesondere Brandanschläge auf Unterkünfte, dramatisch zu. Politisch und medial diskutiert werden vor allem Probleme der ungleichen Belastung der einzelnen EU-Länder, das Dublin-System der Zuständigkeit der jeweiligen Einreisestaaten und unmenschliche Zustände der Unterbringung und Behandlung von Flüchtlingen. Dabei unterscheiden Politiker/inn/en und Mainstream-Medien als Fluchtgründe Kriege und schlechte wirtschaftliche Verhältnisse: erstere gelten mehrheitlich als grundsätzlich legitim, letztere hingegen nicht. So hat sich ein Diskurs etabliert, der „asylwürdige“ Flüchtlinge ihren (wenn auch heillos überforderten) Rettern (die kollektive Identität des weißen, moralisch überlegenen Europa) gegenüberstellt, während die „Wirtschaftsflüchtlinge“ das Grundrecht auf Asyl „missbrauchen“. In beiden Fällen wird gleichermaßen unterstellt, Europa habe mit den Fluchtursachen nichts zu tun. Dieser Leerstelle möchte sich das geplante PROKLA-Heft zuwenden, wobei der Fokus auf den ökonomischen Dimensionen von Flucht und Migration sowie insbesondere auf den Beziehungen der EU mit den afrikanischen Ländern liegen soll. Konkret wollen wir drei Phasen dieser Prozesse untersuchen: ihre Ursachen, die Organisation der Flucht bzw. Migration selbst und die Einbindung (oder Ausgrenzung) auf den Arbeitsmärkten in den EU-Ländern, die häufig nur illegale und/oder informelle Beschäftigungsformen zulassen.

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Call for Papers 182: Religion, Politik und Ökonomie

Posted by Die Redaktion on 11th Mai 2015

Call for Papers PROKLA 182
Religion, Politik und Ökonomie
(Heft 1, März 2016)

Vor mehr als zwei Jahrzehnten prägte Samuel Huntington – zunächst als Frage, dann als Behauptung – die Formel vom Clash of Civilizations. Auf diese Art seien dem Westen, nachdem ihm der Kommunismus der realsozialistischen Länder als Gegner abhandenkam, neue Herausforderungen erwachsen. Heutzutage wird nur noch selten auf Huntingtons Begrifflichkeit Bezug genommen, bleibt doch seine Vorstellung von Kultur recht vage und scheint die These von homogenen „Kulturräumen“ mehr als fraglich. Zur Erklärung aktueller Konflikte und Kriege wird allerdings vermehrt auf eine bestimmte Kulturform, nämlich die Religion zurückgegriffen. Wenn der Ägypter Hamed Abdel Samad in Der islamische Faschismus (2014) wortreich vertritt, Islam und Faschismus seien von Grund auf wesensverwandt, stößt diese These in vielen Medien und in einer breiten Öffentlichkeit auf große Resonanz, da sie unter anderem eine einfache Erklärung für das Vordringen und die terroristischen Praktiken von ISIS im Nordirak anzubieten scheint. Dabei wird darüber hinweggegangen, dass etwa der Begriff „Jihad“ innerhalb der islamischen Welt unterschiedliche und widersprüchliche Interpretationen erfährt, und die Bandbreite von der angeblich legitimen Gewalt gegen Ungläubige bis zum individuellen inneren Kampf um den richtigen Glauben reicht. Zudem werden politisch-ökonomische Hintergründe für kriegerische Auseinandersetzungen oftmals ausgeblendet und diese als reines Kulturphänomen gesehen. Eine Untersuchung neuerer politischer Allianzen und Konflikte sollte jedoch beide Ebenen ins Auge fassen, wobei der Blick nicht auf den Islam und auf den Nahen Osten zu beschränken ist. So kann allgemein gefragt werden, inwieweit nicht-staatliche Gruppierungen (wie ISIS) in neuerer Zeit oder Nationalstaaten (wie Saudi-Arabien) bereits seit Längerem Religion zur Legitimation und auch zur Durchsetzung ihrer machtpolitischen und ökonomischen Interessen heranziehen. Das betrifft in ähnlicher Weise andere fundamentalistische Orientierungen, seien diese nun christlich, muslimisch oder hinduistisch. Religiös-politische Bewegungen können sich gegen das Vordringen „westlicher“ neoliberaler Regime richten und eine Rückkehr zu vorgeblich traditionellen Werten versprechen. Ebenso gut können neoliberale Konzepte der Wirtschaftsordnung jedoch Hand und Hand mit einer verstärkten Hinwendung zur Religion einhergehen, wie es die AKP in der Türkei, PAN in Mexiko, die Rechte in Guatemala und nicht zuletzt die Tea Party in den USA zeigen.

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