PROKLA

Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

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Archive for the 'Redaktion' Category

Call for Papers 178: Biokapitalismus

Posted by Die Redaktion on 26th Juni 2014

PROKLA 178
Biokapitalismus
(Heft 1, März 2015)

Die kapitalistische Produktionsweise greift auf die ‚Natur’, den ‚Körper’ und das ‚Leben’ historisch in immer neuen Weisen zu und führt zur Entstehung von jeweils besonderen gesellschaftlichen Natur- und Körperverhältnissen. Neueste Entwicklungen umfassen u.a. die reproduktionsmedizinischen Technologien, Produktion und Handel von Eizellen, Spermien, Geweben oder Organen, die Praktiken der ästhetischen Körpergestaltung sowie wiederholte Vorstöße zur Patentierung von Leben. Der menschliche Organismus wird dabei prinzipiell als gestaltbar, transformierbar und züchtbar gedacht. Was ist das spezifisch Kapitalistische daran, das es erlauben oder gar dazu nötigen würde, von ‚biokapitalistischer’ Vergesellschaftung und entsprechenden Eigentumsverhältnissen (Patente auf Leben) zu sprechen?

Es gibt Erklärungen, die von Inwertsetzung des Lebendigen oder Landnahme sprechen. Doch was genau wird in Wert gesetzt? Wie hängen dabei kapitalistische und nichtkapitalistische Ökonomien zusammen? Welche Art von Herrschaft wird dabei ausgeübt? Wie wirkt sich dies auf die Verhältnisse zwischen Klassen und Geschlechtern sowie kapitalistischen Zentren und ihren Peripherien aus? Unklar ist ebenfalls, was der Begriff des „Biokapitalismus“ meint. Handelt es sich um die Feststellung einer neuen Produktionsform oder -stufe – und wann begann diese? Ist er eine gesellschaftliche Tendenz der Reorganisation der Lebensweise? Geht es um branchenspezifische Praktiken auf der Grundlage neuer technischer Möglichkeiten? Insofern wäre auch zu fragen, inwieweit es berechtigt ist, von einem neuen „biokapitalistischen Komplex“ zu reden.
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Editorial PROKLA 175

Posted by Die Redaktion on 19th Juni 2014

Download summaries (engl.) & AutorInnen

Titel 2014-02Editorial: Klassentheorien (Juni 2014)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Klassentheorien
Hans-Günter Thien: Klassentheorien – Die letzten 50 Jahre
Dorothea Schmidt: Mythen und Erfahrungen: die Einheit der deutschen Arbeiterklasse um 1900
Brigitte Aulenbacher, Maria Dammayr und Fabienne Décieux: Herrschaft, Arbeitsteilung, Ungleichheit – Das Beispiel der Sorgearbeit und des Sorgeregimes im Gegenwartskapitalismus
Christian Baron: Klasse und Klassismus. Eine kritische Bestandsaufnahme
Mathis Heinrich: Das transnationale Kapital und die Bearbeitung der Krise(n) der Europäischen Union
Peter Bescherer: Problemzonen eines linken Klassenprojekts
Steffen Liebig: Soziale Unruhen als nicht-normierte Konflikte. Das Beispiel der englischen Riots von 2011
Außerhalb des Schwerpunkts
Ulrich Brand: Kapitalistisches Wachstum und soziale Herrschaft. Motive, Argumente und Schwächen aktueller Wachstumskritik

Bereits vor 20 Jahren vermutete unser geschäftsführender Redakteur Michael Heinrich (1994), wahrscheinlich würden sich nur noch ältere Leser und Leserinnen daran erinnern, dass das Akronym im Titel der Zeitschrift einst für „Probleme des Klassenkampfs“ stand. Er fuhr fort, dass sich mit der Änderung des Titels im Jahr 1976 nicht nur der Name des Projekts PROKLA gewandelt habe, sondern auch auf die veränderten gesellschaftlichen Umstände reagiert wurde. Emanzipationsbestrebungen könnten „nicht mehr ausschließlich als ‘Klassenkampf’ und ‘sozialistische Politik’ aufgefasst werden“, dazu quer liegende Unterdrückungsformen wie Sexismus oder Rassismus, müssten ebenbürtig berücksichtigt werden, um einen „Beitrag zur Veränderung der Verhältnisse [auf der Höhe der Zeit] zu leisten“ (ebd .: 110). Weiterlesen im Editorial

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Diskussionsveranstaltung in Leipzig: Kontroversen über Gesellschaftstheorie

Posted by Die Redaktion on 17th April 2014

Prokla_Conne_Island_2014-04-24f_vorderAm 24. April stellt die PROKLA zwei ihrer aktuellen Hefte in Leipzig vor.

AutorInnen und Redakteure diskutieren gesellschaftstheoretische Kontroversen: Was bedeutet (kritische) Gesellschaftstheorie? Was sind zentrale Kontroversen und wo liegt ihre aktuelle Relevanz? Wie lässt sich der Zusammenhang verschiedener Herrschaftsverhältnisse gesellschaftstheoretisch denken – und welche Rolle spielen dabei gesellschaftstheoretische Überlegungen im Anschluss an Marx und den materialistischen Feminismus? Aktualitätsbezogen wird es dabei auch um die Frage gehen, welche Konsequenzen sich hieraus für das Verständnis der Krise, den Zusammenhang verschiedener Krisentendenzen zusammen und für politische Strategien ergeben.

Es diskutieren:

Julia Dück (Berlin)
Etienne Schneider (Wien)
Alex Demirovic (Frankfurt/Main)

Moderation: Christian Schmidt (Leipzig)

Conne Island, Koburger Str. 3, Leipzig
24.4.2014, Beginn: 19:00 Uhr

Die PROKLA publiziert seit 1971 zu Themen aus den Bereichen der Politischen Ökonomie, der Politik, Sozialgeschichte und Soziologie. Mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. –

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Editorial PROKLA 174

Posted by Die Redaktion on 17th März 2014

Download summaries (engl.) & AutorInnen

Titel 2014-01Editorial: Materialistischer Feminismus (März 2014)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Materialistischer Feminismus
Katharina Volk: ‘Frauenfragen’ und ‘soziale Fragen’ – ein (un)überwindbarer Widerspruch? Eine Spurensuche in den Sozialutopien des 19. und 20. Jahrhunderts
Beatrice Müller: Wert-Abjektion als grundlegende Herrschaftsform des patriarchalen Kapitalismus – ‘Sorge(n)freie’ Gesellschaft als Resultat
Julia Dück: Krise und Geschlecht. Überlegungen zu einem feministisch-materialistischen Krisenverständnis
Encarnacion Gutiérrez Rodríguez: Haushaltsarbeit und affektive Arbeit: Über Feminisierung und Kolonialität von Arbeit
Sarah Hackfort: Für eine Feministische Politische Ökologie des Klimawandels – Überlegungen zu einer erweiterten Analyseperspektive auf Geschlecht und Anpassung
Pia Garske: What’s the „matter“? Der Materialitätsbegriff des „New Materialism“ und dessen Konsequenzen für feministisch-politische Handlungsfähigkeit
Außerhalb des Schwerpunkts
Nils Becker: Arbeitsregulation in der ambulanten Pflege. Handlungsfelder kollektiver Interessenvertretung

Seit einigen Jahren lässt sich beobachten, dass vielfach ein Kulturkampf um das Geschlecht stattfindet. Dieser betrifft unter anderem heterosexuelle Männer, gleichgeschlechtliche Paare und Transgender. Auch feministisch bewegte Frauen sind in besonderer Weise betroffen, denn sie haben seit den 1960er Jahren in der Zweiten Frauenbewegung gegen die sie betreffenden Praktiken der Herrschaft, also gegen die spezifischen Formen der vergeschlechtlichenden Unterwerfung und herrschaftlichen Erzeugung ihrer Subjektivität gekämpft, gegen die moralische, medizinische, staatliche Kontrolle ihres Körpers, den Sexismus oder die Ausbeutung in den Familien oder am Arbeitsplatz. Der Kulturkampf richtet sich in vielerlei Hinsicht gegen diese Emanzipation. Anders Breivik gab als einen der Gründe für sein Massaker unter norwegischen jungen Sozialist_innen an, dass seine Aktion auch eine gegen Feminismus und „Genderismus“ (1) gerichtete sein sollte. Frauen haben in Italien gegen ihre Entwürdigung demonstriert, dass sie von den Vertretern des Staates selbst zu Sexualobjekten erniedrigt werden, in Spanien kämpfen sie darum, dass eine vergleichsweise liberale Abtreibungsregelung von der konservativen Regierung nicht verschärft wird. In Polen lehnt der Klerus eine Entschädigung der Opfer der priesterlichen Missbrauchspraktiken mit der abstrusen Konstruktion ab, wonach eigentlich der Genderismus Ursache dafür gewesen sei, dass die Jugendlichen es den Priestern leicht gemacht hätten. In der Schweiz werden feministische und Gendertheorien von überregionalen Zeitungen und konservativen Politiker_innen als Irrlehren betrachtet. In diesem Zusammenhang stehen auch Auseinandersetzungen um die Frage der Sexualaufklärung von Jugendlichen in Deutschland und der Schweiz. Entgegen den Versuchen der Normalisierung, derzufolge die Frauen doch heute gleich gestellt seien, müssen Frauen erfahren, dass sie im Haushalt weiterhin mehr arbeiten, ihre Doppelbelastung höher ist und dass ihre Einkommen und Karrierechancen schlechter sind als die von Männern. Weiterhin werden viele Frauen, aber vor allem auch junge Mädchen, im privaten und öffentlichen Raum mit Belästigung, Abwertung bis hin zu sexualisierter Gewalt konfrontiert.

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Call for Papers 177

Posted by Die Redaktion on 14th März 2014

PROKLA 177
Globale Proteste zwischen Organisation und Bewegung
(Heft 4, Dezember 2014)

Die seit 2011 weltweit entflammten Massenproteste, die ihren Anfang in den arabischen Ländern genommen haben, überraschten WissenschaftlerInnen wie AktivistInnen gleichermaßen. Trotz der umfassenden sozialen Proteste gegen die Globalisierung in den 2000er Jahren hätte vermutlich kaum jemand soziale und politische Proteste von derartigem Ausmaß oder gar den Fall starker autoritärer Regime wie in Tunesien und Ägypten erwartet. Die Dynamik der Proteste 2011 erfasste nicht allein die arabischen Länder. Gegen die Krise und Austeritätspolitik kam es zu spektakulären Mobilisierungen in Spanien, Griechenland, Portugal und den USA. In vielen weiteren Ländern fanden breite Proteste statt, in Israel, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Chile, England oder der Türkei. In zahlreichen Ländern werden Kämpfe um Energie geführt, 2012 kam es zu einer starken europaweiten Bewegung und Selbstorganisierung von refugees.

Die Gründe, Motive und unmittelbaren Anlässe waren oft unterschiedlich, ebenso die Logik der Proteste – vor allem, wenn man die Bewegungen und Aufstände in unterschiedlichen Weltregionen vergleicht. Doch die brutale Austeritätspolitik, mit der die politischen Eliten weltweit auf die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007/2008 reagiert haben, sowie die (damit oftmals eng zusammenhängende) Tendenz zu einer fortschreitenden politischen Entdemokratisierung haben sich als wichtige Themenfelder für die aktuellen globalen Proteste herauskristallisiert.
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Call for Papers 176

Posted by Die Redaktion on 27th Januar 2014

PROKLA 176
„Politische Ökonomie des Mülls“
(Heft 3, September 2014)

Der weltweit immer weiter wachsende Müll gilt als eine der großen sozialen und ökologischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. In den Ozeanen treiben 100 Millionen Tonnen Plastikmüll herum, und lange Zeit waren die Weltmeere auch beliebte Lagerungsorte für Munitionsabfälle. In Großstädten wie Berlin gibt es täglich 3.800 Tonnen Abfall, und in Megacities des Südens wie etwa Shanghai, Rio de Janeiro oder Mexico City werden solche Zahlen noch weit übertroffen. Für große Mengen von Haushaltsabfällen findet sich allerdings kein Platz in den Ländern, in denen sie entstanden sind, ebensowenig wie es bislang für Müll aus Atomkraftwerken zuverlässige Lösungen zum Endverbleib gibt.  Aber auch die politische Ökonomie hat noch keinen rechten Platz für den Müll gefunden. Ihre Themen kreisen um Produktionskräfte und Produktionsverhältnisse, um Verteilung und Reproduktion, um Kreisläufe und Krisen sowie um die Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise. So erwähnte Marx im 3. Band des Kapital die “Exkremente der Produktion” gleichfalls eher beiläufig, indem er sie – der industriellen Praxis seiner Zeit entsprechend – als Rohstoffe für andere Zweige anführte (etwa Eisenspäne, die bei der Maschinenproduktion anfallen und wieder in die Eisenproduktion eingehen), während er die “Exkremente der Konsumtion” als Dünger in der Landwirtschaft  verwertet sah. Tatsächlich war das 19. Jahrhundert von Kulturen der Sparsamkeit und der Wiederverwertung geprägt. Nicht nur für die ländliche Bevölkerung, auch für den Großteil der Städter war es selbstverständlich, dass man kaputte Werkzeuge und Maschinen reparierte, Reste von Mahlzeiten zu neuen Gerichten verkochte, Stoffe wendete und Kleidungsstücke umnähte. Daneben führten Bergbau und neue Großindustrien zu Abraumhalden und stinkenden Flüssen, aber diese Schäden wurden von vielen als notwendiger Preis des Fortschritts gesehen. Read the rest of this entry »

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Editorial PROKLA 173

Posted by Die Redaktion on 15th Januar 2014

Download summaries (engl.) & AutorInnen

Titel 2013-04Editorial: Familie und Staat (Dezember 2013)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Familie und Staat
Urs Müller-Plantenberg: Nachruf für Thomas Hurtienne
Katharina Hajek: Familienduell. Von der politischen Regulierung und den Kämpfen um Familie
Susanne Schultz: Familienpolitik und die „demografische Chance“. Zur postkatastrophistischen Phase einer neuen deutschen Bevölkerungspolitik
Audrey Podann: Der Lohn ist die Arbeit. Die In-Wert-Setzung weiblichen Arbeitsvermögens als emanzipatorisches Dilemma
Tomke König: Familien-Ideale. Regulierungen einer privaten Lebensform
Anna Jüschke und Katharina Schoenes: Zwei Zahnbürsten, ein Reiskocher und romantische Liebe – Konstruktion und Verfolgung aufenthaltsrechtlicher Scheinehen in der Bundesrepublik
Volker Woltersdorff: „Wandel, Persistenz, Paradoxie“. Normalisierung und Prekarisierung von Sexualität
und Geschlecht im Neoliberalismus
Heinz-Jürgen Voß: Homo-Ehe oder Solidaritätsvertrag?
Außerhalb des Schwerpunkts
Errol Babacan: Der Juni-Aufstand in der Türkei

„Wer sich in Familie begibt, kommt darin um“ – diese bittere Diagnose des Wiener Schriftstellers Heimito von Doderer, der seit den 1950er Jahren mit Romanen wie Die Strudlhofstiege oder Die Dämonen bekannt wurde, hätte die Mehrzahl seiner bürgerlichen Leser/innen wohl kaum geteilt, galt doch nicht nur ihnen, sondern sämtlichen gesellschaftlichen Schichten die Familie als einzig erstrebenswerte Lebensform. Zwar warfen auch andere Schriftsteller wie Arthur Schnitzler oder Thomas Mann einen Blick in die seelischen Abgründe, die sich in Familien auftun konnten, und schilderten beredt die möglichen psychischen Beschädigungen, die vor allem Frauen und Kinder, aber keineswegs nur sie, trafen. Auch Sozialwissenschaftler wie Max Horkheimer oder Erich Fromm stellten bereits 1936 in den Studien über Autorität und Familie kritische Überlegungen zur Entstehung autoritärer Persönlichkeiten an. Die patriarchale Kleinfamilie, in der sämtliche Mitglieder in ihrer Abhängigkeit von dem männlichen Ernährer standen, wurde als eine der tieferen Ursachen dafür gesehen, dass Kinder heranwuchsen, die unselbständig blieben, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt waren und sich bereitwillig unterordneten.

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Editorial PROKLA 172

Posted by Die Redaktion on 2nd Oktober 2013

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Titel 2013-03Editorial: Gesellschaftstheorie III: Kontroversen (September 2013)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Gesellschaftstheorie III: Kontroversen
Alex Demirović: Kritische Gesellschaftstheorie: Analyse der Kräfteverhältnisse oder Zeitdiagnose – mit einem Seitenblick auf die Beiträge von Slavoj Žižek
Etienne Schneider: Gesellschaftliche Totalität und die Pluralität gesellschaftlicher Widersprüche
Dorothea Schmidt: Fordismus: Glanz und Elend eines
Produktionsmodells
Stefan Beck und Christoph Scherrer: Die Finanzialisierungslücke der Varieties of Capitalism
Peter Streckeisen: Praxis und Form. Ökonomiekritik mit Marx und Bourdieu
Hanno Pahl: Aufstieg und Niedergang einer
wirtschaftswissenschaftlichen Wahrheit. Reinharts und Rogoffs Artikel Growth in a Time of Debt
Außerhalb des Schwerpunkts
Urs Müller-Plantenberg: Der andere 11. September und die Folgen: 40 Jahre nach dem Putsch in Chile
Herbert Panzer: Regimedominierte Zahlenakkumulation –
vom Umgang mit ökonomischen Kategorien und ihren Größen
Thomas Sablowski: Das finanzdominierte Akkumulationsregime: Replik zu den Kritiken von Herbert Panzer und Joachim Becker

Wenn sie nicht gerade zu denjenigen gehören, die Richard Wagner als umstürzenden Neuerer der klassischen Musiktraditionen schätzen, so dürfte der 200. Geburtstag des Meisters die Mehrzahl der PROKLALeser/innen eher kalt lassen. Sie verbinden damit vermutlich am ehesten Bilder der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Elite der Bundesrepublik, die im August nach Bayreuth wallt, um sich dort den Klängen der Tetralogie Der Ring des Nibelungen hinzugeben, vielleicht aber auch nur, um in der Öffentlichkeit den Eindruck der Kulturbeflissenheit zu erwecken, und in den Pausen an Stehtischen teuren Sekt zu trinken.

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Editorial PROKLA 171

Posted by Die Redaktion on 2nd Juli 2013

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Titel 2013-02Demokratie und Herrschaft, Parlamentarismus und Parteien (Juni 2013)

PROKLA-Redaktion: Editorial
Demokratie und Herrschaft, Parlamentarismus und Parteien
Bernd Röttger: In Memoriam Gilbert Ziebura (1924 – 2013). Zur Aktualität einer Analyse struktureller Bestimmungsfaktoren politischerHandlungskorridore
Alex Demirović: Multiple Krise, autoritäre Demokratie und radikaldemokratische Erneuerung
Anne Steckner: Marxistische Parteiendebatte revisited. Zur Verortung politischer Parteien in der Bürgerlichen Gesellschaft
Anne-Kathrin Krug, Jakob Graf: Zur Aktualität der Organisationstheorie von Luxemburg und Gramsci. Zwischen emanzipatorischer Theoriebildung und ahistorischer Bezugnahme
Alexander Neupert: Parteilichkeit und Aufklärung. Zur Kritik der Mosaik-Linken
Holger Oppenhäuser: Demokratische Querfronten? Der neue Rechtspopulismus und die Ambivalenzen der direkten Demokratie
Thomas Wagner: Bürgerprotest in der Mitmachfalle. Wie aus Partizipation eine Herrschaftsmethode gemacht wird
Einspruch
Alex Demirović: Keine Zeit mehr. Das Ende des sozialdemokratischen Projekts
Außerhalb des Schwerpunkts
Jannis Milios, Dimitris Sotiropoulos: Eurozone: die Krise als Chance für die kapitalistische Offensive
Albert Scherr: Offene Grenzen? Migrationsregime und die Schwierigkeiten einer Kritik des Nationalismus

Die große Krise hat erneut vor Augen geführt, wie prekär die Einrichtungen der parlamentarischen Demokratie angesichts einer mächtigen, global wirksamen kapitalistischen Dynamik sind. Sie selbst ist in der Krise. Regierungen werden auf Druck der EU und der Troika abgesetzt und durch Expertenregierungen ersetzt. Dem bundesdeutschen Parlament, das ohnehin viele Maßnahmen zur Bewältigung der Krise nur abnicken durfte, wurde von Bundeskanzlerin Merkel bescheinigt, dass es sich marktkonform zu verhalten habe. Die Krise hat nicht zu einer völligen Außerkraftsetzung der parlamentarischen Verfahren geführt, aber sie stark relativiert. Das gilt auf ganze andere Weise auch für den Prozess der europäischen Integration. Sie schwächt die Bedeutung der nationalstaatlichen demokratischen Institutionen, hat aber bislang kaum nennenswerten Ersatz dafür geboten. So stellt sich der Eindruck ein, dass eine Allianz von nationalen und europäischen Bürokraten in engem Kontakt mit den Unternehmensverbänden das Schicksal der EU bestimmt.

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Vorschau: PROKLA 172

Posted by Die Redaktion on 1st Juli 2013

Gesellschaftstheorie III: Zeitdiagnosen (September 2013)
Bereits 2011 und 2012 sind zwei PROKLA-Hefte erschienen, die grundsätzliche Fragen der Gesellschaftstheorie behandelten. In diesem dritten Heft sollen aktualitätsbezogene Ansätze und Zeitdiagnosen im Mittelpunkt stehen. Dies betrifft die Bestimmung der Gesellschaft selbst: Ist sie eine Wissens-, eine Dienstleistungsgesellschaft? Kann sie als kognitiver Kapitalismus verstanden werden? Ist sie neoliberal, allein von der Logik des Marktes bestimmt, oder auch noch von Religion und ständischen Formen geprägt? Nimmt die soziale Integration der Gesellschaft zu oder lösen sich soziale Bindungen immer weiter auf? Bedeutet mehr Integration mehr Zwang und Druck auf die Einzelnen oder gewinnen sie mehr gesellschaftlich vermittelte Handlungsfreiheit? Wird die Gesellschaft komplexer, indem immer mehr Handlungsbereiche Autonomie erlangen oder wird sie einfacher, weil es in vielen Bereichen zu einer Entdifferenzierung kommt? Beschleunigt sich die Gesellschaft immer noch weiter, kann die Zeit den Raum immer noch weiter verdichten und vernichten – worüber schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts geklagt wurde – oder gewinnen Räume heute ein neues Eigengewicht? Was bedeuten zunehmende Urbanisierung oder höhere Mobilität? Welche Folgen haben hohe Scheidungsquoten, geringe Geburtenraten, ein hoher Altersdurchschnitt? Welche Folgen für das gesellschaftliche Leben haben die Zunahme von Reichtum und Armut? Gibt es das oftmals beschworene Phänomen der Angst in breiten Bevölkerungsgruppen? Wie wirken sich gesellschaftliche Kontrolldispositive aus? Wichtige Ansätze und Begriffe der aktuellen Debatten über die kapitalistische Gesellschaft sollen in ihrer zeitdiagnostischen Bedeutung ausgeleuchtet und in kapitalismuskritischer Perspektive analysiert werden.

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