Die Visegrád-4 und die EU

Zwischen Abhängigkeit und partieller Dissidenz

  • Joachim Becker Wirtschaftsuniversität Wien
Schlagworte: Bourgeoisie, Europäische Union, EU-Erweiterung, Desintegration, nationalistische Rechte, Visegrád-Gruppe, Eurokrise, Osteuropa, Peripherie

Abstract

Der Beitrag setzt sich mit der Positionierung der Länder der Visegrád-Gruppe zum EU-Integrationsprojekt auseinander. Diese lässt infolge der Krise seit 2008 unterschiedliche Nuancen erkennen. In Ungarn und Polen haben mit Fidesz und PiS Kräfte die Wahlen gewonnen, die auf eine Stärkung des einheimischen Kapitals gegenüber dem Auslandskapital setzen. Für eine solche Politik hat die große Krise Spielräume geschaffen. Gleichzeitig hat sie zu einer skeptischeren Haltung in der Bevölkerung der Visegrád-Länder gegenüber dem EU-Integrationsprojekt geführt. In dieser veränderten Konstellation haben sich speziell die Rechtsregierungen in Ungarn und Polen mit Vorstellungen eines „Europa der Vaterländer“ eigenständiger positioniert. In der Tschechischen Republik und der Slowakei sind die Neupositionierungen vorsichtiger. Als einziges Mitglied der Eurozone unter den Visegrád-Ländern ist die Slowakei auf den Verbleib im institutionellen Kern der EU orientiert. Generell stellt die untergeordnete Anbindung der Visegrád-Länder an den deutschen Exportindustriekomplex eine Begrenzung für Bestrebungen einer eigenständigeren EU-Politik dar.

Autor/innen-Biografie

Joachim Becker, Wirtschaftsuniversität Wien

Joachim Becker ist a.o. Professor am Institut für Außenwirtschaft und Entwicklung an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Veröffentlicht
2018-09-18
Zitationsvorschlag
Becker, J. (2018) Die Visegrád-4 und die EU, PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, 48(192), S. 417-. doi: 10.32387/prokla.v48i192.906.