Liebe PROKLA.de-BesucherInnen,

wir haben es endlich geschafft eine zeitgemäße Homepage ins Internet zu stellen. Es ist jedoch noch einiges zu tun, damit sie so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Dazu zählt vor allem, dass das gesamte PROKLA-Archiv auf die neue Homepage transferiert und der aktuellen wissenschaftlichen Gestaltung angepasst wird. Dies bedeutet aber auch, dass wir die gesamten 192 Ausgaben zerschneiden, verschlagworten und in unsere Datenbank hochladen müssen. Bei mehr als 2000 Artikeln aus den letzten 48 Jahren ist das eine ziemliche Arbeit. Daher wird das PROKLA-Archiv erst im Laufe des Jahres hier vollständig abrufbar sein. Das alte Archiv findet ihr aber solange weiterhin unter archiv.prokla.de

Eure PROKLA-Redaktion

  • 2018

  • Die EU nach der Krise: Neuformierung und Zerfall
    Bd. 48 Nr. 192 (2018)

    Heute, zehn Jahre nach dem Ausbruch der großen Krise hat sich das Gesicht der EU im Allgemeinen und der Eurozone im Besonderen samt ihrer spezifischen Architektur deutlich verändert. In der Krise gab es zahlreiche Proteste und Demonstrationen. Was ist aber davon übriggeblieben? Wo stehen die linken Parteien in Europa heute, angesichts schwerer politischer Erschütterungen infolge der Krise und dem Aufstieg der Rechten in vielen europäischen Mitgliedsstaaten? Es stellt sich die Frage, welche Alternativen wir eigentlich zu jener Europäischen Union haben, die bisher vor allem eine Wirtschaftsintegration unter neoliberalen Vorzeichen war. Braucht es eine Republik Europa, eine Neugründung durch eine verfassungsgebende Versammlung oder gar ihre Auflösung und Rückkehr zum Nationalstaat?

  • Zur (neuen) Wohnungsfrage
    Bd. 48 Nr. 191 (2018)

    Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist für viele Menschen in den Städten hierzulande zu einem schier unlösbaren Problem geworden. Trotz der 2013 verkündeten Mietpreisbremse stiegen die Immobilienpreise und Mieten weiter. Dieser erfolglose Versuch einer punktuellen und halbherzigen Reform zeigt, dass diese grundlegende Probleme berührt, die nicht durch eine partielle Preisregulierung zu lösen sind. Vor diesem Hintergrund diskutiert PROKLA 191 anhand empirischer Beiträge sowie theoretischer Reflexion die politökonomischen Gründe für die Wiederkehr der Wohnungsfrage im Kontext von Finanzialisierung, Neoliberalisierung und einer globalen Überakkumulation von Kapital.

  • Autoritärer Populismus. Strategie und politische Ökonomie rechter Politik
    Bd. 48 Nr. 190 (2018)

    PROKLA 190 befasst sich mit den autoritär-populistischen Parteien, die in vielen europäischen Ländern existieren, mit ihrer Alarmismus-Rhetorik vielfach für teils protektionistische, teils neoliberale Politiken eintreten und einen Kulturkampf betreiben. Ihre politischen Ziele, die Wahlen und die jeweiligen politischen Konstellationen sollen ebenfalls Thema sein, einschließlich der programmatischen Diskussionen, dem Wahlverhalten und der Unterstützung durch verschiedene Teile der Bevölkerung.Nach über einem Jahr der Erfahrungen mit der Präsidentschaft von Donald Trump und seinen rechten Beratern stellt sich zudem die Frage nach den konkreten Entwicklungen in den USA und den Regierungspraktiken der neuen Administration.

  • 2017

  • Natur, Ressourcen, Konflikte: Kämpfe um die globale Inwertsetzung von Land und Rohstoffen
    Bd. 47 Nr. 189 (2017)

    PROKLA 189 nimmt die politischen Ziele der autoritär-populistischen Parteien von 2017, die Wahlen und die politischen Konstellationen in den Blick. Sie schaut auf die programmatischen Diskussionen, das Wahlverhalten und die Unterstützung durch verschiedene Teile der Bevölkerung. Der zweite Heftschwerpunkt diskutiert die aktuellen, zum Teil aggressiven Bemühungen um die Sicherung des Zugriffs auf Rohstoffe und Land, die neue Konflikte und Kämpfe ausgelöst und alte verschärft haben, samt den negativen ökologischen und sozialen Folgen.

  • Gesellschaftskritik und 150 Jahre Kritik der politischen Ökonomie
    Bd. 47 Nr. 188 (2017)

    Für Gesellschaftskritik ist Karl Marx zentraler Bezugspunkt. Vor bald 150 Jahren erschien erstmals Das Kapital; Anlass genug, seine einflussreichsten ökonomiekritischen Schriften zu würdigen, um so das kritische Potenzial zu vergegenwärtigen, das für radikale Gesellschaftskritik unerlässlich ist, und sie so zu aktualisieren, selbstkritisch Gewissheiten und zweifelhafte Traditionslinien zu überprüfen und zu hinterfragen.

  • Arbeit und Wertschöpfung im digitalen Kapitalismus
    Bd. 47 Nr. 187 (2017)

    „Industrie 4.0“ - was wie ein Versprechen für einige rosige Zukunft wirkt, ist eher ein rhetorischer Coup von Unternehmensverbänden und Bundesregierung: Der Standort Deutschland soll, so die Protagonisten, neu erfunden werden. Dieser aufgeladene Kunstbegriff ist deshalb ungeeignet, einen realistischen Blick auf die aktuellen Veränderungen zu gewinnen. PROKLA 187 will zu einer kritischen Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Umstrukturierungen beitragen und dafür neue Organisations- und Steuerungsformen von Wertschöpfung durchleuchten, die Ansätze für eine Transformation des Kapitalismus enthalten und nachhaltige Veränderungen in der Nutzung von Arbeitskraft mit sich bringen – und was das für gesellschaftliche und gewerkschaftliche Kämpfe bedeutet. Jenseits der technologiezentrierten Engführungen, die den Diskurs um „Industrie 4.0“ prägen, wird eine herrschaftskritische Perspektive auf die gegenwärtige Rationalisierungsdynamik entwickelt.

  • Politische Ökonomie des Internets
    Bd. 47 Nr. 186 (2017)

    Seinen Ruf als dezentraler, hierarchiefreier und demokratischer Raum hat das Internet spätestens mit den Snowden-Enthüllungen eingebüßt. Die materielle Infrastruktur des Internets zeigt: Riesige und nur wenige Internet-Knotenpunkte konzentrieren die gesamten transatlantischen Datenströme. Zudem ist die Ökonomie des Internets sehr stark von Oligopolen und wie der geographische Raum von topographischen Verbindungen, Grenzen und Zentren und einer Peripherie geprägt. Große Teile der Welt sind kaum „vernetzt“. Die beherrschenden Themen Datensicherheit und -schutz sowie Kontrolle von geheimdienstlichen Aktivitäten verdecken, dass eine kritische Analyse zu „politischer Ökonomie“ und „Materialität“ des Internets fehlen. Es wird höchste Zeit zu diskutieren, wie das, was das Internet materiell und „immateriell“ ausmacht, selbst eine Anlagesphäre von Kapital sowie ein politisch und ökonomisch umkämpftes Terrain ist.

  • 2016

  • Ausnahmezustand: Barbarei oder Sozialismus?
    Bd. 46 Nr. 185 (2016)

    Die politische Zeit hat sich in den vergangenen Jahren enorm beschleunigt. Die Ereignisse und Probleme lösen sich in immer schnellerem Rhythmus ab. Die kritische Analyse kommt ins Hintertreffen, sie hinkt der schnellen Abfolge, der Verschiebung der Herausforderungen und Prioritäten hinterher. Wir befinden uns an einem Punkt, an dem die Bemühung, den Entwicklungen nachzuspüren und Zusammenhänge zu erschließen, atemlos macht – und irgendwie vergeblich wirkt. Dieser „Ausnahmezustand“ bedarf selbst einer kritischen Analyse. Dabei ist mit „Ausnahmezustand“ nicht einfach eine Herrschaftspraxis jenseits rechtsstaatlicher Prinzipien gemeint, die es zunehmend auch gibt, sondern die zeitdiagnostische Feststellung: die Welt scheint aus den Fugen. Aber sind wir tatsächlich mit einer „Chaotisierung“ gesellschaftlicher Verhältnisse konfrontiert? Oder sind nicht vielmehr Muster im Chaos zu erkennen? Und: Stehen die vielen beunruhigenden Ereignisse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, nicht vielmehr doch in einem (welt-)politischen Zusammenhang, den eine Analyse herausstellen müsste? Was verarbeitet die zunehmend autoritär auftretende Staatsgewalt – allein eine politische Rechtsverschiebung oder viel eher eine Polarisierung gesellschaftlicher Verhältnisse? Warum fassen überkommene herkömmliche Begriffe – von „autoritärer (Wettbewerbs-)Etatismus“ über „Doppelstaat“ bis „Faschismus“ – analytisch nicht, was derzeit passiert?

  • Energiekämpfe: Interessen, Kräfteverhältnisse und Perspektiven
    Bd. 46 Nr. 184 (2016)

    Das auf der Verbrennung der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas beruhende Energiesystem befindet sich in einer Krise. Außer der Erschöpfung der Ressourcen ist das fossilistische Energiesystem auch von Seiten der erneuerbaren Energien unter Druck geraten. Deren Nutzung befindet sich weltweit im Aufschwung. Der Übergang von einem fossilistischen zu einem auf erneuerbaren Energieträgern beruhenden System ist jedoch keineswegs konfliktfrei geschweige denn ausgemacht. Der Konflikt um die räumliche Gestalt einer Energieversorgung auf Grundlage erneuerbarer Energieträger, bei dem es letztlich darum geht, ob die Kontrolle über eine wichtige gesellschaftliche Infrastruktur wie bisher von einem Konglomerat großer Konzerne ausgeübt oder aber kapitalistischen Verwertungsinteressen entzogen und demokratisiert wird, ist nur einer von vielen Konflikten, die in der Krise des fossilistischen Energiesystems ausgetragen werden. Im PROKLA-Schwerpunkt „Die Neuordnung der Energieversorgung: Kräfteverhältnisse, Konflikte und Perspektiven“ sollen diese Dynamiken ge-nauer analysiert werden. Welche energiepolitischen Entwicklungslinien zeichnen sich derzeit ab? Von welchen innergesellschaftlichen und internationalen Kräftekonstellationen werden sie getragen? An welchen Widersprüchen und Konflikten brechen sie sich? Wie sind die Erfolgsbedingungen von Initiativen und sozialen Bewegungen einzuschätzen, die für eine Transformation von Lebensweisen und eine Demokratisierung der Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energieträger kämpfen?

  • Ökonomie der Flucht und der Migration
    Bd. 46 Nr. 183 (2016)

    Die EU reagiert auf die zunehmende Zahl von Flüchtlingen immer mehr mit militärischen Mitteln. Im Mai 2015 wurde beschlossen, das „Schlepperunwesen“ im Mittelmeer dadurch zu bekämpfen, indem diejenigen Boote, die man für Flüchtlingsboote hält, durch Kampfhubschrauber oder auf andere Art zerstört werden sollen. Als Gründe dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen, werden immer wieder Flucht vor Kriegen und katastrophale wirtschaftliche Verhältnisse angegeben – im einzelnen aber nicht weiter beleuchtet, da unterstellt wird, hierbei handele es sich um interne Probleme, mit denen die EU nichts zu tun habe. U.a . dieser Leerstellen widmet sich das Heft zur Ökonomie der Flucht und Migration. Konkret soll es um die drei Phasen der Flucht oder Migration gehen: die Ursachen für Flucht oder Migration als Ausgangspunkt, die Organisation der Flucht bzw. Migration selbst und die oftmals vergeblichen Bemühungen der Flüchtlinge und Migrant/innen, auf den Arbeitsmärkten in den EU-Ländern die Möglichkeit für einen existenzsichernden Erwerb zu finden.

  • Religion, Ökonomie und Politik
    Bd. 46 Nr. 182 (2016)

    Vor mehr als zwei Jahrzehnten prägte Samuel Huntington die Formel vom Clash of Civilizations. Zur Erklärung aktueller Konflikte wird allerdings vermehrt auf eine bestimmte Kulturform, nämlich die Religion zurückgegriffen. Meist werden bei der Analyse jedoch die politisch-ökonomische Hintergründe ausgeblendet und die kriegerischen Auseinandersetzungen als reines Kulturphänomen gesehen. Eine Untersuchung sollte jedoch beide Ebenen ins Auge fassen. Die Bedeutung von Religion erfährt nicht nur „von oben“ eine Renaissance, sondern auch an der Basis ist eine „Wiederkehr der Religiosität“ zu beobachten, der Hinweis auf den Prozess der Säkularisierung in der Modernen drückt sich deshalb um die Frage, inwieweit es nicht gerade spezifische Erscheinungen kapitalistischer Entwicklung waren, die zu gesellschaftlicher Desintegration und religiöser Hinwendung beitrugen. Es ist zu fragen: Welche Rolle spielt und spielte Religion als Möglichkeit zur Durchsetzung von Herrschaft und autoritärer Politik ebenso wie als sozialer Identitäts- und Hoffnungsanker für Deklassierte und Depravierte, wenn nicht sogar als Ausgangspunkt von Mobilisierungen für ein besseres Leben und eine bessere Gesellschaft?

  • 2015

  • Geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“
    Bd. 45 Nr. 181 (2015)

    Nur ein knappes Vierteljahrhundert nach ihrer Ausrufung durch den damaligen USPräsidenten George H.W. Bush befindet sich die „neue Weltordnung“ in Auflösung. Der Konflikt in der Ukraine, die (Bürger-) Kriege im Nahen Osten und der Aufstieg des IS, die jüngsten Fluchtbewegungen, die Weltwirtschaftskrise und die durch sie beschleunigten Verschiebungen zugunsten der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), die Krise in der EU, die Konf likte um natürliche Ressourcen und nicht zuletzt ökologische Krisenphänomene wie der Klimawandel haben die Vorstellung einer friedlichen globalen Entwicklung unter kapitalistischen Vorzeichen und unter US-amerikanischer Führung gründlich desavouiert. Was an ihre Stelle treten könnte, ist noch unklar, die Konturen des Neuen zeichnen sich erst verschwommen ab. Zu bestätigen scheint sich allerdings, dass das Neue von jener „Vereinheitlichung und Fraktionierung“ geprägt sein wird, die Michael Bonder, Bernd Röttger und Gilbert Ziebura schon 1993 in der PROKLA 91 diagnostiziert haben. Einerseits verschärfen sich im Zuge der jüngsten Weltwirtschaftskrise die Klassenkämpfe und überlagern sich mit Territorialkonflikten (Ostasien, die Ukraine oder der arabische Raum). Andererseits werden Projekte wie das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) und das internationale Dienstleistungsabkommen TISA vorangetrieben, die als Versuche einer institutionellen Vereinheitlichung aber ihrerseits die soziale und regionale Fragmentierung in den beteiligten Ländern vertiefen dürften.

  • Die politische Krise in Europa und die Reorganisation der bürgerlichen Kräfte
    Bd. 45 Nr. 180 (2015)

    „Noch vor einem Jahrzehnt glaubten viele, sie sei am Schluss ihrer Weisheit und Wirksamkeit angelangt …: die Theorie des Neo-Liberalismus“ – so Elmar Altvater 1981 in der PROKLA 44. Die ökonomischen und politischen Folgen der Krise 1929ff. brachten das Laisser-faire in die Defensive. Mit den Klassenkämpfen und sozialen Auseinandersetzungen in den 1960er und 1970er Jahren galt der Keynesianismus in den industriellen Zentren als die anerkannte wirtschaftspolitische Doktrin sowie die adäquate Form, den Widerspruch von Kapital und Lohnarbeit zu bearbeiten. „Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit“ – noch 1972 schien der Ausspruch des späteren Bundeskanzlers Helmut Schmidt Common Sense, wurde Geldwertstabilität für weit weniger wichtig gehalten als das Beschäftigungsniveau. Es kam bekanntlich anders – auch dank Helmut Schmidt, der die ersten Austeritätsmaßnahmen einleitete, Jahre vor Helmut Kohl. Mit Ronald Reagan in den USA, Margaret Thatcher in Großbritannien und Helmut Kohl in Deutschland wurde der sozialstaatlich verfasste Nachkriegskapitalismus jedoch endgültig angezählt. Rot-Grün unter Gerhard Schröder markierte mit der Agenda 2010 den vorläufigen Höhepunkt neoliberaler Politik in Deutschland. Die Linke hatte es über Jahre schwer, mit der Offensive von Kapitalinteressen und neuer Bürgerlichkeit einen politischen Umgang zu finden. Angesichts der tief greifenden Krise des Kapitalismus, die ihren Ausgangspunkt zwar 2006 auf dem US-Immobilienmarkt hatte, sich aber 2007 über die globalen Finanzmärkte weltweit ausbreitete, zeigten sich viele Linke guten Mutes: Die Hegemonie des Neoliberalismus habe Risse bekommen, in die das „Neue“ eindringen könnte, das überall und dank des globalen Widerstands gegen die sozialen und politischen Zumutungen bereits aufblitze (vgl. PROKLA 177). In Europa repräsentierte für viele Syriza die Hoffnung politischer Alternativen, nachdem die Krise schließlich in die sogenannte Eurokrise (2009ff.) mündete, auf die die Euro-Länder unter deutscher Führung mit Austerität antworteten, während Angela Merkel die „marktkonforme Demokratie“ ausrief. Die Linkspartei in Griechenland, aber auch Podemos in Spanien machten vielen Hoffnung, dass die neoliberale Alternativlosigkeit in eine Sackgasse geraten war. Seit Juli 2015 wissen wir, dass es anders kam. Selbst wenn die Geschichte noch nicht zu Ende ist...

  • Illusion und Macht des Geldes
    Bd. 45 Nr. 179 (2015)

    In Krisensituationen wird der gesellschaftliche Umgang mit Geld verstärkt zum Problem. So auch in der großen Krise, die sich seit 2007 ausgehend von den USA entwickelt hat und heute vor allem als Griechenland- und Eurokrise die öffentliche Diskussion bestimmt. Als die ersten Krisensymptome sich 2007 bemerkbar machten, stand die Geldpolitik im Zentrum der Bemühungen, die Krise einzudämmen. Der US-amerikanische Federal Reserve Board, die Europäische Zentralbank (EZB) und andere wichtige Zentralbanken schlossen Swap-Abkommen zur gegenseitigen Unterstützung ab, senkten die Zinsen praktisch auf null und pumpten in koordinierten Aktionen verstärkt Geld in das Bankensystem, um dem Zusammenbruch des Geldmarktes und des gesamten Finanzsystems in der westlichen Welt entgegenzuwirken. In den folgenden Jahren kam es zu einer sukzessiven Lockerung der Geldpolitik, die sich in einem drastischen Anstieg der Bilanzsumme der führenden Zentralbanken ausdrückte. Banken wurde nahezu unbegrenzt Geld zur Verfügung gestellt. Die Krise konnte durch die Geldpolitik alleine jedoch nicht überwunden werden. Bis heute ist die globale Konjunktur so labil, dass die führenden Zentralbanken vor einer Anhebung der Zinsen zurückschrecken, die aus der gegenwärtigen Stagnation eine erneute Rezession und De$ation machen könnte. Die Lockerung der Geldpolitik in der Krise ist keineswegs nur ein keynesianisches Konzept. Vielmehr sahen auch modernere Mainstream-Ökonomen (manchmal Neu- Keynesianer genannt) wie Ben Bernanke, der von 2006 bis 2014 Präsident des Federal Reserve Board war, darin das Mittel der Wahl, um die Krise zu bekämpfen. Nahezu völlig irrelevant für Zentralbanken wurde der hergebrachte Monetarismus, der eine exogene Steuerung der Geldmenge anstrebt und einen engen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation postuliert. Der Unterschied zwischen modernen Mainstream-Ökonomen und traditionellen Keynesianern besteht allerdings darin, dass erstere in der Geldpolitik gleichsam ein Allheilmittel sehen, während Keynesianer – zu Recht – auf ihre Grenzen hinweisen und auch für "skalpolitische Maßnahmen plädieren, um der Krise entgegenzuwirken. Aus marxistischer Perspektive überschätzen freilich beide Schulen die Möglichkeiten wirtschaftspolitischer Maßnahmen.

  • Biokapitalismus
    Bd. 45 Nr. 178 (2015)

    Die Diskussion über gesellschaftliche Naturverhältnisse hat vielfach das gesellschaftliche Verhältnis zur äußeren Natur thematisiert. Dabei geht es um die herrschaftliche Aneignung der Natur. Die Befürchtung, die bereits von Marx geäußert wurde, dass nämlich der Kapitalismus die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen und ihrer Gesellschaft untergräbt und zerstört, hat nichts von ihrer Bedeutung und Aktualität verloren. Wenn neuerdings nach einem Ausdruck von Paul Crutzen vom Anthropozän die Rede ist, dann ist damit das erdgeschichtliche Moment gemeint, in dem die Menschen eine alles Leben beeinflussende geologische Kraft geworden sind. Doch ist das keine Feststellung eines bloß positiven Sachverhalts. Vielmehr hat sich die schon von Marx beobachtete Tendenz, dass es keine von Menschen unberührte Natur mehr gibt, radikal fortgesetzt. Sie haben unter kapitalistischen Bedingungen in derart beschleunigter Weise die Erdkruste aufgewühlt und in die natürlichen Kreisläufe eingegriffen, dass es in vielerlei Hinsicht zu dramatischen Rückwirkungen auf das gesellschaftliche Leben kommt...

  • 2014

  • Globale Proteste zwischen Organisation und Bewegung
    Bd. 44 Nr. 177 (2014)

    Die seit 2011 weltweit entflammten Massenproteste überraschten WissenschaftlerInnen wie AktivistInnen gleichermaßen. Trotz der umfassenden sozialen Proteste gegen die Globalisierung in den 2000er Jahren und den Erfolgen dieser Bewegungen insbesondere in Lateinamerika, die Linke an die Regierung zu bringen und Demokratisierungsprozesse auszulösen, hätte vermutlich kaum jemand eine neue Welle sozialer und politischer Bewegungen derartigen Ausmaßes erwartet. Drei Jahre später besteht zwar Einigkeit darüber, dass wir es derzeit mit einer historisch besonderen Verdichtung von politischen und sozialen Widerständen und Unruhen zu tun haben. Unklar bleibt jedoch weiterhin, inwieweit es sich tatsächlich um eine globale Protestwelle im Sinne eines transnationalen Bewegungszyklus handelt und wie eng der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen pro-demokratischen und kapitalismuskritischen Bewegungen in verschiedenen Ländern und Regionen wirklich ist. Auch die Frage nach den staatlichen Reaktionen und nach reaktionären Tendenzen in diesen Bewegungen ebenso wie nach Gegenbewegungen drängt sich auf. Denn die Proteste gaben gleichzeitig zweideutigen populistischen, rechten oder religiös-fundamentalistischen Kräften Auftrieb. Schließlich gilt es, nach dem Entstehen neuer Verhältnisse zwischen sozialen Bewegungen, linken Organisationen und Parteien sowie der Linken an der Regierung zu fragen.

  • Politische Ökonomie des Mülls
    Bd. 44 Nr. 176 (2014)

    Der weltweit immer weiter wachsende Müllgilt als eine der großen sozialen und ökologischenHerausforderungen der nächstenJahrzehnte. In den Ozeanen treiben 100Millionen Tonnen Plastikmüll herum, undlange Zeit waren die Weltmeere auch beliebteLagerungsorte für Munitionsabfälle.In Großstädten wie Berlin gibt es täglich3.800 Tonnen Abfall, und in Megacitiesdes Südens wie etwa Shanghai, Rio deJaneiro oder Mexico City werden solcheZahlen noch weit übertroffen. Für großeMengen von Haushalts- wie von Gewerbeabfällenfindet sich allerdings kein Platz inden Ländern, in denen sie entstanden sind,ebensowenig wie es bislang für Müll ausAtomkraftwerken zuverlässige Lösungenzum Endverbleib gibt. Aber auch die politischeÖkonomie hat noch keinen rechtenPlatz für den Müll gefunden. Ihre Themenkreisen um Produktionskräfte und Produktionsverhältnisse,um Verteilung undReproduktion, um Kreisläufe und Krisensowie um die Dynamik der kapitalistischenProduktionsweise. Marx erwähnte die„Exkremente der Produktion“ im drittenBand des Kapitals gleichfalls eher beiläufig,indem er sie – der industriellen Praxis seinerZeit entsprechend – als Rohstoffe fürandere Zweige anführte (etwa Eisenspäne,die bei der Maschinenproduktion anfallenund wieder in die Eisenproduktioneingehen), während er die „Exkrementeder Konsumtion“ als Dünger in der Landwirtschaftverwertet sah.

  • Klassentheorien
    Bd. 44 Nr. 175 (2014)

    Bereits vor 20 Jahren vermutete unser geschäftsführender Redakteur Michael Heinrich (1994), wahrscheinlich würden sich nur noch ältere Leser und Leserinnen daran erinnern, dass das Akronym im Titel der Zeitschrift einst für „Probleme des Klassenkampfs“ stand. Er fuhr fort, dass sich mit der Änderung des Titels im Jahr 1976 nicht nur der Name des Projekts PROKLA gewandelt habe, sondern auch auf die veränderten gesellschaftlichen Umstände reagiert wurde. Emanzipationsbestrebungen könnten „nicht mehr ausschließlich als ‘Klassenkampf ’ und ‘sozialistische Politik’ aufgefasst werden“, dazu quer liegende Unterdrückungsformen wie Sexismus oder Rassismus, müssten ebenbürtig berücksichtigt werden, um einen „Beitrag zur Veränderung der Verhältnisse [auf der Höhe der Zeit] zu leisten“ (ebd .: 110) . Diesem Resümee voraus ging ein selbstkritisches Editorial der Redaktion im Jahr 1985, als die bis dahin letzte Ausgabe mit explizitem Klassenschwerpunkt erschien. Darin war nicht nur von einem „augenscheinlichen Prognosedefizit der marxistischen Klassenbewusstseinstheorie“ (PROKLA 1985: 2) die Rede, sondern auch von einer notwendigen „kategorialen Erweiterung der Klassentheorie“ (ebd .: 3), um angemessen berücksichtigen zu können, dass Formationen und Identitäten bestehen, die ökonomische Klassenlagen durchkreuzten und politische Präferenzen nicht einfach aus Klassenpositionen abgeleitet werden dürften .

  • Materialistischer Feminismus
    Bd. 44 Nr. 174 (2014)

    Seit einigen Jahren lässt sich beobachten, dass vielfach ein Kulturkampf um das Geschlecht stattfindet. Dieser betrifft unter anderem heterosexuelle Männer, gleichgeschlechtliche Paare und Transgender. Auch feministisch bewegte Frauen sind in besonderer Weise betroffen, denn sie haben seit den 1960er Jahren in der Zweiten Frauenbewegung gegen die sie betreffenden Praktiken der Herrschaft, also gegen die spezifischen Formen der vergeschlechtlichenden Unterwerfung und herrschaftlichen Erzeugung ihrer Subjektivität gekämpft, gegen die moralische, medizinische, staatliche Kontrolle ihres Körpers, den Sexismus oder die Ausbeutung in den Familien oder am Arbeitsplatz. Der Kulturkampf richtet sich in vielerlei Hinsicht gegen diese Emanzipation. Anders Breivik gab als einen der Gründe für sein Massaker unter norwegischen jungen Sozialist_innen an, dass seine Aktion auch eine gegen Feminismus und „Genderismus“ gerichtete sein sollte. Frauen haben in Italien gegen ihre Entwürdigung demonstriert, dass sie von den Vertretern des Staates selbst zu Sexualobjekten erniedrigt werden, in Spanien kämpfen sie darum, dass eine vergleichsweise liberale Abtreibungsregelung von der konservativen Regierung nicht verschärft wird. In Polen lehnt der Klerus eine Entschädigung der Opfer der priesterlichen Missbrauchspraktiken mit der abstrusen Konstruktion ab, wonach eigentlich der Genderismus Ursache dafür gewesen sei, dass die Jugendlichen es den Priestern leicht gemacht hätten. In der Schweiz werden feministische und Gendertheorien von überregionalen Zeitungen und konservativen Politiker_innen als Irrlehren betrachtet. In diesem Zusammenhang stehen auch Auseinandersetzungen um die Frage der Sexualaufklärung von Jugendlichen in Deutschland und der Schweiz. Entgegen den Versuchen der Normalisierung, derzufolge die Frauen doch heute gleich gestellt seien, müssen Frauen erfahren, dass sie im Haushalt weiterhin mehr arbeiten, ihre Doppelbelastung höher ist und dass ihre Einkommen und Karrierechancen schlechter sind als die von Männern. Weiterhin werden viele Frauen, aber vor allem auch junge Mädchen, im privaten und öffentlichen Raum mit Belästigung, Abwertung bis hin zu sexualisierter Gewalt konfrontiert...

  • 2013

  • Familie und Staat
    Bd. 43 Nr. 173 (2013)

    „Wer sich in Familie begibt, kommt darin um“ – diese bittere Diagnose des Wiener Schriftstellers Heimito von Doderer, der seit den 1950er Jahren mit Romanen wie Die Strudlhofstiege oder Die Dämonen bekannt wurde, hätte die Mehrzahl seiner bürgerlichen Leser/innen wohl kaum geteilt, galt doch nicht nur ihnen, sondern sämtlichen gesellschaftlichen Schichten die Familie als einzig erstrebenswerte Lebensform. Zwar warfen auch andere Schriftsteller wie Arthur Schnitzler oder Thomas Mann einen Blick in die seelischen Abgründe, die sich in Familien auftun konnten, und schilderten beredt die möglichen psychischen Beschädigungen, die vor allem Frauen und Kinder, aber keineswegs nur sie, trafen. Auch Sozialwissenschaftler wie Max Horkheimer oder Erich Fromm stellten bereits 1936 in den Studien über Autorität und Familie kritische Überlegungen zur Entstehung autoritärer Persönlichkeiten an. Die patriarchale Kleinfamilie, in der sämtliche Mitglieder in ihrer Abhängigkeit von dem männlichen Ernährer standen, wurde als eine der tieferen Ursachen dafür gesehen, dass Kinder heranwuchsen, die unselbständig blieben, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt waren und sich bereitwillig unterordneten. Jahrzehnte später wurden diese Erkenntnisse in der Studentenbewegung wieder aufgenommen und ausgiebig in Hochschul-Seminaren diskutiert. Eine beherzte Minderheit versuchte auch umgehend, sie in die Tat umzusetzen. Indem Kommunen und Kinderläden gegründet wurden, sollten die bisherigen unterdrückenden Strukturen aufgehoben werden. In Kommunen wurden tendenziell alle Prinzipien der bürgerlichen Familie – privates Eigentum, sexuelle Monogamie, interne Hierarchie – auf den Kopf gestellt, was viele der damals Beteiligten im Rückblick inzwischen als recht zwiespältige, gelegentlich sogar traumatische Erfahrung erinnern. Dagegen haben die Experimente mit neuen Erziehungsvorstellungen in den Kinderläden, anfangs in der Öffentlichkeit ängstlich beäugt und unter den Verdacht des Zusammenbruchs aller Werte gestellt, längerfristig positive Auswirkungen auf die gängigen Konzepte von Kindergärten gehabt. Kinder sollten nun nicht mehr in erster Linie diszipliniert werden, zu festgesetzten Zeiten schlafen und alle die gleichen possierlichen Wichtelmännchen zusammen bauen, sondern ihre Kreativität entfalten, sich selbst und andere als selbständig erfahren und frei spielen, wobei traditionelle Reformkonzepte wie solche der Montessori-Kindergärten wieder zu neuem Ansehen kamen. 

  • Gesellschaftstheorie III: Kontroversen
    Bd. 43 Nr. 172 (2013)

    Wenn sie nicht gerade zu denjenigen gehören, die Richard Wagner als umstürzenden Neuerer der klassischen Musiktraditionen schätzen, so dürfte der 200. Geburtstag des Meisters die Mehrzahl der PROK LA - Leser/innen eher kalt lassen. Sie verbinden damit vermutlich am ehesten Bilder der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Elite der Bundesrepublik, die im August nach Bayreuth wallt, um sich dort den Klängen der Tetralogie Der Ring des Nibelungen hinzugeben, vielleicht aber auch nur, um in der Öffentlichkeit den Eindruck der Kulturbeflissenheit zu erwecken, und in den Pausen an Stehtischen teuren Sekt zu trinken. Doch der 1813 geborene Wagner war nicht nur ein Zeitgenosse des 1818 geborenen Karl Marx (sie starben sogar im selben Jahr, 1883), beide nahmen auf unterschiedliche Weise Anteil an der Revolution von 1848, und wenn für Marx die Berichte über Arbeit und Leben der englischen Arbeiterschaft eine wichtige Grundlage für seine Überlegungen zum Los der Arbeiterklasse im Kapitalismus wurden, so weiß man aus den Tagebüchern von Wagners zweiter Frau Cosima, dass dieser von einem England- Besuch ähnliche Eindrücke mitbrachte, die sich insbesondere im Rheingold , dem ersten Teil des Rings , niederschlugen: „Auf der Heimfahrt von Greenwich entgeht ihm nicht der Eindruck von ‘Nibelheim, Weltherrschaft, Tätigkeit, Arbeit’ und von dem ‘Druck des Dampfes’, der überall den ‘Traum Alberichs’ erfüllt hat.“ (Holland 1990: 535) Wagners mythologische Geschichte von der Jagd nach dem Gold, von Liebeshändel, Betrug, Verrat, Mord und Totschlag, von Herrschaft und Untergang der Herrschenden ist von vielen Beobachtern immer schon als Parabel auf den Kapitalismus des 19. Jahrhunderts interpretiert worden, so auch von Franz Wilhelm Beidler, dem ersten Enkelsohn Wagners: „Die komplizierten Schachtanlagen und Hüttenwerke des Ruhrgebiets etwa vereinfachen sich zu den Werkstätten Nibelheims, die Anonymität des Kapitals, die Unsicherheit des Aktionärs enthüllt sich im verschleierten Tarnhelm. Die dämonische Kraft des Ringes, d.h. des kapitalistischen Macht- und Profitstrebens, durchdringt alle Beziehungen, löst alle Bindungen, Rechte und Sitten auf. Die von altersher herrschenden Gewalten – hier heißen sie Götter – verstricken sich im kapitalistischen Gestrüpp, und die Welt wartet auf den Menschen. Auf den Menschen, der durch Verzicht auf Besitz und Gewinn die Kraft zur befreienden Tat findet und Götter und Zwerge ablöst. “ (zit. nach Borchmeyer 2002: 523) Dabei ist allerdings nicht zu übersehen, dass sich Wagners kapitalismuskritischer Impetus oftmals auch mit antisemitischen und nationalistischen Vorstellungen verband, die in der Schrift Das Judentum in der Musik gipfelten.

  • Demokratie und Herrschaft, Parlamentarismus und Parteien
    Bd. 43 Nr. 171 (2013)

    Die große Krise hat erneut vor Augen geführt, wie prekär die Einrichtungen der parlamentarischen Demokratie angesichts einer mächtigen, global wirksamen kapitalistischen Dynamik sind. Sie selbst ist in der Krise. Regierungen werden auf Druck der EU und der Troika abgesetzt und durch Expertenregierungen ersetzt. Dem bundesdeutschen Parlament, das ohnehin viele Maßnahmen zur Bewältigung der Krise nur abnicken durfte, wurde von Bundeskanzlerin Merkel bescheinigt, dass es sich marktkonform zu verhalten habe. Die Krise hat nicht zu einer völligen Außerkraftsetzung der parlamentarischen Verfahren geführt, aber sie stark relativiert. Das gilt auf ganze andere Weise auch für den Prozess der europäischen Integration. Sie schwächt die Bedeutung der nationalstaatlichen demokratischen Institutionen, hat aber bislang kaum nennenswerten Ersatz dafür geboten. So stellt sich der Eindruck ein, dass eine Allianz von nationalen und europäischen Bürokraten in engem Kontakt mit den Unternehmensverbänden das Schicksal der EU bestimmt. Solche für die Demokratie tatsächlich bedrohlichen Phänomene sollten nicht den Blick dafür verstellen, dass schon seit langem eine Erosion und Krise der Demokratie konstatiert wird. In der linken Diskussion stehen dafür die Namen Agnoli, Poulantzas, Hirsch und in jüngster Zeit Crouchs Diagnose von der Postdemokratie. Viele dieser Diagnosen lassen ein Unbehagen zurück. Zwar wurde immer wieder und mit plausiblen Argumenten auf Krisendynamiken und Erosionsprozesse hingewiesen. Das erweckt manchmal den Eindruck, dass in einer früheren Phase die parlamentarische Demokratie intakt war. Aber Zweifel sind angebracht. Gleichzeitig erwiesen sich in den vergangenen Jahrzehnten die parlamentarischen Institutionen als erstaunlich stabil. Sie erwiesen sich als stark genug, die Vertretungen von sozialen Bewegungen wie Grüne oder Linke aufzunehmen und sich auf diese Weise sogar zu erneuern. Daraus ergeben sich Fragen danach, wie Krisen der Demokratie näher zu bestimmen sind. Wann kann man überhaupt von einer Krise der Demokratie sprechen? Was genau bedeuten die Krisenmomente innerhalb der parlamentarisch verfassten Politik? Kann es einen kontinuierlichen Abbau der Demokratie geben? In welchem Sinn kann davon gesprochen werden, dass die demokratischen Institutionen zu einem früheren Zeitpunkt nicht krisenhaft waren?

  • Soziale Kämpfe in Afrika
    Bd. 43 Nr. 170 (2013)

    Seit zwei Jahren erfahren wir über soziale Kämpfe auf dem afrikanischen Kontinent so viel wie seit den Unabhängigkeitsbewegungen nicht mehr: Mit dem „Arabischen Frühling“ sind politische Massenproteste im Maghreb und Maschrek in Europa zum prominenten Thema in Politik, Medien und Sozialwissenschaft avanciert. Zugleich fanden auch südlich der Sahara weitreichende Proteste statt, die von internationalen Debatten jedoch meist unbeachtet blieben. Streiks, Aufstände und andere Aktionen gab es in Benin, Botswana, Burkina Faso, der Côte d’Ivoire, Gabun, Kamerun, Kenia, Madagaskar, Malawi, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Nigeria, Senegal, Simbabwe, Südafrika, Swaziland, Uganda und West-Sahara. Als das „Afrikanische Erwachen“ bezeichnet Firoze Manji, Herausgeber eines jüngst erschienenen gleichnamigen Sammelbands und des Nachrichtenportals Pambazuka News, die Proteste, die sich über den gesamten afrikanischen Kontinent erstrecken.1 Einige stellen wir in diesem Heft exemplarisch vor.

  • 2012

  • Finanzialisierung, Konzentration, veränderte Unternehmensformen
    Bd. 42 Nr. 169 (2012)

    Im Jahre 1998 gab bereits einmal ein PROKLA- Heft zu Konzentration (PROKLA 113; Konzentration, Internationalisierung, Vernetzung). Damals stand die Fusion der Konzerne Daimler und Chrysler an, die Daimler-Chef Jürgen Schrempp euphorisch als „Hochzeit, die im Himmel geschlossen wird“ bezeichnete. Neun Jahre später resümierte die Süddeutsche Zeitung, es habe sich wohl eher um eine „Hochzeit des Grauens“ gehandelt Die Großmachtphantasie Schrempps hat den Konzern ca. 40 Mrd. Euro gekostet. Das PROKLA-Heft von 1998 widmete sich jedoch nicht in erster Linie einzelnen megamergers, sondern der historischen wie der aktuellen Entwicklung der Konzentrationsprozesse. Industrielle Restrukturierung folgte, so war zu dieser Zeit zu diagnostizieren, häufig der Leitlinie der Konzentration auf die „Kernkompetenzen“, was damit verbunden war, dass etwa in der Chemie- und Pharmaindustrie oder in der Computerindustrie nationale oder globale Netzwerke aufgebaut wurden, innerhalb derer die großen Konzerne zentrale Machtpositionen bei der Organisation von Forschung und Entwicklung wie bei der Produktion einnahmen...

  • Die EU und der Euro in der Krise
    Bd. 42 Nr. 168 (2012)

    Von einer Krise der europäischen Integration zu sprechen, wirkt fast schon abgedroschen. Es ist gerade sechs Jahre her, da wurde – kurz vor dem Ausbruch der neuen, großen Weltwirtschaftskrise und nicht zuletzt auch in der PROKLA (Nr. 144 Europa, September 2006) – eine Verfassungskrise der EU diagnostiziert. Krisen in der Geschichte der europäischen Integration sind nichts Neues. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise 2008/09 haben jedoch zu einer Eskalation der Widersprüche dieser Integration geführt. Die kapitalistische Produktionsweise führt immer wieder zu einer räumlich ungleichen Entwicklung: Das produktive Kapital ballt sich aus historischen Gründen und aufgrund von Agglomerationsvorteilen an bestimmten Orten zusammen; Arbeitsproduktivität, Klassenauseinandersetzungen und Profitabilität des Kapitals entwickeln sich national und regional unterschiedlich. Das Resultat ist nicht nur eine ausgeprägt hierarchische internationale Arbeitsteilung; die ungleichen internationalen Waren- und Kapitalströme führen auch zu Ungleichgewichten in den Zahlungsbilanzen. Das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland war 1991 fast viermal so hoch wie in Griechenland, im Jahr 2010 war es immer noch fast anderthalbmal so hoch. Während der Mitgliedschaft beider Länder in der Europäischen Gemeinschaft bzw. in der Europäischen Union ist es also durchaus zu einem Prozess der Konvergenz gekommen. Aber das höhere Wachstum der Einkommen in Griechenland erfolgte auf der Basis hoher Kapitalimporte und einer zunehmenden außenwirtschaftlichen und finanziellen Instabilität. Die Art und Weise des Wachstum erwies sich letztlich mit der Krise als unhaltbar. Seit 2008 nimmt das Gefälle in den Pro-Kopf- Einkommen zwischen Deutschland und Griechenland wieder zu.

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