Kommunales hat Konjunktur. Nicht nur in Berlin mit seiner penetrant und atemlos inszenierten Feierei, den dazu gehörigen Revolten und dem schalen Gefühl, Politik undSpektakel seien nun endgültig eins geworden. Keine Angst, auch wenn dieses Heft von einer Berliner Redaktion verantwortet wird, droht keine weitere Belästigung mit ex-reichshauptstadtlicherGroßtuerei. Dabei könnte, das schäbig-rissige Festtalmi abgekratzt,Westberlin durchaus ein Lehrstück in Sachen neuer Kommunalpolitik abgeben. Nirgendwosonst werden Alternativprojekte so marktschreierisch eingesackt und als Lokalkoloritin die Sightseeing-Touren einbezogen. Und dennoch wirkt der große Subventionstopf nur als Verstärker für allgemeinere Trends. »Alternativ«, so heißt es, sei längst ein amtlich beglaubigter Subventionstatbestand. Marginalisierung, die Auffächerung in verschiedenste Scenes und Konsummilieus, einzig entlang ihrer Kaufkraft gestaffelt, tiefer werdende Kluften zwischen erster und zweiter Stadt, erster und zweiter Politik, Gettobildung, aber auch Urbanität, Internationale Bauausstellung, behutsameStadterneuerung- Berlin kann als Stichwortgeber für eine übergreifende stadtpolitische Debatte gesehen werden. Vieles gibt es auch anderswo, womöglich weniger kraßund widersprüchlich.

Veröffentlicht: 1987-09-01