Der Widerstand der Arbeiterklasse in der Bundesrepublik gegen die Wirkungen der ökonomischen Krise seit 1973/74 auf ihre Lage war bisher weitgehend von einzelnen spontanen und auf die Betriebe beschränkten Aktionen geprägt. Dem Druck der industriellen Reservearmee auf die Lohnverhandlungen und der  verschärften Konkurrenz der Arbeiter untereinander (vgl. dazu die Analyse in Prokla 19/21) konnten die Gewerkschaften bislang kaum etwas entgegensetzen: In der Hoffnung, durch einen gewissen Lohnverzicht und die Akzeptierung einer Umverteilung zugunsten des Kapitals Investitionen nnd damit Arbeitsplätze sichern zu können, setzten sie sich geradeswegs dem stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse aus, statt Widerstand dagegen zu organisieren. In dieser Situation durchbricht eine Gewerkschaft das tarifpolitische Wohlverhalten: In der Druckindustrie setzt der Streik der IG Druck und Papier neue Maßstäbe für den Lohnkampf im kapitalistischen Krisenzyklus; Der Artikel von U. Schaile, Der Arbeitskampf der Druckarbeiter in der Tarifrunde 1976, versucht anhand einer Darstellung der Hinterg1ünde des Streiks und des Streikverlaufs die Veränderung in der Einsteilung der Druckereiarbeiter gegenüber der Haltung des Kapitals und die Veränderung der Gewerkschaft selbst zu zeigen; sie deckt die sich im Streik entwickelnden politischen Dimensionen auf, zugleich weist sie aber auch auf die Grenzen einer sich gezwungenermaßen radikalisierenden ökonomischen Interessenvertretung hin: die drohende Isolierung von den anderen Industriegewerkschaften, das möglich gewordene Auseinanderfallen der Streikfront durch die unterschiedliche Betroffenheit großer und kleiner Betriebe, der Druck der sozialdemokratischen Regierungspolitik angesichts bevorstehender Wahlen.

Veröffentlicht: 1976-09-01