Vielleicht wird einmal die letzte Februarwoche im Jahr 1972 als ein Wendepunkt in die Geschichtsbücher eingehen, beendete doch der Besuch des damaligen USPräsidenten Richard Nixon bei Mao Zedong in der Verbotenen Stadt die Isolation der Volksrepublik China. Das erklärte Ziel des Treffens, so Nixons Worte, eine Brücke zu bauen, „über die 16.000 Meilen Entfernung und 22 Jahre der Feindschaft, die uns in der Vergangenheit entzweit“ hatten, wurde rasch erreicht. Die diplomatischen Kontakte waren in kurzer Zeit wieder hergestellt. Dies ebnete den Weg für den langen Rückmarsch des Reichs der Mitte auf den USamerikanisch dominierten Weltmarkt. Die vorsichtige wirtschaftliche Außenöffnung, die die Kommunistische Partei Chinas schließlich sechs Jahre später einleitete, führte dann dazu, dass das Land seitdem ein stürmisches Wachstum durchläuft. Das rote China hat sich deshalb auch mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit dem Kapitalismus zugewandt und gilt heute als eine aufstrebende Weltmacht. Der Aufstieg Chinas zur zweitgrößten Wirtschaftsnation und zum Exportweltmeister ist mittlerweile auch im Westen unübersehbar geworden. Gerade in der Weltwirtschaftskrise seit 2008 zeigte sich die gewachsene Bedeutung des Landes. China gehörte nicht nur zu den wenigen Ländern weltweit, die nie in eine Rezession geraten waren. Vielmehr hat der chinesische Wachstumsboom maßgeblich dazu beigetragen, dass auch die Konjunktur in anderen Weltregionen wieder angesprungen ist. Doch die Faszination über diese rasante Entwicklung ist bei manch einem Kommentator der Angst gewichen. Die panische Feststellung des Hochglanzmagazins Fortune, dass China dabei sei, „die Welt zu kaufen“, drückt einen allgemeinen Stimmungswandel aus. China hat aufgrund seiner gewaltigen Warenausfuhren heute mit rund 2,6 Billionen US$ – das entspricht ungefähr dem Bruttoinlandsprodukt Frankreichs – riesige Devisenreserven angehäuft, die jederzeit dazu genutzt werden könnten, im Ausland zu investieren.

Veröffentlicht: 2010-12-01