Weltweit sind Städte heute von den Krisen- und Restrukturierungsprozessen des globalen Kapitalismus betroffen. Städte in der sogenannten Ersten Welt lassen sich weniger denn je ohne Berücksichtigung der Beziehungen zur Dritten und Vierten Welt diskutieren. David Harvey bezeichnet die heutigen Metropolen Europas und Nordamerikas als "affluent suburbia" - als wohlhabende Vororte der inzwischen nach Lateinamerika, Asien und Afrika ausgelagerten produktiven Zentren. Die verarbeitende Industrie konzentriert sich gegenwartig im globalen Süden, im Pearl River Delta der Provinz Guangdong allein arbeiten heute mehr Arbeiter in der Produktion als in den USA (ca. 18 Millionen - im Gegensatz zu den 14 Millionen Industriearbeitern der USA). In den Metropolen des Nordens verbleiben die Finanzdienstleistungen und hochwertige produktionsorientierte Dienstleistungen - mit ihrer selbst wieder differenzierten Arbeitskraftenachfrage. Diese neue globale Arbeitsteilung und die räumlichen Verschiebungen innerhalb des globalen Akkumulationsprozesses haben neue Aufgaben und Herausforderungen für städtische Akteure mit sich gebracht. Auf allen Kontinenten sind Städte und Metropolregionen in komplexe Beziehungsgeflechte aus internationalen Waren-, Finanz- und Migrationsstromen eingebunden, die sie selbst aktiv hervorbringen. Aufgrund der verschärften Weltmarktkonkurrenz agieren Städte und Metropolregionen immer mehr wie profitorientierte Unternehmen, die in der Konkurrenz um Kapitalinvestitionen, Arbeitsplätze und Steuergelder gegeneinander antreten. Stadtpolitik wird zur Standortpolitik. Lokale Regierungen und Unternehmerverbände machen sich "fit" für die Konkurrenz. Städte investieren öffentliche Mittel gezielt in "Zukunftsprojekte". Sie privatisieren öffentliche Räume und Güter und setzen sie via Public-Private Partnership und CrossBoarder Leasing "in-Wert".

Veröffentlicht: 2007-12-01