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	<title>PROKLA &#187; Klima</title>
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	<description>Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft</description>
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		<title>Editorial PROKLA 159</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 10:02:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[159: Marx!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table border="0" align="right">
<tbody>
<tr>
<td><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/prokla159-summaries.pdf" class="lipdf">Download summaries (engl.) &amp; AutorInnen</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/12/2.jpg" title="Titel 2010-02" rel="lightbox[pics26]" class="liimagelink"><img class="attachment wp-att-30 alignleft" src="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/12/2.thumbnail.jpg" alt="Titel 2010-02" width="138" height="200" /></a><strong>Marx!</strong><strong> (Juni 2010)</strong></p>
<table style="text-align: left; margin-left: 50px; margin-right: 50px; margin-bottom: 50px;" border="0" width="350">
<tbody>
<tr>
<td><em>PROKLA-Redaktion: </em>Editorial<em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/demirovic.pdf" class="lipdf"><em>Alex Demirović</em><em>: </em>Struktur, Handlung und der ideale Durchschnitt</a></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Urs Marti:</em> Marx und die politische Philosophie der Gegenwart</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Jörg Stadlinger, Dieter Sauer:</em> Marx &amp; Moderne.<br />
Dialektik der Befreiung oder Paradoxien der Individualisierung?</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Paul Burkett, John Bellamy Foster:</em> Stoffwechsel, Energie<br />
und Entropie in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie<br />
Jenseits des Podolinsky-Mythos (Teil 1)</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Hanno Pahl:</em> Marx, Foucault und das Projekt<br />
einer Wissenssoziologie der Wirtschaftswissenschaften</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Jannis Milios, Dimitris P. Sotiropoulos:</em> Marxsche Theorie<br />
und Imperialismus<em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: center;"><strong>Außerhalb des Schwerpunkts</strong><em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Klaus Müller, Rudi Schmidt</em><em>:</em> Von der griechischen zur europäischen Krise</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: left;">Mit der Finanzkrise von 2008 und der Wirtschaftskrise, die 2009 folgte, wuchs geradezu schlagartig das öffentliche Interesse an Marx. Nachdem es an den ökonomischen genauso wie an den meisten sozialwissenschaftlichen Fachbereichen deutscher Universitäten schon lange keine Lehrveranstaltungen mehr zur Marxschen Theorie gegeben hatte, nachdem man in den Medien des Mainstreams Marx seit Jahren nur dann noch hervorkramte, wenn man ihm aufs Neue bescheinigen wollte, dass er überholt sei, war dieses erneute Interesse zwar bemerkenswert, aber bei näherem Hinsehen doch nicht so ganz überraschend. Während die herrschende neoklassische Theorie seit Jahrzehnten das Hohelied effizienter Märkte sang, die – wenn sie nur ausreichend dereguliert und flexibilisiert seien – nie und nimmer eine Krise hervorbringen würden, war die Krise plötzlich wieder da. Und die Regierungen, denen die Glaubenssätze des Neoliberalismus längst als unbestreitbarer <em>common sense</em> galten, griffen zu interventionistischen Maßnahmen bis hin zur Bankenverstaatlichung, um wenigstens die unmittelbaren Krisenfolgen abzumildern, waren aber genauso wie die Vielzahl der sie beratenden Experten unsicher, ob das dicke Ende nicht erst noch bevorsteht. In dieser Situation konnte sich einem schon die Frage aufdrängen, ob der alte Mann mit dem Rauschebart nicht vielleicht doch recht gehabt hatte, mit seiner Diagnose, dass Krisen keine Betriebsunfälle, sondern notwendige Begleiterscheinungen des Kapitalismus seien? Und wenn er schon mit dieser Diagnose recht behalten hatte, sollte dann vielleicht auch am Rest seiner Kapitalismuskritik etwas dran sein? Bei einem Großteil der medialen Auseinandersetzung mit Marx konnte man den Eindruck gewinnen, dass es vor allem darum ging einen solchen Verdacht auszuräumen: Ja, mit der Krise habe Marx vielleicht einen Punkt erwischt, aber trotzdem könne man mit der Marxschen Theorie insgesamt heute nicht mehr viel anfangen – so der Tenor vieler Beiträge. Warum man aber mit der schon mehr als einmal an der Wirklichkeit gescheiterten neoklassischen Theorie, deren Vertreter in den letzten 40 Jahren so viele Nobelpreise abgeräumt hatten und die nach wie vor den Standardlehrstoff an den wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen ausmacht, besser fahren würde, konnte einem niemand erklären. In so manchen studentischen und auch in einigen gewerkschaftlichen Gruppen wurden die Fragen nach der Erklärungskraft der Marxschen Theorie dagegen zum Anlass für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Marx genommen. <em>Kapital-</em>Lektüre Kurse (in der Regel fernab jeder institutionellen Anbindung) hatten eine Zeitlang Hochkonjunktur und existieren zum Teil auch jetzt noch.<span id="more-395"></span></p>
<p>Mit dem vorliegenden Heft der PROKLA wollen wir Marx allerdings nicht als Krisentheoretiker diskutieren, dies erfolgt bereits in einer ganzen Reihe von Büchern und Artikeln, sondern eher nach den Potentialen seiner Theorie jenseits der Kritik der politischen Ökonomie im engeren Sinne fragen. So wichtig die Kritik der politischen Ökonomie auch sein mag, sie bildet nur einen Teil eines umfassenderen, herrschaftskritischen Projektes, das eine ökonomietheoretische Engführung nicht verträgt. Eine auf Emanzipation abzielende Gesellschaftstheorie muss weiter gehen. Nach unserem Schwerpunktheft <em>Gesellschaftstheorie nach Marx und Foucault</em> (PROKLA 151, Juni 2008) will die PROKLA mit dieser Ausgabe einen weiteren Beitrag dazu leisten, weitere Theorieschwerpunkte werden im nächsten Jahr folgen.</p>
<p>Im vorliegenden Heft <a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/demirovic.pdf" class="lipdf">diskutiert <em>Alex Demirović</em></a> zunächst das Verhältnis von Handlung und Struktur. Dabei wendet er sich gegen eine verkürzte soziologische Auffassung dieser Problematik und versucht insbesondere das Wertgesetz als Logik einer kollektiven Praxis zu reformulieren.</p>
<p><em>Urs Marti</em> untersucht Marx als politischen Denker. Nicht selten wird bestritten, dass Marx überhaupt etwas zur politischen Philosophie beigetragen hat. Demgegenüber wird in Auseinandersetzung mit Kant, Tocqueville, Rawls und Habermas aufgezeigt, dass Marx Erhebliches zum Verständnis der Widersprüchlichkeit des liberalen politischen Denkens beigesteuert hat.</p>
<p>Mit neueren gesellschaftstheoretischen Ansätzen von Axel Honneth und Ulrich Beck, die „Paradoxie“ und „Ambivalenz“ als Schlüsselbegriffe einführten, setzen sich <em>Jörg Stadlinger</em> und <em>Dieter Sauer</em> auseinander. Sie machen die theoretisch fragwürdigen Grundlagen dieser Konzepte deutlich und konfrontieren sie mit Marx’ dialektischem Freiheitsbegriff.</p>
<p>Dem oft wiederholten Vorwurf, dass Marx und Engels ökologische Problematiken und insbesondere die Bedeutung der Thermodynamik in ihren Untersuchungen ignoriert hätten, begegnen <em>Paul Burkett</em> und <em>John Bellamy Foster</em> mit einer breit angelegten Untersuchung. Sie zeigen nicht nur auf, welche Autoren und welche ökologisch relevanten Themen Marx und Engels rezipierten, sie machen auch deutlich, dass diese Themen in ihren Analysen in vielfältiger Weise anwesend sind.</p>
<p><em>Hanno Pahl</em> setzt sich mit der schon von Marx angeschnittenen Frage einer Wissenssoziologie der Wirtschaftswissenschaften auseinander. Er diskutiert neuere Beiträge zur Debatte und fragt, inwiefern sie für die Fortsetzung der von Marx angerissenen Probleme brauchbar sein können.</p>
<p><em>Jannis Milios</em> und <em>Dimitris P. Sotiropoulos</em> wenden sich schließlich älteren und neueren Ansätzen der Imperialismustheorie zu. Sie zeigen auf, dass sowohl die verschiedenen imperialismustheoretischen Konzepte als auch deren scheinbare Überwindung in Hardt/Negris Konstruktion eines „Empire“ sich gleichermaßen einer Verabschiedung des Marxschen Konzeptes des gesellschaftlichen Gesamtkapitals verdanken, das zugunsten einer bloß äußerlichen Beziehung von Staat und Kapital aufgegeben wird. Damit, so ihre These, wird eine wesentliche Dimension der Analyse des Kapitalismus auf Weltebene verfehlt.</p>
<p>Außerhalb des Schwerpunkts beschäftigen sich <em>Klaus Müller</em> und <em>Rudi Schmidt</em> mit den Hintergründen sowohl der Krise Griechenlands als auch der Krise des Euro und der EU.</p>
<p style="text-align: center;">*  *  *</p>
<p>Am 24. April fand in Berlin die Mitgliederversammlung der „Vereinigung zur Kritik der politischen Ökonomie e.V.“ statt. Die PROKLA wird von der Vereinigung herausgegeben, auf der jährlichen Mitgliederversammlung werden Redaktion und Redaktionsbeirat gewählt. Aufgrund beruflicher und familiärer Belastungen kandidierte <em>Christina Deckwirth</em> leider nicht mehr für die Redaktion. Neu in die Redaktion gewählt wurden <em>Silke van Dyk</em> und <em>Stefan Schmalz</em>.</p>
<p>Auch im Redaktionsbeirat gab es Veränderungen: Unser langjähriges Vereinsmitglied <em>Bodo Zeuner</em> kandidierte aus persönlichen Gründen leider nicht mehr, neu in den Beirat gewählt wurde <em>Ulf Kadritzke</em>.</p>
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		<title>Editorial PROKLA 158</title>
		<link>http://www.prokla.de/2010/04/20/editorial-prokla-158/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Apr 2010 10:26:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[158: Postkoloniale Studien]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table border="0" align="right">
<tbody>
<tr>
<td><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/prokla158-summaries.pdf" class="lipdf">Download summaries (engl.) &amp; AutorInnen</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/12/1.jpg" title="Titel 2010-01" rel="lightbox[pics26]" class="liimagelink"><img class="attachment wp-att-30 alignleft" src="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/12/1.thumbnail.jpg" alt="Titel 2010-01" width="138" height="200" /></a><strong>Postkoloniale Studien als kritische Sozialwissenschaft</strong><strong> (März 2010)</strong></p>
<table style="text-align: left; margin-left: 50px; margin-right: 50px; margin-bottom: 50px;" border="0" width="350">
<tbody>
<tr>
<td><em>PROKLA-Redaktion: </em>Editorial<em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/franzki-kwesi-aikins.pdf" class="lipdf"><em>Hannah Franzki, Joshua Kwesi Aikins</em><em>: </em>Postkoloniale Studien und kritische Sozialwissenschaft</a></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Aníbal Quijano:</em> Die Paradoxien der eurozentrierten kolonialen Moderne</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Tanja Ernst:</em> Postkoloniale Theorie und politische Praxis: Die Dekolonisierung Boliviens</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Maria Framke, Jana Tschurenev:</em> Umstrittene Geschichte. (Anti-)Faschismus und (Anti-)Kolonialismus in Indien</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Petra Neuhold, Paul Scheibelhofer:</em> Provincialising Multiculturalism. Postkoloniale Perspektiven auf Multikulturalismus, Diversität und Emanzipation</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Sook-Young Ahn, Ralf Havertz:</em> „Rumpf, Arm und Faust“. Orientalismus im Verhältnis zwischen Südkorea und Japan<em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Stefanie Kron:</em> Grenzen im Transit. Zur Konstitution politischer Subjektivitäten in transmigrantischen Räumen</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: center;"><strong>Einsprüche</strong><em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Sabine Nuss:</em> Ich möchte kein Eisbär sein. Warum der Klimagipfel in Kopenhagen die Welt nicht gerettet hat</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: left;">Ein Schwerpunktheft zu postkolonialen Studien wird vielleicht die Frage provozieren, ob man sich wirklich mit diesem Thema beschäftigen muss. Wird der Gegenstandsbereich der ehemals kolonisierten Gesellschaften nicht schon von dependenztheoretischen Ansätzen, der Weltsystemtheorie oder anderen Ansätzen der kritischen Sozialwissenschaft hinreichend erfasst? Sind die postkolonialen Studien nicht einfach nur ein neuer akademischer Trend? Die dieser PROKLAAusgabe zugrunde liegende Arbeitsthese lautet, einfach gesagt, dass dem nicht so ist.<span id="more-359"></span></p>
<p>Demnach liegt die kritische Intervention postkolonialer Studien in einem – in der Form etwas angestaubten, inhaltlich aber nach wie vor hochaktuellen – Postulat der Ideologiekritik und Wissenssoziologie begründet: dass der gesellschaftliche Ort der Wissensproduktion den Inhalt beeinflusst. Ein zentraler Ausgangspunkt der postkolonialen Studien liegt mithin darin, dass die Sicht des – geografisch grob vereinfacht gesprochen – globalen Nordens auf den globalen Süden, und damit auch die Sicht der sozialwissenschaftlichen Disziplinen in ihren hegemonialen, aber auch vielen kritischen Prägungen von kolonialen Mustern gekennzeichnet ist. Es sind Muster, die „uns“ als vernünftig, zivilisiert und demokratisch konstruieren, und „die Anderen“ als, unzivilisiert(wobei man das heute nicht mehr so sagt), aber jedenfalls als weniger weit fortgeschritten und eben einfach als „anders“ erscheinen lässt. Diese Muster sind auch lange nach dem Ende formaler Kolonialherrschaft wirksam, und sie sind vielgestaltig: wir begegnen ihnen im Reisebüro, wo mit exotischen Schönheiten und wilden Stammeskriegern geworben wird, ebenso wie in Talkshow-Debatten um Kopftücher, Minarette und „den Islam“ und in sozialphilosophischen Abhandlungen, die sich eine gute Weltgesellschaft nur durch Verallgemeinerung des westlichen Gesellschaftsmodells vorstellen können, oder in politikwissenschaftlichen Analysen, die die geregelten und zivilisierten Staatenkriege Europas den durch Plünderung und brutale Gewalt an der Zivilbevölkerung geprägten „Neuen Kriegen“ der Peripherie gegenüberstellen – und dabei stillschweigend nicht nur die Gräuel des Zweiten Weltkriegs, sondern auch die Massaker des Kolonialismus unter den Tisch fallen lassen. Die kritische Sozialwissenschaft ist ebenfalls nicht ganz frei von solchen Mustern: Auschwitz als „Zivilisationsbruch“ zu bezeichnen ist insofern problematisch, als damit eine bestimmte Zivilisation vorher als intakt und eben „zivilisiert“ angesehen wird, ungeachtet der im kolonialen Kontext begangenen Völkermorde.</p>
<p>Postkoloniale Studien befassen sich mit diesen kolonialen Mustern, mit den Nachwirkungen des Kolonialismus in ehemals kolonisierten und ehemals kolonisierenden Gesellschaften oder, abstrakter formuliert: mit der Analyse und Kritik von Herrschaftsverhältnissen im weiteren Zusammenhang mit dem historischen Phänomen des Kolonialismus. Dipesh Chakrabarty hat einen Kernbestandteil des Projekts der postkolonialen Studien beschrieben als die „Provinzialisierung Europas“: eine Welt zu denken, in der Europa (und seine Siedlerkolonien in Nordamerika) nicht mehr selbstverständlicher Ausgangspunkt der Geschichtsschreibung und Theoriebildung ist – und in der eurozentrische Kategorien nicht als universeller Maßstab gelten. Dies gilt gerade auch für die Sozialwissenschaften, in denen allzu oft die Gesellschaften Westeuropas und Nordamerikas die Norm und so den zentralen Gegenstandsbereich bilden, während periphere Gesellschaften institutionell und intellektuell marginalisierten „Unterabteilungen“ wie Entwicklungssoziologie oder Ethnologie zugeschoben werden.</p>
<p>Über diesen vagen gemeinsamen Nenner hinaus sind in den postkolonialen Studien durchaus heterogene Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen zu verzeichnen. Selbst wenn die oft als Ikonen der postkolonialen Studien genannten AutorInnen Edward Said, Gayatri Spivak und Homi Bhabha aus den Literaturwissenschaften kommen, hat die postkoloniale Perspektive über die Kultur- und Geschichtswissenschaften auch die Sozialwissenschaften erreicht. Im deutschsprachigen Raum fristen die postkolonialen Studien gerade in den Sozialwissenschaften jedoch noch ein Schattendasein, aus dem sie bestenfalls allmählich ausbrechen.</p>
<p>Dies ist bedauerlich. Denn wenn Said die jahrhundertelange Kontinuität der Stereotypen herausarbeitet, mit denen im Westen ein bestimmtes Bild des Orients konstruiert wurde, wenn Spivak unter Rückgriff auf poststrukturalistische, marxistische und feministische Positionen die Fallstricke aufklärerischen Handelns, die Notwendigkeit von Ideologiekritik und die (Un-) Möglichkeit einer Selbstrepräsentation der Subalternen diskutiert, oder wenn Bhabha aufzeigt, wie koloniale Diskurse unerwünschte Ambivalenzen, Nebeneffekte und Hybriditäten hervorbringen und so die Herrschaft, die sie absichern sollen, gleichzeitig auch unterminieren, dann ließen sich diese Thesen durchaus produktiv auf Gegenstandsbereiche der Sozialwissenschaften anwenden. Dies gilt für die Analyse der Prozesse indigener Selbstorganisation und sozialer Bewegungen (siehe die Beiträge von <em>Tanja Ernst </em>und<em> Maria Framke/Jana Tschurenev</em>) ebenso wie für den Bereich der Migration und Integration (dazu die Aufsätze von <em>Petra Neuhold/Paul Scheibelhofer </em>und<em> Stefanie Kron</em>) und für allgemeinere herrschaftssoziologische Betrachtungen der Nord-Süd Beziehungen, wie sie in dem Beitrag von <em>Aníbal Quijano</em> unternommen werden. (Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik bleiben an dieser Stelle ausgeklammert, postkoloniale Debatten zu diesem Themenbereich werden in einem Schwerpunktheft der Zeitschrift <em>Peripherie</em> behandelt, das Ende 2010 erscheinen wird.) Der PROKLA-Heftschwerpunkt mit dem programmatischen Titel „Postkoloniale Studien als kritische Sozialwissenschaft“ soll einen Beitrag dazu leisten, an dem kritisierten Zustand etwas zu ändern. In diesem Sinne geht es darum, eine breitere Auseinandersetzung mit postkolonialen Studien zu befördern, und sie als dezidiert kritische Perspektive weiter zu entwickeln. Nun kann es im Sinne der kritischen Haltung, die postkoloniale Studien gegenüber den hegemonialen Disziplinen einnehmen, gerade nicht darum gehen, diese in einen wie auch immer gearteten sozialwissenschaftlichen Kanon, „kritisch“ oder nicht, einzuverleiben. Wie María do Mar Castro Varela und Nikita Dhawan unlängst deutlich gemacht haben, handelt es sich bei postkolonialen Studien vielmehr um eine „antidisziplinäre Intervention“. Als solche widmet sie sich unter anderem einer kritischen Analyse dessen, welche Rolle wissenschaftliche Disziplinen dabei gespielt haben und weiterhin spielen, (post-)koloniale Herrschaftsstrukturen zu reproduzieren.</p>
<p>Daher werden die folgenden Beiträge nicht nur empirisch den Blick auf fortbestehende post- und neokoloniale Strukturen von Macht und Herrschaft für die Analyse der Gegenwart in Zentren und Peripherien lenken, und die Relevanz der Analyse dieser Strukturen für emanzipative politische Prozesse deutlich machen. Vielmehr werden sie auch erkenntnistheoretische, methodologische, und normative Fundamente kritischer sozialwissenschaftlicher Ansätze einer (Selbst-)Überprüfung unterziehen. Letztlich werden sie in vielfacher Weise aufzeigen, dass kritische Debatten und Forschungsstränge nur auf eigene Kosten – sei es in der Qualität der Theoriebildung und der empirischen Analysen, oder in uneingelösten normativen Ansprüchen – die Interventionen postkolonialer Studien ignorieren können.</p>
<p>Der <a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2010/franzki-kwesi-aikins.pdf" class="lipdf">Artikel von <em>Joshua Kwesi Aikins </em>und<em> Hannah Franzki</em></a> bereitet hierfür die Grundlage, indem er einen systematischen Überblick über die postkolonialen Studien gibt. Daneben werden die zahlreichen Anschlüsse diskutiert, die postkoloniale Perspektiven zu unterschiedlichsten Strängen kritischer sozialwissenschaftlicher Theoriebildung und Forschungspraxis aufweisen. Dabei qualifizieren die AutorInnen die häufig geäußerte Kritik, postkoloniale Studien vernachlässigten materielle Dimensionen der von ihnen analysierten Zustände zugunsten von Diskursen, Repräsentationen und Identitätskonstruktionen, als Kritik an nur einem Strang postkolonialer Forschung. Als Beleg für die diesbezügliche Vielfalt postkolonialer Ansätze kann der Artikel von <em>Aníbal Quijano</em> gelten. Er baut auf eine lateinamerikanische Tradition postkolonialer Theoriebildung auf, die sich in kritisch-konstruktiver Auseinandersetzung mit materialistisch geprägten Ansätzen, insbesondere der Dependenztheorie und Wallersteins Weltsystemtheorie entwickelt hat. Aus eben dieser Tradition schöpft auch <em>Tanja Ernst</em> für ihre Analyse der gegenwärtigen Bestrebungen zu einer Dekolonisierung des liberalen bolivianischen Demokratiemodells. Sie diskutiert nicht nur die Bedeutung indigener Autonomie und Demokratiekonzepte in einer gegenwärtigen postkolonialen Gesellschaft, sondern zeigt auch auf, wie produktiv der Dialog über Wissensformationen hinweg für die Reflexion ihrer eigenen Position als Forscherin ist. <em>Maria Framke </em>und<em> Jana Tschurenev</em> skizzieren eine postkoloniale Perspektive auf den Faschismusbegriff, die auf die Dezentrierung der europäischen Faschismuserfahrung abzielt. Einerseits analysieren sie die zeitgenössische Rezeption vor allem des italienischen Faschismus in Indien, wobei deutlich wird, dass trotz einer bisweilen anzutreffenden Gleichsetzung von Imperialismus und Faschismus antikoloniale Bewegungen nicht immer frei waren von reaktionären Tendenzen. Andererseits diskutieren sie die Frage, inwiefern die hindunationalistische Sangh Parivar Bewegung als faschistisch zu bezeichnen ist. Dabei weisen sie darauf hin, dass im indischen Kontext postkoloniale Eurozentrismuskritik auch in neokonservative Diskurse einfließt. Den Blick zurück auf den Westen lenken dann <em>Petra Neuhold </em>und<em> Paul Scheibelhofer</em>, indem sie die eurozentrischen Implikationen liberaler Multikulturalismuskonzepte herausarbeiten. In den mit diesen verknüpften Einwanderungs- und Integrationspolitiken dient die Evaluierung von Menschen aus „fremden Kulturen und Völkern“ der Schaffung eines differenzierten Systems der Disziplinierung und abgestuften Entrechtung von MigrantInnen. Dem methodologischen Nationalismus dieser Konzepte gegenüber werfen sie die Frage nach einem „Multikulturalismus von unten“ auf.</p>
<p><em>Sook-Young Ahn </em>und<em> Ralf Havertz</em> erkunden, inwiefern sich koloniale und eurozentrische Muster in einem außereuropäischen Kontext wieder finden lassen: im Verhältnis zwischen Südkorea und Japan. An historischen und vor allem literarischen Beispielen arbeiten sie die Legitimationsmechanismen der japanischen Überlegenheitsideologie und ihrer koreanischen AnhängerInnen heraus, die u.a. einen Rassismus ohne „Rassenunterschiede“ und die Vorstellung eines „gemeinsamen Volkskörpers“ beinhaltet. Einen Beitrag zur theoretischen und methodischen Debatte in den postkolonialen Studien leistet schließlich <em>Stefanie Kron</em>, insbesondere im Hinblick auf die Konzepte der Intersektionalität und des border feminism. Empirisch zeigt sie, dass in Bezug auf die Rückkehrmigration guatemaltekischer Kriegsflüchtlinge die gängigen Interpretationsmuster zu eindimensional sind und die politischen Subjektivitäten durch die Überschreitung nicht nur der Staatsgrenzen (borders), sondern auch der „symbolischen Grenzen von race, class und gender“ (boundaries) geprägt wurden.</p>
<p>Der Schwerpunkt des vorliegenden Heftes wurde maßgeblich von unseren GastredakteurInnen <em>Matthias Ebenau, Aram Ziai, Hannah Franzki </em>und<em> Joshua Kwesi Aikins</em> gestaltet. Wir bedanken uns ganz herzlich für ihr umfangreiches Engagement.</p>
<p style="text-align: center;">*  *  *</p>
<p style="text-align: left;">An dieser Stelle auch noch ein verspätetes, ganz herzliches Dankeschön an <em>Stefan Schmalz</em>: Er hatte als Gastredakteur mit vielen Ideen und viel persönlichem Einsatz unser letztes Heft, <a href="http://www.prokla.de/2010/01/09/editorial-prokla-157/" class="liinternal">PROKLA 157 Der blutige Ernst: Krise und Politik</a>, betreut. Im Stress der Endredaktion dieses Heftes ist dann allerdings die Danksagung an ihn in der Papierausgabe unter den Tisch gefallen.</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<p style="text-align: center;">In eigener Sache</p>
<p style="text-align: left;">Seit Dezember 2009 gibt es die PROKLA-Homepage www.prokla.de in neuer Gestalt und auch mit einem neuen Service für unsere LeserInnen: Von PROKLA Nr. 1 aus dem Jahr 1971 (damals noch „Probleme des Klassenkampfs“) bis einschließlich PROKLA Nr. 149 vom Dezember 2007 stehen alle Hefte, sowie die Sonderhefte, die in den frühen 1970er Jahren erschienen sind, als Volltext kostenlos zum Download bereit. Dass das alles so übersichtlich aussieht und leicht zu handhaben ist, war nur möglich durch einen erheblichen Arbeitseinsatz. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich bei <em>Markus Euskirchen</em>.</p>
<p style="text-align: left;">Eine weniger gute Nachricht für unsere LeserInnen ist die Preiserhöhung, die in diesem Jahr leider unumgänglich wurde. Trotz steigender Druck- und Vertriebskosten blieb der Verkaufspreis der PROKLA über Jahre hinweg konstant: Der Abopreis wurde zum letzten Mal im Jahr 1998 erhöht, der Einzelverkaufspreis im Jahr 2006. Ab diesem Jahr beträgt der Einzelverkaufspreis 14 Euro (statt bisher 12 Euro) und der Abopreis für ein Jahr 38 Euro (statt 33 Euro) plus Porto. Ein Jahresabo mit vier Heften kostet also weniger als drei Hefte im Einzelverkauf – vielleicht ist das für einige LeserInnen ein zusätzliches Argument die PROKLA zu abonnieren.</p>
<p style="text-align: left;">Die Existenz der PROKLA wird einerseits durch eine möglichst große Zahl von Abonnements gesichert, andererseits durch die finanzielle und ideelle Unterstützung der „Vereinigung zur Kritik der politischen Ökonomie e.V.“, die die PROKLA herausgibt. Die Mitgliederversammlung der „Vereinigung“ trifft sich einmal im Jahr, um den Redaktionsbeirat und die Redaktion zu wählen und um die Schwerpunktthemen des folgenden Jahres zu debattieren. Die Mitgliedsbeiträge werden zur Unterstützung der Redaktionsarbeit verwendet. Da die PROKLA und die Vereinsarbeit der „Volksbildung“ dienen, wir wollen schließlich die Kritik der vielfältigen Herrschaftsund Ausbeutungsverhältnisse auf solider wissenschaftlicher Grundlage, aber zugleich gut verständlich unters Volk bringen, ist die „Vereinigung“ schon seit vielen Jahren als gemeinnützig anerkannt, Spenden und Mitgliedsbeiträge können daher steuerlich abgesetzt werden. Die nächste Mitgliederversammlung findet am Samstag, den 24. April 2010 in Berlin statt. Wer mehr über die „Vereinigung“ erfahren möchte oder Interesse an einer Mitgliedschaft hat, kann gerne an <a href="mailto:redaktion@prokla.de" class="limailto">redaktion@prokla.de</a> schreiben und mehr Informationen dazu erhalten.</p>
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		<title>Editorial PROKLA 156</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 09:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[156: Ökologie in der Krise?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table border="0" align="right">
<tbody>
<tr>
<td><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2009/10/prokla156-summaries.pdf" class="lipdf">Download summaries (engl.) &amp; AutorInnen</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2009/12/3.jpg" title="Titel 2009-03" rel="lightbox[pics26]" class="liimagelink"><img class="attachment wp-att-30 alignleft" src="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2009/12/3.thumbnail.jpg" alt="Titel 2009-03" width="138" height="200" /></a><strong>Ökologie in der Krise?<br />
(September 2009)</strong></p>
<table style="text-align: left; margin-left: 50px; margin-right: 50px; margin-bottom: 50px;" border="0" width="350">
<tbody>
<tr>
<td><em>PROKLA-Redaktion: </em>Editorial<em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2009/10/dietz-wissen.pdf" class="lipdf"><em>Kristina Dietz, Markus Wissen: </em>Kapitalismus und „natürliche Grenzen“. Eine kritische Diskussion ökomarxistischer Zugänge zur ökologischen Krise</a></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Erik Swyngedouw: </em>Immer Ärger mit der Natur:<br />
„Ökologie als neues Opium für’s Volk“</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Christine Bauhardt: </em>Ressourcenpolitik und Geschlechtergerechtigkeit. Probleme lokaler und globaler Governance am Beispiel Wasser</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Achim Brunnengräber: </em>Prima Klima mit dem Markt? Der Handel mit dem Recht, die Luft zu verschmutzen</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Lutz Mez, Mycle Schneider:</em> Renaissance der Atomkraft? Vermutlich nicht!</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Oliver Pye: </em>Biospritbankrott: Europäische Klimapolitik, Palmöl und kapitalistische Naturverhältnisse in Südostasien<em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Frieder Otto Wolf, Pia Paust-Lassen, Gerd Peter: </em>Neue Arbeitspolitik und politische Ökologie zusammen denken Was lässt sich aus dem Exempel des alten HdA-Programms heute lernen?</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: center;"><strong>Einsprüche</strong></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Ulrich Brand: </em>Schillernd und technokratisch Grüner New Deal als<em> magic bullet </em>in der Krise des neoliberal-imperialen Kapitalismus?</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: center;"><strong>Außerhalb des Schwerpunkts</strong><em> </em></td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
<tr>
<td><em>Ellen David Friedman: </em>Gewerkschaften in China und den USA an einem Wendepunkt der globalen neoliberalen Ökonomie</td>
<td style="text-align: right;" valign="bottom"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: left;">Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise geraten auch ökologische Probleme wieder verstärkt in die Diskussion. Allerdings bleibt bis jetzt noch unklar, ob die Krise eher dazu führen wird, die Bearbeitung ökologischer Probleme zu verschieben, oder ob die diversen Konjunkturprogramme einen „Grünen Kapitalismus“ befördern können. Dementsprechend ging es in den bislang geführten Debatten vor allem darum, ob nicht „mehr“ und „effizientere“ Klimapolitik notwendig wäre. Gleichzeitig wird befürchtet, dass der nächste UN-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen keinerlei praktisch relevante Ergebenisse liefern wird.<span id="more-320"></span></p>
<p>Solche Ökologiedebatten sind zu einem guten Teil technokratisch eng geführt und weitgehend unkritisch gegenüber den gesellschaftlichen Bedingungen jener Produktionsweise, die unter ökologischen Gesichtspunkten kritisiert wird. Dasselbe gilt auch für die meisten der vorgeschlagenen oder schon teilweise umgesetzten Maßnahmen. So wird im Rahmen des Emissionshandels versucht, das Problem des CO2 Ausstoßes rein marktwirtschaftlich zu lösen (vgl. dazu den Beitrag von Achim Brunnengräber). Die Debatte konzentriert sich dann auch wenig überraschend auf die rein marktwirtschaftlichen Mängel dieses Ansatzes, dass z.B. in Deutschland die „Verschmutzungsrechte“ zunächst kostenlos zugeteilt wurden, den Kunden aber als Kosten in Rechnung gestellt werden konnten etc. Die Grundlage des ganzen Konzeptes, dass ökologische Probleme im Medium derselben kapitalistischen Konkurrenz gelöst werden sollen, die maßgeblich zur Existenz des Problems beigetragen hat, bleibt nicht nur praktisch, sondern auch in der theoretischen Diskussion weitgehend außen vor. Damit wird ganz selbstverständlich der Standpunkt des „ideellen Gesamtkapitalisten“ eingenommen, der ermittelt, welche Einschränkungen der Verwertungsmöglichkeiten hingenommen werden müssen, damit die Kapitalverwertung langfristig möglich bleibt.</p>
<p>Ähnlich verhält es sich bei dem in letzter Zeit vermehrt diskutierten „Biosprit“. Mit der Benzingewinnung aus „nachwachsenden Rohstoffen“ soll auf die zur Neige gehenden Ölressourcen reagiert werden. Es wird also versucht, sich einerseits vom fossilistischen Energieregime zu verabschieden, aber ansonsten möglichst nichts zu ändern. Dass der Biosprit irgendwann einmal für den energiefressenden Individualverkehr ausreichen könnte, ist nicht absehbar (darauf hat Hartwig Berger bereits in PROKLA 136, September 2004 hingewiesen). Dort, wo jene nachwachsenden Rohstoffe aber massenhaft angepflanzt werden, führt dies zu erheblichen ökologischen und sozialen Problemen, wie Oliver Pye in seinem Artikel aufzeigt. Biosprit ist nicht nur eine Beruhigungspille, es ist zugleich eine für viele Menschen außerordentlich schädliche Pille.</p>
<p>Absurd, aber deswegen nicht unbedingt wirkungslos, mutet der Versuch der CDU an, Atomenergie als „Öko-Energie“ anzupreisen. Zwar wird dieses Argument inzwischen nicht mehr offensiv benutzt, an einer Verlängerung der Laufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke wird aber nach wie vor festgehalten. Ob tatsächlich eine umfassende Renaissance der Atomenergie bevorsteht, wird in dem Artikel von Lutz Mez und Mycle Schneider untersucht, die zu einem eher negativen Ergebnis kommen: aufgrund fehlender sachlicher wie auch personeller Voraussetzungen ist zumindest kurzfristig ein neues Bauprogramm für Kernkraftwerke nicht zu befürchten. Doch bleibt die zu erwartende Laufzeitverlängerung bestehender Anlagen schon schlimm genug.</p>
<p>Technokratisch beschränkt bleiben auch die verschiedenen sozialdemokratisch-grünen Konzepte eines „Grünen Kapitalismus“. Es wird eine ökologische Modernisierung des Kapitalismus gefordert, die die repressive Seite des Kapitalismus ignoriert und die von den kapitalistischen Metropolen beförderte „imperiale Lebensweise“ nicht im mindesten in Frage stellt: Das „Grüne“, mit dem der Kapitalismus ergänzt werden soll, wird nicht zuletzt damit begründet, Wettbewerbsvorteile in der internationalen Konkurrenz zu erzielen (vgl. dazu den Einspruch von Ulrich Brand).</p>
<p>Sollen sich die ökologischen Debatten nicht auf den Versuch reduzieren, sich als der bessere „ideelle Gesamtkapitalist“ in Szene zu setzen, muss die Kritik etwas tiefer ansetzen. Christine Bauhardt weist in ihrem Beitrag darauf hin, dass in den gängigen Konzepten „nachhaltiger Ressourcenpolitik“ Geschlechterverhältnisse ausgeblendet bleiben. Dies stellt kein bloß akademisches Manko dar, sondern wirkt sich auch ganz praktisch aus, indem bestehende Ungleichheiten durch Projekte, die eigentlich dem „Empowerment“ armer Bevölkerungsschichten dienen sollen, die ungleichen Geschlechterverhältnisse noch verstärken.</p>
<p>Nicht nur Geschlechterverhältnisse auch Arbeitsverhältnisse werden in den ökologischen Diskursen häufig ausgeblendet. Ökologisch schädliche Produktionsprozesse sind aber zugleich kapitalistische bestimmte Arbeitsprozesse und damit innerbetriebliche Herrschaftsverhältnisse. Frieder Otto Wolf, Pia Paust-Lassen und Gerd Peter blicken auf das sozialdemokratische Programm „Humanisierung der Arbeit“ zurück und fragen, was sich daraus für eine heutige Verbindung von politischer Ökologie und einer „Arbeitspolitik von unten“ lernen lässt.</p>
<p>Die selbstverständliche Rede von „Ökologie“ und „Natur“ verdeckt eine ganze Reihe grundsätzlicher konzeptioneller Probleme. Dass Natur ein leerer Signifikant ist, der immer wieder erneut mit Bedeutung gefüllt werden muss, wird von Erik Swyngedouw herausgestellt. Die scheinbar gegebene Natur mit ihren Gleichgewichten, entpuppt sich vielmehr als eine sozial bestimmte Konstruktion. Indem dieser konstruktive Charakter aber ausgeblendet wird, werden ökologische Probleme zu reinen Sachproblemen, die anscheinend nur von Sachgesetzen bestimmt sind und damit einem politischen Diskurs (in welcher Natur wollen wir auf welche Weise leben?) entzogen werden.</p>
<p>Solche konzeptionellen Probleme ziehen sich auch durch verschiedene <a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2009/10/dietz-wissen.pdf" class="lipdf">ökomarxistische Ansätze, die von Kristina Dietz und Markus Wissen kritisch untersucht</a> werden. Zwar ist bei diesen Ansätzen durchaus ein Bewusstsein davon vorhanden, dass wir es nicht einfach mit Natur zu tun haben, sondern mit „gesellschaftlichen Naturverhältnissen“ doch liegt der Fokus der Betrachtung dabei normalerweise auf strukturellen Widersprüchen, die vom Kapitalismus produziert werden. Inwiefern die gesellschaftlichen Naturverhältnisse tatsächlich Resultat sozialer Auseinandersetzungen sind, bleibt dagegen unterbelichtet.</p>
<p style="text-align: center;">*  *  *</p>
<p style="text-align: left;">Außerhalb des Heftschwerpunkts untersucht Ellen David Friedman die Entwicklung der US-amerikanischen und der chinesischen Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten und stellt – trotz erheblicher Unterschiede – auch eine Reihe von Parallelen fest. Mit der immer weiter zunehmenden Weltmarktintegration Chinas, kommt der Art und Weise wie sich die chinesischen Gewerkschaften weiterentwickeln eine erhebliche Bedeutung für zukünftige soziale Auseinandersetzungen zu – nicht nur in China, sondern auch weltweit.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Prokla-Brennpunkt &#8220;Klima/Ökologie/Naturverhältnis&#8221;</title>
		<link>http://www.prokla.de/2009/09/24/brennpunkt-naturverhaeltnis/</link>
		<comments>http://www.prokla.de/2009/09/24/brennpunkt-naturverhaeltnis/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2009 12:02:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Brennpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Prokla 159 Paul Burkett, John Bellamy Foster: Stoffwechsel, Energie und Entropie in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie. Jenseits des Podolinsky-Mythos (Teil 1) Prokla 158 Sabine Nuss: Ich möchte kein Eisbär sein. Warum der Klimagipfel in Kopenhagen die Welt nicht gerettet hat Prokla 156 &#8220;Ökologie in der Krise&#8221; Prokla 143 Michael Löwy: Ökologie und Sozialismus – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.prokla.de/2010/07/08/editorial-prokla-159/" class="liinternal">Prokla 159</a></strong></p>
<ul>
<li>Paul Burkett, John Bellamy Foster: Stoffwechsel, Energie und Entropie in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie. Jenseits des Podolinsky-Mythos (Teil 1)</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/2010/04/20/editorial-prokla-158/" class="liinternal">Prokla 158</a></strong></p>
<ul>
<li>Sabine Nuss: Ich möchte kein Eisbär sein. Warum der Klimagipfel in Kopenhagen die Welt nicht gerettet hat</li>
</ul>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/2009/10/12/editorial-prokla-156/" class="liinternal">Prokla 156 &#8220;Ökologie in der Krise&#8221;</a></p>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2006/Prokla143.pdf" class="lipdf">Prokla 143</a></strong></p>
<ul>
<li> Michael Löwy: Ökologie und Sozialismus – der Kampf von Chico Mendes</li>
<li>Daniel Faber: Neoliberalismus, Globalisierung und der Kampf um „Ökologische Gerechtigkeit“</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2005/Prokla140.pdf" class="lipdf">Prokla 140</a></strong></p>
<ul>
<li> Markus Wissen: Modernisierte Naturbeherrschung. Agrobiodiversität, Biotechnologie und die Krise der industriellen Landwirtschaft</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2005/Prokla139.pdf" class="lipdf">Prokla 139</a></strong></p>
<ul>
<li>Philipp Hersel: Von der Ungleichheit des globalen Naturverbrauchs. Die Rolle des internationalen Finanzsystems bei der Inwertsetzung, Zerstörung und Umverteilung der natürlichen Ressourcen des Südens</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2005/Prokla138.pdf" class="lipdf">Prokla 138</a></strong></p>
<ul>
<li> Dagmar Vinz: Nachhaltiger Konsum und Ernährung. Private KonsumentInnen zwischen Abhängigkeit und Empowerment</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2004/Prokla137.pdf" class="lipdf">Prokla 137</a></strong></p>
<ul>
<li> Karin Kutter: Ölreserven und Ölinteressen. Wie glaubwürdig sind die Angaben zu den weltweiten Ölreserven?</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2004/Prokla136.pdf" class="lipdf">Prokla 136</a></strong></p>
<ul>
<li> Hartwig Berger: Alkohol im Tank. Bio-Kraftstoffe und die Grenzen moderner Mobilität</li>
</ul>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2004/Prokla135.pdf" class="lipdf">Prokla 135 &#8220;Ressourcenkonflikte&#8221;</a></p>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2002/Prokla129.pdf" class="lipdf">Prokla 129</a></strong></p>
<ul>
<li> Thomas Lemke: Biopolitik im Empire. Die Immanenz des Kapitalismus bei Michael Hardt und Antonio Negri</li>
<li> Christoph Görg, Ulrich Brand: Konflikte um das &#8220;grüne Gold der Gene&#8221;. Access, geistiges Eigentum und Fragen der Demokratie</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2000/Prokla121.pdf" class="lipdf">Prokla 121</a></strong></p>
<ul>
<li> Enrique Leff: &#8220;Ökologische Kultur&#8221;, &#8220;Umweltrationalität&#8221; und &#8220;Umweltethik&#8221;</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/2000/Prokla118.pdf" class="lipdf">Prokla 118</a></strong></p>
<ul>
<li> Ulrich Brand, Christoph Görg: Die Regulation des Marktes und die Transformation der Naturverhältnisse</li>
<li>Cord Jacobeit: Irreführende Geisterdebatte oder funktionale Notwendigkeit? Regimetheoretische Überlegungen zur Re-Regulie-rungsdiskussion am Beispiel der Weltumweltordnung</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1998/Prokla112.pdf" class="lipdf">Prokla 112</a></strong></p>
<ul>
<li> Katrin Küster: Die EU-Agrarpolitik und der Strukturwandel in den neuen Bundesländern</li>
</ul>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1997/Prokla108.pdf" class="lipdf">Prokla 108 &#8220;Landwirtschaft&#8221;</a></p>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1997/Prokla107.pdf" class="lipdf">Prokla 107</a></strong></p>
<ul>
<li> Wolfgang Sachs: Geschwindigkeit und Ökologie</li>
<li> Dieter Läpple: Grenzen der Automobilität</li>
</ul>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1996/Prokla102.pdf" class="lipdf">Prokla 102 &#8220;Zur politischen Ökonomie des Wassers&#8221;</a></p>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1994/Prokla95.pdf" class="lipdf">Prokla 95</a></strong></p>
<ul>
<li>Karl Bruckmeier: Nichtstaatliche Umweltorganisationen und die Diskussion über eine neue Weltordnung<strong><br /> </strong></li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1993/Prokla92.pdf" class="lipdf">Prokla 92</a></strong></p>
<ul>
<li>Alain Lipietz: Politische Ökologie und Arbeiterbewegung</li>
</ul>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1992/Prokla86.pdf" class="lipdf">Prokla 86 &#8220;Ökologie und Entwicklung&#8221;</a></p>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1991/Prokla84.pdf" class="lipdf">Prokla 84</a></strong></p>
<ul>
<li>Alex Demirović: Ökologische Krise und die Zukunft der Demokratie</li>
</ul>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1987/Prokla67.pdf" class="lipdf">Prokla 67 &#8220;Ökologie und Ökonomie&#8221;</a></p>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1980/Prokla39.pdf" class="lipdf">Prokla 39 &#8220;Ökologie, Technologie, Arbeiterbewegung&#8221;</a></p>
<p><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1979/Prokla34.pdf" class="lipdf">Prokla 34 &#8220;Ökologie und Marxismus&#8221;</a></p>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1976/Prokla24.pdf" class="lipdf">Prokla 24</a></strong></p>
<ul>
<li> Peter Dudek: Engels und das Problem der Naturdialektik</li>
</ul>
<p><strong><a href="http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1972/Prokla3.pdf" class="lipdf">Prokla 3</a></strong></p>
<ul>
<li> Monika Baumgartner: Die Entwicklungstendenzen in der westdeutschen Landwirtschaft. Transformation der Landwirtschaft durch Entfaltung der kapitalistischen Produktionsweise &#8211; Lage der Bauern &#8211; Formen der Proletarisierung landwirtschaftlicher Produzenten<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/79c984b55b744381a5552faffbc51997" alt="" width="1" height="1" /></li>
</ul>
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