Das Neokorporatismus-Theorem - ein Konzept zur Analyse bundesrepublikanischen Gewerkschaftsverhaltens?

Autor/innen

  • Michael Hartmann

DOI:

https://doi.org/10.32387/prokla.v13i53.1469

Schlagworte:

Korporatismus, Gewerkschaften, BRD

Abstract

Verfolgt man, wie die sozialwissenschaftliche Diskussion über Rolle und Verhalten der Gewerkschaften in der Bundesrepublik sich in den letzten Jahren verändert hat, so fällt auf, daß die »growth industry« (Panitch) Korporatismus bzw. Neokorporatismus auch hier ein immer größeres Gewicht bekommt. Dies zeigt sich sowohl an der Anzahl der Beiträge, die sich in mehr oder minder starker Form auf dieses Theorem stützen (u.a. Streeck 1979; Esser u.a. 1979; Esser/Fach 1981; Süllow 1981; Armingeon 1982; Esser 1982; Erd 1982 und Billerbeck 1982), als auch an der Zahl derjenigen, die sich kritisch darauf beziehen (u.a. Müller-Jentsch 1981 oder Hoffmann 1981). Erstaunlich ist dabei zunächst, in welch hohem Maße die Vorstellungen eines korporatistischen Arrangements zwischen Staat, Kapital und Gewerkschaften (tripartism) gerade bei vielen kritischen, den linken Traditionen der Studentenbewegung entstammenden Sozialwissenschaftlern Anklang gefunden haben. Denn angesichts der Tatsache, daß die Neokorporatismus-Debatte ganz eindeutig bürgerlichen Richtungen vor allem in der Politikwissenschaft, wie etwa der Verbändeforschung entspringt und mit dem Anspruch der meisten Protagonisten, ein neues politisches oder wirtschaftliches System »jenseits des Pluralismus oder Syndikalismus« (Schmitter) oder »als spezifische Staatsform im Unterschied zum Parlamentarismus« Qessop) (Kastendiek 1981a und 19816) zu analysieren, marxistischen Ansätzen vollkommen konträr läuft, hätte man doch mit einer erheblich reservierteren und kritischeren Haltung gerechnet.

Downloads

Keine Nutzungsdaten vorhanden.

##submission.downloads##

Veröffentlicht

1983-12-01

Zitationsvorschlag

Hartmann, M. (1983). Das Neokorporatismus-Theorem - ein Konzept zur Analyse bundesrepublikanischen Gewerkschaftsverhaltens?. PROKLA. Zeitschrift für Kritische Sozialwissenschaft, 13(53), 106-128. https://doi.org/10.32387/prokla.v13i53.1469