Bd. 26 Nr. 105 (1996): Fragementierte Staatsbürgerschaft

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Die Entwicklung von Staatsbürgerschaft in ihrer heutigen Verwendung ist eng mit der Entstehung von Nationalstaaten verbunden, die Individuen konstitutionell in ein Gemeinwesen einbanden. Obwohl dieser Entwicklungsprozeß kontextabhängig verschieden verlief, läßt sich verallgemeinernd festhalten, daß er 'von oben' durch Staatspolitik und 'von unten' durch die Mobilisierung sozialer Kräfte vorangetrieben wurde und in der Institutionalisierung staatsbürgerlicher Rechte, Pflichten und Partizipationsstrukturen mündete (Tilly 1975, Turner 1990). Dieser Prozeß hat einerseits zu der Entstehung des Nationalstaates als einem der zentralen politischen Mythen der Modeme beigetragen (Anderson 1983), andererseits umfaßt er die Herausbildung von Institutionen, die Teil der politischen Organisation von Gesellschaften sind. Als Ansatzpunkt für eine kritische Position in der Staatsbürgerschaftsdebatte ist vor allem die politische Bedeutung dieser Verknüpfung von Mythos und Institutionenbildung wichtig.

Veröffentlicht: 1996-12-01